Buchpräsentation von Philipp Lahms “Der feine Unterschied”

Ich hatte mich so darauf gefreut! Das Buch hat mir echt gut gefallen, ich hatte eine Karte für die Buchpräsentation im Volkstheater München im September, die Veranstaltung wurde verschoben, meine Vorfreude hielt dann eben länger… Gestern endlich war es soweit, und jetzt bin ich echt enttäuscht. Alles fing noch gut an, das Theater war voll besetzt, der Moderator Willy Astor (ein Kabarettist) trug einen schrägen grünen Cordanzug und hatte ein paar flotte Sprüche auf den Lippen, die Fotografen zogen sich nach ein paar Minuten an den Rand zurück und Astor und Lahm fingen an, eine nette Atmosphäre aufzubauen. Astor erzählte, wie mies er sich fühlte nach einer schlechten Kritik seiner Show in der Zeitung. Als ob jeder auf der Strasse ihn besonders lange anschaut und komplett glaubt, was er sicher grad gelesen hat. Lahm hat ihm zugestimmt, dass er dieses Gefühl zum ersten Mal nach seinem 3. Länderspiel hatte und es sei furchtbar gewesen.

Der Journalist Christian Seiler ist Lahms Ghostwriter

Das ganz nette Gespräch wurde dann aber nicht weitergeführt, sondern der Moderator fing an zu lesen. Schade nur, dass er in meinen Ohren wirklich kein Vorlesetalent ist. Besonders schade ist dann, wenn der Moderator ziemlich viel und lange liest, dabei ein paar Schoten einbaut, Lahm ein wenig lacht, hier und da einen Kommentar macht, aber in den relativ kurzen Pausen zwischen den Vorlesestücken kein interessantes Gespräch mehr zustande kommt. Für Besucher, die das Buch noch nicht gelesen hatten, war dies sicher ein netter Abend – weil das Buch wie gesagt in meinen Augen unterhaltsam ist. Aber für jemanden wie mich, die das Buch noch genau im Kopf hat, hat es wenig Neues geboten. Astor hat es nicht verstanden, Lahm in ein Gespräch zu verwickeln, ihm noch weitere Erlebnisse, Anekdoten oder Ansichten zu entlocken. Ich bin ja gar nicht heiss auf was Spektakuläres. Aber so ein wenig mehr Persönliches bei so einem persönlichen Buch, das wär schon schön gewesen. Statt dessen die Aneinanderreihung der 3 Verletzungen vor der WM 2006, das Tor im 1. WM-Spiel 2006, der Stalker vor seiner Tür. Alles schöne Passagen im Buch, keine Frage. Aber für so einen Abend in meinen Augen zu wenig… vor allem, weil die Veranstaltung nur gut 1 Stunde dauerte.

Ganz nett war, dass der Ghostwriter Christian Seiler zum Ende hin mit auf die Bühne kam und beschrieb, wie das Buch zustande gekommen ist und dass er bis zu diesem Buch wirklich wenig Ahnung von Fussball hatte :)

Signiermarathon für Lahm

Trotz allem hab ich mich nach der Lesung in die Signierreihe gestellt, ich bin ja immer noch ein Lahm-Fan, oder? Also wartete ich brav 45 Minuten … um dann binnen 10 Sekunden fertig zu sein. So schnell konnte ich kaum gucken, da stand ich auch schon wieder neben der Reihe. War das ein Fliessband? Das Buch wurde mir von einer Buchhändlerin aus der Hand genommen, aufgeschlagen, Philip Lahm schaute kaum hoch, als er nach meinem Namen fragte, das Buch gereicht bekam, kritzel kritzel und schwups hatte ich mein Buch in der Hand und der nächste war dran. Kein Blick, kein überflüssiges Wort, kein Interesse an den Besuchern? Wäre ich nicht letztens bei Benedikt Wells gewesen und hätte das genaue Gegenteil erlebt, wäre es mir wahrscheinlich gar nicht so krass aufgefallen. Aber so? Überdenke ich mein Fan-Sein doch noch mal und beschränke es auf gelegentlichen Torjubel.

3 Kommentare

  1. Karla

    Ich finde das auch immer traurig, wenn einem so die Liebe zum Buch ein bisschen genommen wird. Aber Du hast den Unterschied ja deutlich gemacht und dass es nicht an Philipp selbst lag, das finde ich sehr wichtig. :-) Danke, dass Du trotz der Erfahrungen so ehrlich davon berichtet hast!!!

  2. ….wie, du konntest keinen Flirtversuch starten? Hättest du nur Krimimimi gesagt, da hätte er garantiert hoch geschaut.

    Wenn das Buch klasse war, dann ist es auf jeden Fall besser, als anders herum. Das Glas ist immer halb voll, so lebt es sich einfach besser.

  3. Krimimimi
    Krimimimi

    Ach sunlight, ich habe sogar “Krimimimi” bei der Widmung im Buch gesagt, aber er war nur irritiert, wie er das schreiben soll #seufz. Aber Du hast völlig recht, immerhin gefällt mir das Buch :)

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