“Muss der jetzt auch ein Buch schreiben?” habe ich gedacht, als ich zum ersten Mal hiervon hörte. Ein Fußballer. Gut, immerhin einer, der vor der Kamera fliessende Sätze hintereinander aussprechen kann. Aber auch einer, der immer nett und sympathisch rüberkommt. Was will denn der schreiben?
Ich bekam die Möglichkeit, das Buch bereits als Druckfahne zu lesen, bevor es auszugsweise in der BILD-Zeitung vorabgedruckt wurde. So wußte ich bei den inzwischen vielzitierten Sätze genau, an welchen Stellen und in welchem Zusammenhang er diese im Buch erwähnt hat und habe dann interessiert verfolgt, wer sich auf den Schlips getreten gefühlt hat. Mit einem Schmunzeln nahm ich wahr, dass die Herren Löw, Bierhoff und Zwanziger erstmal das “Gesamtwerk” lesen wollten, bevor sie sich äußerten. Und ganz und gar nicht überrascht war ich vom Ergebnis, dass sie das Buch im großen und ganzen ausgewogen finden. Genauso geht es mir nämlich auch. Ich gebe allerdings auch gleich zu, dass ich den Lahm mag. Und ehrlich gesagt mag ich ihn nach diesem Buch noch mehr als vorher. Was hat er denn nun geschrieben?
Er sagt im Vorwort, er sei viel zu jung, eine Autobiographie zu schreiben. Er wollte ein Buch schreiben, dass er als fußballspielender Bub gern gelesen hätte. Das ihm ein wenig erklärt hätte, wie die Welt des Profifußballs aussieht, in die er so gerne aufsteigen wollte. Und im Ergebnis finde ich, ist es dann eben doch ein autobiographisches Buch geworden. Was soll es aber auch sonst sein, wenn er doch beschriebt, wie seine berufliche Welt aussieht.
Und die beginnt in einer fußballverliebten Familie, die ihn vorbehaltlos unterstützt. Lahm erzählt, wie er schon als Teenager einfach nur Fußball spielen wollte. Auch wenn das manchmal hart war, wenn die Freunde sich im Schwimmbad mit Mädels vergnügten. Er beschreibt, wie er in die Jugendmannschaft des FC Bayern aufgenommen wurde, dann in Stuttgart Profispieler wurde und wieder zurück zum FC kam. Er erzählt von besonderen Spielen, wie unterschiedlich die Trainer eine Mannschaft führen, wie er mit Verletzungen fertig wurde und was es für ihn bedeutet, Kapitän seiner Mannschaft zu sein. Er erzählt aber auch von seiner Stiftung, warum er gerade dem Schwulenmagazin “Front” ein Interview gab, in dem er klarstellte, er sei ganz und gar nicht schwul. Er berichtet, wie eines Tages ein fremder Mann an seiner Wohnung klingelt und ihm eine Liebeserklärung macht und wie sehr ihn das erschüttert hat, weil er sich bis dahin in seinem Zuhause einfach als Privatmann und sicher gefühlt hat. Nicht zuletzt beschreibt er immer wieder, welche Faktoren einen Fußballer zu einem Spitzenfußballer machen. Neben unbändiger Leidenschaft und Talent zum Fußball eben auch der Charakter, sich und andere zu Höchstleistungen anzutreiben, eine scheinbar triste Situation rumzureißen und Klartext zu kommunizieren – sei es mit mit dem Team, dem Trainer, den Funktionären seines Vereins oder der Presse. Es ist dieser ständige Spagat, ein Alphaltier zu sein, das sich permanent behauptet, und doch nur im Team mit den anderen Alphatieren zusammen ein Spiel gewinnen zu können.
Mich haben viele dieser Aspekte an meinen eigenen Beruf erinnert. Jeder Ratgeber für erfolgreiche Manager hat mir die gleichen Ratschläge gegeben, wie Lahm’s Buch. Diese Parallele war neu für mich, die hab ich vorher noch nie so gesehen. Das war für mich sozusagen das Tüpfelchen auf dem i. Aber auch sonst hat mir das Buch gut gefallen. Es ist informativ, wirkt authentisch und transportiert Leidenschaft für die Sache. In meinen Augen ist dies richtig gute Unterhaltung für Fußballinteressierte. Ich fand die Beschreibung einzelner Spielszenen sogar so lebendig, dass ich sie mir am liebsten gleich nochmals im Fernsehen angeschaut hätte. Wie klasse fände ich hier ein ebook, dass die entsprechenden Spielzüge direkt nach der Beschreibung im Buch abspielt… Also, Ihr seht, mir hat es gefallen. Ich hab es in einem Rutsch durchgelesen, obwohl das Lesen auf dem iPhone manchmal mühsam war.
Ja, Philipp Lahm ist ein Alphaltier. Ja, er hat sicher ganz bewusst den Vorabdruck dieser provokanten Sätze in der BILD lanciert. Und ja, er hat offensichtlich wieder mal genau den feinen Grat gefunden, Aufregung zu erzeugen ohne sich wirklich zu schaden. Die 3 Herren des DFB haben zumindest entschieden, ihn weiterhin Kapitän der Nationalmannschaft sein zu lassen. Und ich freu mich auf die Buchpremiere im September in München.


Das hast du auf dem iPhone gelesen??? Hut ab und danke, jetzt hast du bei mir auch noch Interesse an einem Fußballbuch geweckt … bei mir! ,-)
Liebe Mimi,
das mit den Managementregeln ist interessant. Bin sehr gespannt, lässt Du jetzt Deine Mitarbeiter auch jeden Morgen erst mal in der Kabine zusammenkommen und hältst Ihnen eine Motivatinsrede?
Danke für den tollen Artikel – genauso hatte ich mir das nämlich auch bei all der Aufregung gedacht! Allerdings werde ich es nicht selbst lesen, sondern verschenken – mein Schwager ist nämlich auch Fussballtrainer.
Wann ist denn die Buchpremiere genau?
LG Karla
@Steffi Das freut mich sehr.
@Karla Gute Idee mit der täglichen Morgenmotivation. Die Buchpräsentation ist am 25.09. um 20h im Volkstheater München. Bist Du dabei?
hallo mimi
ich finde es toll das philipp lahm ein buch geschrieben hat und das du dich dafür interesse zeigst ^^
liebe grüße charleen
[...] hatte mich so darauf gefreut! Das Buch hat mir echt gut gefallen, ich hatte eine Karte für die Buchpräsentation im Volkstheater München im September, die [...]