Im Visier: „Mandels Büro“ von Berni Mayer

(c) Heyne

Von Musikjournalisten zu Nachwuchsdetektiven – so sieht die Karriere von Max Mandel und Sigi Singer aus. Denn zufälligerweise hat Max‘ Onkel Hans seinem Neffen sein Detektivbüro just in dem Moment vererbt, in dem die Redaktion des Rock’n’Roll Express geschlossen werden soll. Also sitzen sie fortan in dem Detektivbüro herum, anstatt Popstars zu interviewen. Eines Tages taucht die verführerische und geheimnisvolle Blondine Veronika Malleck im Büro auf. Sie will sich von ihrem Mann Leo Tilmann, dem Sänger der Punkrockband DEMO, trennen, und die Neu-Detektive sollen dessen Untreue beweisen. Sie sind bestens dafür geeignet, da sie die Branche kennen und sich unauffällig unter Musikern aufhalten können. Darüber hinaus wäre dies ihr erster Fall – und sie haben eine Schwäche für die Frau. Also übernehmen sie den Auftrag. Aber bei einer bloßen Beschattung bleibt es nicht. Schon wenig später wird Leo Tilmann ermordet aufgefunden – und Mandel und Singer geraten in eine abenteuerliche Suche nach Tilmanns letzten Aufnahmen.

Berni Mayer (c) Erik Weiss

„Mandels Büro“ ist der Debütroman von Berni Mayer, der unter anderem Chefredakteur von MTV und Viva online war, mit Markus Kavka „Kavka vs The Web“ produzierte, in der Heavy-Metal-Band „The Gebruder Grim“ spielt und den Blog St. Burnster betreibt. Seine Neu-Detektive ermitteln also in einem ihm vertrauten Milieu, so dass er einige Sticheleien gegen Manager einbaut, die noch das Band des Anrufbeantworters nach dem Ableben ihres Schützlings zu Geld machen würden – aber auch gegen Musiker, die auf einmal die Welt retten wollen. Seinen Erzähler Sigi lässt er darüber hinaus über Bands, Musikrichtungen, Platten und die Industrie im Allgemeinen schwadronieren. Eingefleischte Musikfans werden daran sicherlich Freude finden, mitunter sind sie aber zu lang geraten. Insgesamt erweist sich aber vor allem die personale Erzählperspektive als schwierig. Es kommt wiederholt zu Einschüben im Stil von ‚er habe es im Nachhinein erzählt‘, vieles wird erklärt und erläutert. Außerdem bleibt eine beträchtliche Distanz insbesondere zu Max Mandel, aber auch zu Sigi Singer bestehen. Doch die Abenteuer des ungleichen Ermittler-Duos wären an mancher Stelle mit einer größeren Anteilnahme an ihrem Schicksal einfach packender. Darüber hinaus hätte im ersten Teil des Kriminalromans ein höheres Erzähltempo nicht geschadet – und insgesamt hätte der Ton auch etwas bissiger ausfallen können.

Mein Fazit: „Mandels Büro“ revolutioniert nicht die deutschsprachige Kriminalliteratur, aber diese musikalische Krimi-Parodie lässt sich recht vergnüglich lesen. In dem Roman stecken einige gute Ideen, außerdem hat Berni Mayer ein durchaus interessantes Ermittler-Duo und skurrile Nebencharaktere wie Mandels Bruder geschaffen. Und vielleicht werden diese Figuren ja in einem zweiten Teil weiter entwickelt.

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