
Der Londoner Doppeldecker-Bus der Krimifreunde durchs Mühlviertel bringt. Heil durchs Mühlviertel bringt. Wirklich! (Quelle: danube.at)
Beim Schlagwort „Regionalkrimi“ denkt man als geneigter Leser in erster Linie vor allem an eines: Wenn man die Region nicht kennt, hat man am Krimi wohl eher weniger Freude. Tatsächlich ist es meist so, dass z.B. ein Ennstal-Krimi oder ein Wanne-Eickel-Krimi eher die Bewohner/Kenner aus diesen Regionen anspricht, weil die Handlung an sich oft der Beschreibung der lokalen Schauplätze nachrangig ist. Dieses Etikett wird deshalb oft (und oft zu unrecht) eher milde belächelt, und selbst macht selbst vor Wien-Krimis und Berlin-Krimis nicht halt, selbst wenn die Örtlichkeiten viel beliebtere und bekannter sind.
Der Perger (bitte selbst im Atlas nachsehen, oder halt bei Google-Maps) Krimi-Autor Ernst Schöggl scheint gegen dieses Zielpublikumsklischee die perfekte Abhilfe geschaffen zu haben: Wenn die Leute die Region nicht kennen, muss man sie ihnen eben zeigen. Zusammen mit Hans Kernecker, einer weiteren Perger Lokalgröße (im doppelten Sinn, hatte Kernecker doch eine ziemlich legendäre Bar in der Kleinstadt), bietet er nun die „Mordstour“ an, in der er interessierte Reisegruppen in einem original Londoner Doppeldeckerbus durch das östliche Mühlviertel führt, zu den Schauplätzen seiner Geschichten.

Der "luftgeselchte Pfarrer" - eine mysteriös mumifizierte Leiche, Regionalsehenswürdigkeit und Teil einer von Schöggls Kurzgeschichten (Quelle: Wikipedia)
Diese Örtlichkeiten mögen Schulwandertagcharakter haben, und dass ein ehemaliger Oberstufen-Deutschlehrer begleitet trägt sicher zu dem Eindruck bei, nichtsdestotrotz ist die Kombination mit den amüsant-mörderischen Geschichten, der malerischen Landschaft und den kulinarischen Spezialitäten, die bei jeder Station serviert werden tatsächlich überaus kurzweilig. Selbst für ein knapp sechsstündige Tour. Zuhörzwang gibt es nicht, wer lieber im Kaffeehaus sitzt anstatt beim „luftgeselchten Pfarrer“ in St. Thomas am Blasenstein zu hören, wie sich eine andere Leiche im gläsernen Sarg befand, darf das gerne tun. Doch in der Regel wird man die Lauscher spitzen, nicht nur weil die Geschichten gut erzählt sind, sondern weil Schöggl ein immenses Wissen über Land und Leute besitzt und zu jedem Flecken, jeder Straßenkreuzung und jedem Hügel eine andere Anekdote liefern kann, sehr spontan und passend zur Situation. Die Spontanität kann sogar dazu beitragen, dass man einen Kurztrip durch die Klamschlucht anhängt, die selbst Stoff für eine eigene Tour bieten würde.
Schöggls Romane und Kurzgeschichtensammlungen sind in der Bibliothek der Provinz erschienen, und provinziell kann schon ein gutes Adjektiv für all das sein. Das macht es aber nicht weniger interessant, und selbst als Ortskundiger war ich nicht selten erstaunt, welche Geschichte unter manch noch so unscheinbaren Stein liegen mag. Mir hat’s sehr gut gefallen, der gesamten und altersmäßig sehr durchmischten wie unterschiedlich literaturinteressierten Reisegruppe ebenfalls. Ein Serienmord wäre hier durchaus wünschenswert!
Weitere Informationen zur Tour findet ihr auf der Homepage des Autors.

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