Exklusives Interview mit Stefanie Dörr von der Frankfurter Buchmesse

Einen ganz zauberhaften Ausflug in die Kinder/Jugendliteratur hatte ich mit den beiden Wunschbüchern der Autorin Stefanie Dörr. Wäre das nicht klasse, wenn man dieses Wunschbuch hätte und den passenden Stift dazu. Leider habe ich bis heute beides noch nirgends gefunden, dafür aber der Autorin Stefanie Dörr ein paar Fragen gestellt und zwar direkt auf der Buchmesse in Frankfurt.

An dieser Stelle großen Dank und es hat jede Menge Spaß gemacht, dich zu treffen!

Lest selbst was Lena mit ihrem Wunschbuch erst Zuhause und dann im Urlaub erlebt. Ihr werdet staunen und vor allem lachen, denn die Situationen in welche sie sich selbst durch ihre Wünsche bringt, sind einfach grandios.

Viel Vergnügen und falls euch mal so ein Buch und so ein Stift in die Hände gelangen sollte…gut überlegen was ihr da schreibt, sehr gut überlegen sogar!

Wäre es nicht super klasse, wenn man ein Buch hätte, in welches man Dinge wie „Mama gewinnt im Lotto“ oder „Meiner ärgsten Feindin passiert was peinliches“ oder „Die Pflanze soll blaue Blätter bekommen“ hineinschreiben könnte und sich dies anschließend erfüllt? Davon hat doch sicher jeder schon ab und an geträumt oder?

Lena, die eigentlich Valentina heißt, traut auch ihren Augen nicht, als ihr das mit dem blauen Notizbuch, welches ihr Tante Pi mal geschenkt hat und dem Stift, den sie gerade erst beim Spaziergang mit ihrem Hund Goethe gefunden hat, passiert. Eigentlich wollte sie diesen schönen Stift nur ausprobieren und mit ihm eine lustige Geschichte aufschreiben. Da der Stift doch zu ihrem Notizbuch zu passen scheint, verewigt sie in dieses den fiesen Gedanken den sie soeben im Kopf hat. Lena ist genervt von der Schule, sie hat keine Freunde da sie erst neu in die Stadt gezogen ist. Ihr Frust bringt sie auf die Idee nicht nur den Aufsatz zu schreiben, sondern all ihre Erlebnisse des heutigen Tages aufs Papier zu bringen. An ihrer Schule habe gerade viele Schüler und Lehrer Heuschnupfen und während des Schreibens, sie stellte sich vor, wie es wäre, wenn es eine richtige Schnupfenepidemie geben würde, die Schule für ein paar Tage schließen müsste und  sie verschont blieb. Ja das wäre doch klasse und Lena schreibt und schreibt. Dann muss Lena aber wirklich mit Goethe Gassi gehen, nicht das er noch in die neue Wohnung macht. Lenas Leben hält wenige Minuten für Freizeit bereit, Goethe muss nach der Schule versorgt sein, um den Haushalt muss sie sich kümmern und sie spielt Cello. Ihre Tage sind oft verplant, sie wünscht sich aber gern mehr Zeit, vor allem aber eine Freundin in ihrer Nähe. Sie vermisst Lilli, aber versucht den Kontakt durch SMS und Chat aufrecht zu erhalten. Im neuen Stadthaus gibt es nur die merkwürdige Einzelgängerin Hannah und ihre Mutter die man nie sieht, Oma Leineweber und der nett aussehende Banker, den man allerdingst auch kaum sieht und Frau Teschke mit den kleinen schreienden Ben, auf den sie ab und an aufpasst.

Und dann passiert es, in der Schule bricht die Schnupfenepidemie aus und Lena erzählt diese irrwitzige Geschichte Lilli. Könnte ja auch nur ein Zufall sein, also gleich noch etwas ins Büchlein geschrieben und abwarten was passiert. Tatsächlich, Lena ihre Wünsche werde wahr. Es macht einfach unglaublichen Spaß, wie man das Leben der andere beeinflussen kann. Doch dann passieren die Katastrophen, denn manche Dinge die man sich wünscht, sollte man präziser formulieren und auch daran denken, was es für Folgen geben könnte. Das einfach gerade biegen von Beziehungsproblemen oder Mitschüler ärgern, kann sich ganz schnell in Stress verwandeln und peinliche Situationen hervorrufen. Paul Adrian, der verhasste Bruder von der ebenso verhassten Eva-Maria scheint zu merken, dass Lena irgendwie komisch ist und versucht ihr auf die Schliche zu kommen. Lenas Leben wird turbulent und sie steckt in der Falle.

Stefanie Dörr überrascht mit einem Jugendbuch, was viel jugendlicher ist, als es von außen den Anschein hat. Lena ist eine aufgeweckte Protagonistin, die es faustdick hinter den Ohren hat, auf keinen Fall schüchtern ist und ein abenteuerliches Leben lebt, seit das Wunschbuch bei ihr ist. Das sie nun alleine mit ihrer Mutter lebt und die Verantwortung für ihren Hund hat, macht sie für ihr Alter schon sehr reif. In frischer Teenagersprache bringt Stefanie Dörr die schillernden Gedanken von Lena dem Leser mit viel Sarkasmus und Ironie entgegen. Es macht Spaß an Lenas Seite zu sein, da dieses wortgewandte Mädchen von einer komischen Situation in eine andere gerät. Zum Glück gibt es aber zwischen einigen Pechsträhnen auch Glückssträhnen die den Zauberbuchhokuspokus immer spannender werden lassen.  In Lena steckt ein gefühlvolles Energiebündel voller bunter Träume und ein Kampfgeist, der versucht, abgesehen von ihren zickigen Schulkameraden, überall die Sonne scheinen zu lassen und alles zum Guten zu wenden. Lena bringt den Leser zum Lachen und begeistert mit ihrer Art. Und jetzt Zauberstift in die Hand, Wunschbuch aufschlagen und hineinschreiben, was als nächstes passieren soll.

Ich notiere: „Es soll ein weiteres Wunschbuchbuch mit Lena geben.“

Endlich Ferien, endlich viel freie Zeit. Lena freut sich sehr, doch ihre Freude wäre noch größer, wenn sie ihr Wunschbuch und den dazugehörigen Stift wieder hätte. Ihr Hund Goethe hat beides erfolgreich zerstört, so dass nur noch winzige, kaum erkennbare Teile davon übrig geblieben sind. Nichts destotrotz geht es nun mit ihrer besten Freundin Lilly, die sie schon lange nicht mehr gesehen hat, in den Urlaub an die Nordsee. Ihre neu gewonnene sozusagen zweitbeste Freundin Hannah, kann leider nicht mit. Doch lieb wie Hannah ist, hilft sie Lena beim Packen. Wäre da nicht Goethe, der gern stört und huch, was ist denn das da in der Ecke, in der gerade noch der Koffer stand? Lenas Wunschbuch, verknittert und beschädigt, aber es existiert noch. Lena traut ihren Augen nicht, als dann auch noch der Stift zum Vorschein kommt. Die Ferien fangen doch gut an, endlich ist das Wunschbuch zurück und dieses Mal will Lena mehr als vorsichtig sein und nur ganz genaue Anweisungen in das Buch schreiben.

Auf geht es also an mit dem Zug in den Norden, wo schon Tante Pi, die alles prima, picobello und pink findet, auf die beiden Mädchen wartet. Schon im Zug muss Lena ihr Wunschbuch einsetzen, aber irgendwie scheint es nicht mehr so richtig zu funktionieren. Sie sollte noch genauer werden und vor allem daran denken, was die Nachwirkungen ihrer Wünsche sein könnten. Mit Lilly hat sie jede Menge Spaß, die Betreuerin die ihre Mutter arrangiert hat, ist soweit beschäftigt, somit können die drei Asse näher betrachtet werden. Asse, so haben die beiden Mädchen die drei Jungs, Jonas, Tobias und Lucas getauft. Der Zug hält, Tante Pi ist da und ab geht es auf die Insel. Vorher allerdings verschwindet Goethe und alles scheint schief zu laufen. Das erste Durchschnaufen am Strand und welch Zufall, wenn Lena und Lilly gerade richtig geguckt haben, sind die drei Asse wohl auch auf demselben Campingplatz. Na das können ja heitere Ferien werden, denkt sich Lena, aber mit dem Wunschbuch, kann und darf nichts schiefgehen, für schönes Wetter konnte sie schon sorgen. Das Wunschbuch scheint aber wirklich nicht mehr das Wunschbuch zu sein, was Lena kennt, auch das Wunschbuch ist wohl urlaubsreif.

Urlaubs- Sommer- gute Laune – Lektüre.

Stefanie Dörr schafft es ein Dauerlachen bei mir zu erzeugen, sie schafft es die gute Laune zu aktivieren und bringt mit ihrer Protagonisten Lena das Sommer-Urlaubs-Gefühl ganz nah. Absoluter Lesespaß, denn in Lena ihrem Leben ist auch in den Ferien allerhand los. Ein Ereignis folgt dem Anderen, eine Katastrophe beschwört das nächste Abenteuer herbei, es gibt kaum ruhige Minuten. Wortgewandt und überhaupt nicht verlegen, bahnt sich Lena den Weg ins Leserherz. Ihre Art ist einfach liebenswert, Menschen mit ihrem Charakter hätte man gern täglich bei sich. Ein Jugendbuch was man unbedingt mit in den Urlaub, am besten mit an den Strand und auf den Campingplatz nehmen sollte, denn vielleicht hat man das ein oder andere Erlebnis auch oder kann es sich mit einem Büchlein und einem Stift herbei wünschen.

Was hat dich inspiriert, die Wunschbücher zu schreiben?

Die Frage müsste vielmehr heißen: Wer hat dich inspiriert. Und die Antwort ist ganz unspektakulär: mein Verlag, eher gesagt, meine damalige Lektorin. Sie äußerte den Wunsch, eine Geschichte auf ihren Tisch zu bekommen, bei „der alles Wirklichkeit wird, was sich ein Mädchen aufschreibt“ und fragte mich, ob ich mir so etwas zutrauen würde. „Klar“, habe ich gesagt. Alles Weitere blieb mir und meiner Phantasie überlassen. Leider konnte ich mir nicht vorstellen, dass die ganze Wünscherei reibungslos abläuft, das wäre zu einfach, zu schön und zu uninteressant gewesen. Also ist daraus dieses kapriziöse Wunschbuch mit seinen Tücken und Eigenheiten geworden.

Was magst du an Lena am liebsten und was magst du überhaupt nicht an ihr?

Trotz des Wunschbuchs ist Lena ein ganz normales Mädchen geblieben, das mag ich an ihr. Tausende von Mädchen leben wie sie und haben ihre Sorgen und Träume. Es hätte ja sein können, dass sie total abhebt und ihre Möglichkeiten schamlos ausnutzt, aber nein, sie bleibt am Boden und ist sogar fähig, die Gefahren des Wunschbuches zu erkennen.

Leider ist Lena manchmal ziemlich eklig und berechnend anderen gegenüber. Man nehme nur die Anfangszeit mit Hannah, ihre Rachefeldzüge gegen die Strichmädchen oder später, wie sie über die Ass-Jungs lästert. Das ist menschlich, aber eben nicht besonders liebenswert.

Steckt auch Stefanie Dörr in der Protagonistin Lena?

Natürlich – aber ich sage lieber nicht wo überall ….

Warum bekommt deine eigentliche Prota Valentina den Namen Lena von dir?

Ich wollte unbedingt in einem meiner Bücher den Namen „Valentina“ vergeben. Den fand ich schon in der Schulzeit ganz toll und hätte ich Töchter, würde bestimmt eine Valentina heißen. Der Name ist aber ziemlich lang und behindert damit den Lesefluss – finde ich. „Lena“ ist zeitgemäß und sympathisch und sie selbst beschäftigt sich mehrfach mit dem Thema der Namenskürzungen. Also passt das ganz gut. Als 2010 ein gewisser Lena-Hype entstanden ist, haben wir kurz überlegt, ob sie umbenannt werden muss. Das war dann glücklicherweise nicht notwendig.

Wie viele Wunschbücher dürfen die Leser noch erwarten?

Es wird tatsächlich einen dritten Band geben – allerdings erst im Herbst 2012.

Verrätst du uns deine ganz persönliche Lieblingsstelle aus Band eins und Band zwei?

Wie die meisten Leser/innen ohne Hundehaarallergie mag ich natürlich Lenas Hund Goethe besonders gerne. Ich liebe die Szene ganz am Anfang von Band 1, als Lena sich erinnert, was Goethe alles so eingesammelt hat, als er im Parksee baden ging. Generell mag ich die Szenen, in denen er sich daneben benimmt – weil er sich wie ein Hund verhält.

Im zweiten Band gibt es jede Menge lustiger Szenen, von denen ich keine bevorzugen würde. Besonders gefällt mir aber der SMS-Dialog am Schluss des Buches und die kleine Überraschung, die Lena hier erlebt.

Wäre es ein Traum von dir, wenn die Bücher eines Tages verfilmt werden würden oder gibt es schon Angebote?

Aber nein, die Wunschbücher sind in erster Linie tatsächlich als Bücher gedacht, zum Schmökern und Träumen. Ich würde mich allerdings riesig freuen, wenn es „Wunsch-Hörbücher“ gäbe.

Wenn du ein Wunschbuch hättest, welche drei Dinge würdest du als erstes hineinschreiben?

Schwierig ist es ja schon, wenn man sich selbst direkt nichts wünschen kann. Da fällt schon mal jede Menge flach. Trotzdem müsste es ein ziemlich dickes Buch sein, denn Wünsche habe ich jede Menge.

Hätte ich die berühmten drei Wünsche frei, würde ich mich zuerst um meine Familie kümmern: ein sorgenfreies, gesundes, glückliches Leben wünsche ich ihnen.

Als nächstes würde ich versuchen, ein paar grundsätzliche Missstände in der Welt abzuschaffen. Wenn ich da nur an die aktuelle Hungersnot in den Flüchtlingscamps am Horn von Afrika denke. Tierquälern würde ich das Handwerk legen oder korrupten, macht- und geldgierigen Politikern.

Besitzt du selbst eine Art Wunsch-Tagebuch?

Nun ja, wie gesagt, ich bin ganz großartig im Wünschen und viele Dinge in meinem Leben verliefen absolut wunschgemäß …

Bisher schreibst du Bücher für Kinder- und Jugendliche, gibt es den Wunsch in ein anderes Genre zu wechseln?

Ich bin hochzufrieden damit, Kinder- und Jugendbücher schreiben zu dürfen. Das ist genau das, was ich machen möchte und dafür habe ich noch jede Menge Ideen. Auch im Kinder- und Jugendbuchbereich gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Themen- oder Altersgruppen, es wird also nicht so schnell langweilig. Aber eine Ausnahme gibt es: Eine ganz spezielle Krimiidee für Erwachsene liegt mir am Herzen. Diese Idee würde ich gerne eines Tages umsetzen.

5 Kommentare

  1. [...] geht es weiter mit der Rezension und vor allem mit dem Interview zu den Wunschbüchern auf dem Blog.Lovelybooks. Einmal auf das Bild klicken und ihr gelangt direkt dort hin und werdet staunen, was uns die [...]

  2. Wahnsinn, was für ein wunderbarer Artikel und nur, weil ich am “Flamingo-Stand” über euch “Literatwo” gepurzelt bin. Herzlichen Dank dafür! Und ehrlich, unsere Begegnung war für mich eine der witzigsten und bemerkenswertesten während der ganzen Frankfurter Buchmesse und hat mir riesig Spaß gemacht. So spannend kann das Autorendasein eben auch manchmal sein.
    Ich wünsche euch – natürlich via Wunschbuch – noch viele aufregende Autorentreffen und weiterhin erfolgreiches Bloggen. Und wer weiß, vielleicht kappt es doch eines Tages mit dem eigenen Wunschbuch, liebe Grüße, Stefanie.

  3. Mr. Rail

    Wer über uns purzelt, der muss einfach Spaß haben – und umgekehrt… es war Vergnügen pur und wir hegen die Hoffnung, dass unser Wunschbuch bald erscheint. Auf einen dritten Teil freuen sich ganz besonders Bini und Raily….

    Vielleicht kommen ja ein paar Flamingos drin vor – die bringen nämlich Glück! Man lernt in ihrer Anwesenheit tolle Leute kennen ;-)

  4. Katrin von Saiten

    Liebe Kollegen von LiteraZwo ;) ,

    da habt ihr wirklich ein tolles Interview geführt! Ich habe bisher noch nichts von den Wunschbüchern gehört, aber nach dieser informativen Befragung der sympathischen Autorin, könnte ich mir vorstellen, dass ich Lena auch gern mal treffen würde.

    Übrigens gut zu wissen, dass sich Arndt auch mal benehmen kann, wenn Leute an den Stand kommen. Ich habe da andere Erfahrungen gemacht :D

    Viele liebe Grüße!
    Katrin

  5. Mr. Rail

    Vielen Dank für die “zwo” kleinen Saitenhiebe… und das mit dem Benehmen funktioniert immer dann gut, wenn besonders liebe Menschen am Stand waren…

    Schade, dass ihr in diesen Momenten nicht dabei wart ;-) ;-)

    Liebe Kolleginnen – es war klasse mit Euch….!!!!!

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