Ralf Isau ist ein wahrer Fantasieautor. Er verzaubert, er schafft dem Leser unbegrenzte Welten und zieht mit seinen leichten Worten in den Bann. Als Leser träumt man sich förmlich immer mehr ins Buch zu den Protagonisten und durchlebt Abenteuer an Abenteuer. Zeit zum Aufwachen bleibt kaum, denn es folgen immer wieder Überraschungen, denen man sich stellen muss, überall lauert die Gefahr und es ist nicht immer ersichtlich, wer auf der guten und wer auf der bösen Seite steht. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und einfach sofort sympathisch. Ein auf keinen Fall steinernes Buch, sondern ein fantastisches, mystisches und geschichtliches Abenteuer.
Auf der Buchmesse in Frankfurt haben wir nicht geträumt, sondern im wachen Zustand ein Interview mit Ralf Isau zu seinem Roman “Das Geheimnis der versteinerten Träume” geführt. Vollkommen überraschend haben wir noch eine Leserin dazu geholt. Sie dachte ebenfalls, dass sie träumt, denn Nathalie hätte es nie für möglich gehalten, den Autor von dem sie alle Bücher verschlungen hat, in Wirklichkeit zu treffen. Sie war mehr als baff, stimmte aber sofort ein, mit zu unserem Termin zu kommen. Einem Autor mal ein paar Fragen stellen, na das wäre mal was. Sowas gibt es doch nur um Traum, dachte sie, doch wir bewiesen ihr das Gegenteil.
Vor unseren Fragen und Ralf Isau´s Antworten gibt es vorab die Rezension zum Buch.
Was habt ihr denn letzte Nacht geträumt?
War es ein schöner Traum, der hätte endlos weitergehen können oder doch ein ganz fürchterlicher, der nie wieder kehren soll? War es gefährlich oder liebevoll? Seid ihr erwacht und ward wie eigentlich alle normalen Menschen so im Bett wieder zu finden, wie ihr ins Bett gegangen seid oder habt ihr etwas aus dem Traum mitgebracht? Vielleicht ein Lebewesen oder einen Gegenstand? Hoffentlich nicht, denn sonst würde es euch bald wie Leo Leonidas gehen, dem Protagonist aus Ralf Isaus Roman „Das Geheimnis der versteinerten Träume“.
„Man muss sich etwas Neues ausdenken und es laut aussprechen oder singen. Eine Wortschöpfung, einen Reim oder eine Melodie. Dadurch setzt man eine Kraft frei, die mit der deiner Träume eng verwandt ist: die Energie der Fantasie.“
Wäre Doktor Herger Dabelstein nicht gewesen, wäre der 15-jährige Leo jetzt wahrscheinlich im Gefängnis oder in einer psychologischen Anstalt. Leo hat ein Traum in diese ganze Misere geritten. Dieses Problem hat er schon länger, ein echtes Traumproblem, denn er wacht auf und findet neben sich Gegenstände, ab und an sogar Lebewesen. Dieses Mal ist es der kupferne Wetterhahn von der Kreuzkirche. Leo ist perplex, soll er wirklich auf dem Dach der Kirche gewesen sein? Dr. Dabelstein hilft ihm, vorerst aus den Fängen der Polizei zu kommen, und lädt ihn zu sich an den Bodensee ein. Er leitet dort in Salem die Traumakademie und hält Leo für einen Traumschmied. Deren Eigenschaften ist es Dinge aus Träumen mit in unsere Welt zu bringen und eigene Träume zu erschaffen, beides ist bei Leo der Fall. Er hat Begabung und wechselt auf das Internat der YourDream Akademie, um dort beim Herstellen maßgeschneiderter Träume zu helfen.
Dies Träume kann man sich dann beliebig zusammenstellen, aus dem Internet herunter laden und mit der sogenannten Dreamcap anschauen. Träume, die nicht nur solange dauern, wie man eigentlich schläft, Träume, die viel länger und vor allem voller Abenteuer sind. Leo lebt sich schnell ein und freundet sich mit seinem Zimmergenossen Benno Kowalski an, eine weibliche Schülerin namens Orla Flaith verdreht ihm auch gleich den Kopf und lässt die Schmetterlinge in seinem Bauch fliegen. Leo lernt immer mehr seine Träume zu kontrollieren, allerdings bringt er weiterhin ungewöhnliche Traummitbringsel mit. Eines davon bringt ihn erneut in Schwierigkeiten und ein Todesfall lässt die Polizei ins Internat kommen.
Leo wird verdächtigt und ihm bleibt nur ein Ausweg. Die Flucht. Die Flucht in den Traum nach Illusion, ins Reich der ungeträumten Träume, auf den unsichtbaren Kontinent auf dem Refi Zul herrscht. Orlas Schlafpastillen wecken in ihm ungeahnte Kräfte und er schafft es nach Illusion zu entkommen. Doch auch dort ist er nicht sicher, ganz im Gegenteil, die Probleme sind jetzt noch größer, als vor seiner Flucht, denn Refi Zul ist gefährlich. Er zieht immer mehr Traumenergie aus der Menschenwelt ab. Die Welten geraten aus dem Gleichgewicht und um die globale Katastrophe abzuwenden, müssen Leo und Orla schnellstens das Geheimnis der versteinerten Träume lösen. Ein Wettlauf gegen die Zeit inmitten von Gefahren beginnt.
„Das Echo der Vergangenheit. Was nie geschehen ist, braucht auch nicht umgekehrt zu werden.“
Herr Isau, wir haben Ihnen soeben Nathalie vorgestellt, die wir direkt vom Bücherregal weggeholt haben und fragten, ob Sie spontan beim Interview mit dabei sein möchte. Sie stimmte sofort zu, da Sie erst gar nicht glauben wollte, dass dies so einfach geht.
Wie wichtig ist Ihnen der direkte Kontakt zu Ihren Lesern?
Mir ist dieser sehr wichtig, denn ich habe gern, wie man sprichwörtlich sagt: “Das Ohr auf der Schiene”. Ich möchte wissen, wie der Leser tickt und dieser direkte Kontakt hat ein großes Gewicht. Ich genieße das vor allem hier auf der Buchmesse und bei Lesungen.
Die meisten Leserstimmen werden sicher positiv sein, aber gibt es ab und an auch negative Stimmen, die direkt persönlich an Sie heran getragen werden?
Natürlich gibt es auch diese, zum Glück aber eher selten. Dennoch möchte ich mir auch diese Kritik anhören. Wenn es nämlich konstruktive Kritik ist, kann ich aus dieser etwas mitnehmen, weil diese Dinge dann meist im Ansatz auch berechtigt sind. Und genau diese regen mein Denken an und fließen dann in meine nächsten Arbeiten mit ein.
Wenn wir an das Buch denken und es vor uns sehen, fragen wir uns: wie träumt denn Herr Isau?
Meine Träume sind so wie bei den meisten Menschen. Man träumt und nach dem Aufwachen hat man diese auch gleich schon wieder vergessen. Es soll ja die Möglichkeit geben, seine Träume selbst zu beeinflussen. Im Buch geht es ja genau um das Thema. Leider hat das bei mir selbst noch nicht ganz so geklappt, dieses Training habe ich noch nicht betrieben und träume von daher wohl ganz normal. Ich träume allerdings schon oft fantastisch und ich musste über das Thema “träumen” nun mal schreiben.
Das heißt, Sie passen in keine Traumkategorie der Personen hinein die auf der Traumakademie sind. Sie sind auch kein Traumwandler und können auch nicht einen Wetterhahn in Ihr Bett zaubern. Also ist der Roman eher sehr gute Fantasy, mit wenigen autobiographischen Zügen, oder?
Gute fantastische Literatur und Träume haben mich von Anfang an beschäftig, mein erster Roman hieß ja “Die Träume des Jonathan Jabbok” und in fast allen Romanen von mir gibt es zumindestens eine Passage wo es um einen besonderen Traum geht. Weil der Traum, wie ich finde, der unmittelbare Beweis ist, dass jeder Mensch Fantasie hat und in unseren Träumen erleben wir alle ab und an mal etwas, was es in Wirklichkeit nicht gibt. Nur wenige trauen sich zu, darüber mal eine Geschichte zu schreiben. Träume sind für mich die Schnittstellen zur Fantasy.
Während des Lesens dachte man immer wieder, dass vielleicht auch etwas Gegensätzliches zum Traum auftaucht. Der Albtraum. Dieser kommt allerdings nicht vor bzw. dieses Wort erwähnen Sie nie. Ist das Absicht, dass Sie die Träume positiv darstellen, trotz ihrer auch negativen Effekte?
Es gibt im Roman eine Welt, die wird angesprochen, aber nie genauer beschrieben. Allein der Eintritt in diese Welt ist schon schrecklich, denn die Protagonisten sehen, das jemand da hinein gezogen wird. Dies soll den Lesern einige Schauer über den Rücken laufen lassen und das soll genügen. Es gibt in der Fantasy gerade den Trend, sich an gruseligen Elementen, sogar richtigem Horror zu bedienen, welches allerdings überhaupt nicht meins ist. Deswegen habe ich dieses Tiefdunkle, den absoluten Albtraum nicht groß thematisiert. Das Träume zweischneidig sind, kann man aber klar erkennen.
Am Ende des Romans denkt man ein klein wenig darüber nach, ob er jetzt tatsächlich beendet ist oder ob ggf. noch ein zweiter Teil folgt. Was sagen Sie dazu?
Ja, das ist richtig, das soll so sein. Ich halte mir da bewusst immer ein kleines Hintertürchen offen. Das ist in allen Roman so, ohne jetzt konkret den Gedanken zu haben, irgendwann mal eine Fortsetzung zu schreiben. Leser die meine Romane kennen, wissen dass meine Bücher untereinander alle vernetzt sind. Das heißt es gibt immer eine Person, die bereits in einem anderen Roman schon eine Rolle spielt und an irgendeiner Stelle kurz erscheint. Es ist eine Art Schnittstelle für mich.
Nathalie kennt alle Ihre Werke und wir sind gespannt, was Sie als Fantasykennerin für Fragen hat.
Herr Isau, ich habe von Ihnen die Bücher “Der Kreis der Dämmerung” gelesen und mag diese einfach sehr. Diese sind fantastisch, aber sehr genau mit historischen Fakten belegt, unter anderem handeln sie von den Weltkriegen, die es gab. Im neuen Buch, welches ich leider noch nicht gelesen habe, erschaffen Sie allerdings eine komplett fantastische Welt, wie ich weiß. Das sind schon zwei unterschiedliche fantastische Genre, wie ich finde. Wie kamen Sie denn darauf, einmal historisch genau und einmal ganz fantastisch, mit komplett erfundener Welt zu schreiben? Was beeinflusst Sie beim Schreiben und welche Art von Genre schreiben Sie lieber?
Ich schreibe gern Bücher, die ich selber gern als Jugendlicher gelesen hätte. Auch heute lese ich vorwiegend Jugendbücher. Geschichte hat mich damals einfach auch sehr interessiert. Fragen wie – wo kommen wir her? Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann seine Zukunft bestreiten und daher war das für mich ein besonderes Anliegen diese Bücher zu schreiben. Ich habe aber in fast allen Romanen reale Elemente. Hier in meinem aktuellen Buch ist es das luzide Träumen, seine Träume bewusst zu beeinflussen, dies gibt es nämlich wirklich. Das zweite reale Element sind die Osterinseln, mit den Moais, den Steinfiguren, die eine große Rolle spielen. Bei denen rätselt man ja heute noch, wo die herkommen und ich finde das spannend, wenn etwas wissenschaftlich noch nicht zu 100% erwiesen ist. Da erwacht bei mir die Fantasie und ich suche nach Erklärungen und dadurch sind die versteinerten Träume entstanden. Auch die Schnittstelle Computer ist in unsere Welt einzuordnen, denn in Zukunft wird man vielleicht versuchen, Computer durch das menschliche Gehirn zu steuern oder einen Traum-Download zu erzeugen
Bei den Büchern “Der Kreis der Dämmerung” war es eher die Geschichte, hier ist es die Forschung und die Technik, die im Fordergrund steht.
Was ich lieber schreibe, ist schwer zu sagen. Ich sage immer, es ist die Mischung und behaupte auch auf meiner Website, dass ich Phantagone schreibe. Ein Phantagon ist ein Roman, in dem jeder Leser eine andere Mischung verschiedener literarischer Formen oder Gattungen erblickt. Das finde ich spannend. Außerdem macht es Spaß reale Dinge die nicht allzu bekannt sind, in einen Roman zu bringen, um diese dann fantastisch zu machen oder überspitzt darzustellen.
Vielen Dank Herr Isau für das Beantworten meiner Fragen. Ich bin jetzt noch gespannter auf das Buch und Danke für das signierte Exemplar, was ich einfach mitnehmen darf.
Sie haben eine umfangreiche Homepage. Wie wichtig ist für Sie das Internet mit allen seinen sozialen Plattformen wie zum Beispiel Lovelybooks mit den Leserunden um Ihr Buch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen?
Also das Internet wächst und die Wichtigkeit hat für mich in den letzten drei Jahren zugenommen. Lange Zeit waren für mich meine Webseite und Emails der Hauptkontakt, diese sind auch weiterhin der Dreh- und Angelpunkt, aber auch die neuen sozialen Netzwerke und Plattformen sind sehr wichtig, da diese Leser anziehen und die Bücherfresser, wie ich gerne sage, sich dort tummeln und untereinander austauschen. Ich nehme dies alles gern an, nur für mich als Autor ist es ein kleiner Drahtseilakt, denn die Leser wollen mit mir in Kontakt sein, gleichzeitig aber am liebsten zwei neue Bücher von mir lesen. Leider ist mein Tag auch nur 24 Stunden lang und da muss ich mich immer etwas einschränken und kann leider nur punktuell reagieren. Aber das wird auch wahrgenommen und wertgeschätz.
Der jetzige Roman liegt ja in Ihrer Arbeit als Autor schon etwas hinter Ihnen. Können Sie uns schon verraten, an welchem Buch Sie gerade schreiben?
Ja, es gibt mehrere Ideen und es liegt auch schon ein Feinkonzept vor. Der Roman wird wieder bei cbj erscheinen und er wird historisch-fantastisch. Wir sind in der Zeit Ende des 18. Jahrhunderts, zur Zeit der französischen Revolution, es spielt in London und Paris, aber es gibt auch rein fantastische Elemente. Mein Arbeitstitel ist “Die Seelendiebe”. Es geht um die Fähigkeit, mit jemanden den Körper zu tauschen, wenn dieser berührt wird. Also ich bin bei Ihnen im Körper und Sie stecken in meinem Körper. Das allerdings ist nicht bewusst steuerbar, es kann auch ausversehen passieren, sogar mit einem Hund. Daraus ergeben sich wieder viele spannende, aber auch humorvolle Elemente. Ich glaube damit habe ich schon viel verraten.
Lieber Herr Isau, wir sagen Danke für dieses umfangreiche Interview und Ihrem offenen Umgang, auch dafür das wir Nathalie mitbringen konnten und diese ein signiertes Buch erhielt. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und hoffen, dass Sie Ihren Körper nicht mit einem ohne Ideen austauschen und Ihnen dadurch nichts mehr einfällt.
Vielen, vielen Dank.
P.S. Auf der Buchmesse in Leipzig werden wir auch einige Interviews führen und uns wieder ganz spontan einen Leserfan dazu holen. Literatwo machts möglich.






Tja…erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt. Da besucht die Nathalie einfach nur die Buchmesse, denkt, dass man Autoren nur aus der Ferne sehen kann und ist plötzlich mittendrin in einem Interview….
Das geht nur bei uns und es hat so viel Spaß gemacht zu erleben, wie schnell die junge Interviewerin aufgetaut ist… und dem Herrn Isau hat es auch gefallen…
Das machen wir mal wieder so
Super Erlebniss =) Da steht man nichts ahnend bei den Bücherregal mit Ralf Isaus Büchern und im nächsten Moment sitzt er direkt vor dir. Danke für die Möglichkeit, einfach unvergesslich!!!
Schön, Dich auch hier zu treffen… lach… für uns war es auch unvergesslich, vor Allem, weil du so cool mitgemacht hast… Den Bildern sieht man heute noch an, was wir alle um die Wette gestrahlt haben… sage mal einer, Literatur sei nicht kommunikativ…
Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder auf irgendeiner Messe
Hey Nathalie,
klasse, dass du dich meldest.
Es war genial dich dabei zu haben und wir sammeln dich mal wieder frisch vom Regal weg *lach*
Unvergesslich klingt mehr als gut – liebe Grüße.
Optisch ansprechend aufbereitete Rezension, gute Beurteilung. Was kann ein Autor sich Besseres wünschen? Vielen Danke an Binea und Mr. Rail!