[DVD-Tipp] Lost in Austen

Wer von uns hat sich nicht schon mal gewünscht, einen Abstecher in die Welt seines Lieblingsbuchs machen zu können? Einmal durchs Auenland zu wandern, eine Schulstunde in Hogwarts zu besuchen oder mit Mr. Darcy die Quadrille zu tanzen. Das wäre es doch, oder?

In der 2008 ausgestrahlten, 4-teiligen Miniserie des britischen Senders itv bekommt Amanda Price genau diese Chance. Gefangen in einem öden Job und einer Beziehung mit einem Kerl, dem Romantik ein Fremdwort ist, flüchtet sich die junge Frau wann immer es geht in Stolz und Vorurteil von Jane Austen – und träumt von einer Liebe wie von Lizzy und Mr. Darcy.

Als ihr Freund ihr eines Abends betrunken einen Heiratsantrag rülpst, passiert es. Plötzlich steht keine Geringere als Elizabeth Bennet in Amandas Badezimmer und zeigt ihr eine geheime Tür, die ihre beiden Welten miteinander verbindet. Ehe Amanda sich versieht, findet sie sich (ausgestattet mit Lederjacke, Lippgloss und keckem Mundwerk) im ausgehenden 18. Jahrhundert wieder – am Anfang des Romans, dessen Handlung im Folgenden ziemlich durcheinander gerät. Denn wie soll eine der schönsten Liebesgeschichten der Literatur zustande kommen, wenn die eine Hälfte davon durch das London des 21. Jahrhunderts streift und ihren Mr. Darcy gar nicht erst kennenlernt?!

Wer von der Welt von Jane Austen nicht genug bekommen kann und bereit ist, sich auf eine ziemlich abgedrehte, extrem lustige Version von Stolz und Vorurteil einzulassen, wird Lost in Austen lieben. Nicht nur die Abwesenheit Lizzys, sondern ganz besonders die Anwesenheit der modernen, emanzipierten Amanda sorgen für heilloses Chaos. Nichts, aber auch gar nichts läuft nach Plan und Amanda muss feststellen, dass sie längst nicht alles über ihre Lieblingsfiguren wusste. Ob Jane Austen das alles so gewollt hätte?

»Das ist ihre literarische Pflicht!«

Gut, ein paar kleine Kritikpunkte gibt es: Mr. Darcy ist nicht Colin Firth und so richtig überzeugen konnte mich sein Ersatz auch nicht. Noch nicht mal in der Szene, in der Amanda ihn dazu bringt, für sie eine Szene aus der Verfilmung nachzuspielen. Da ich mich, statt Mr. Darcy anzuhimmeln, dafür aber vor Lachen auf dem Boden gekugelt habe, geht die weniger gute Besetzung hier schon in Ordnung.

Schade ist allerdings auch, dass manche Szenen offenkundig stark geschnitten wurden. Manches wirkt daher ein wenig abgehackt. Und einmal meine ich doch tatsächlich, in einer Szene im Roman ein Flugzeug gesehen zu haben. (Kann das jemand, der die Serie gesehen hat, bestätigen oder bilde ich mir das ein?)

Davon abgesehen ist die Serie jedoch ein großer Spaß voller Überraschungen, bei dem Heiratsanträge im Minutentakt erfolgen und die Kulissen und Kostüme einfach traumhaft sind. So wie es sich für eine Austen-Verfilmung gehört. Ich jedenfalls habe mir die Serie gleich komplett angesehen und kann sie jedem, der sich gerne in der Welt von Jane Austen verliert und Lust auf einen absoluten Cultureclash hat, nur wärmstens ans Herz legen.

4 Kommentare

  1. [...] vier Teile reingezogen. Herrlich, sag ich euch. So herrlich, dass ich meine Begeisterung gleich im LovelybooksBlog kund getan habe. Twittern This entry was posted in Literaturverfilmungen and tagged Jane Austen, Lost in [...]

  2. Das kann ich nur unterstützen!!! Ich liebe die Serie abgöttisch, und auch Elliot Cowan als Darcy konnte mich total überzeugen. ;) (Vielleicht liegt das aber auch daran, dass er mein “erster” Darcy in einer Verfilmung war, hab erst nach der Serie zu den diversen anderen Verfilmungen gegriffen…) Hast du hoffentlich auf Englisch geguckt? Die deutsche Synchronisation finde ich nämlich schrecklich!

    Und ja, leider wurde ein bisschen geschnitten, vor allem eine besonders schöne Szene, in der Amanda “Downtown” von Petula Clark singt. :) “Just listen to the music of the traffic in the city, linger on the sidewalk where the neon signs are pretty…” *öhm* *räusper* :D Schade, dass das auf der deutschen DVD nicht drauf ist. Schon allein deshalb überlege ich, mir iwann die englische OV zu kaufen, wenn ich mal wieder in GB bin.

  3. Nina

    Ich habe gelesen, dass die Szene aus Copyright-Gründen rausgeschnitten wurde. Das ist wohl leider keine Seltenheit :-( Ist bei YouTube ja oft nicht anders, das Lieder hier nicht abgespielt werden dürfen.
    Die deutsche Synchro finde ich in Ordnung, solange man das Original nicht kennt. ;-) Die Serie schreit aber natürlich geradezu danach, dass man sie in English schaut.

  4. Ja, das tut sie. Hugh Bonneville und Alex Kingston vor allem MUSS man auf Englisch hören. :) Und überhaupt ist es sehr schön, wenn man britisches Englisch mag. Und das liebe ich nun mal. ;)

    Habe mir auch gedacht, dass das aus Copyright-Gründen rausgeschnitten wurde. Wirklich schade! Der Blick von Darcy, wenn Amanda singt… Zum Schießen!!! :D

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