Vergessene und noch nicht entdeckte Lyrikerinnen

Vergessen vs. unentdeckt!

Vergessene Lyrikerinnen gibt es, ganz vorn steht Oda Schaefer. Im Februar ist der Film “Poll” auf den deutschen Kinoleinwänden erschienen und Mr. Rail hat daraufhin einen umfassenden Bericht geschrieben. In diesem steht nicht nur der Film im Vordergrund, denn es hat ihn neben den Leinwandbildern in ihre Worte gezogen. Vor allem ihre Balladen und Gedichte gehen tief ins Herz und öffnen Welten. Eine fast vergessene Lyrikerin ist wieder entdeckt und hat sich in die Leseseele eingeschlichen. Einen großen Platz hat sie eingenommen und vor allem hat sie Mr. Rail, wie auch mich, nachdenklich gemacht.

Sie schrieb – HABENT SUA FATA LIBELLI – Bücher haben Schicksale.

Diese Worte gehen tief, brennen sich ein und wir verbinden diese mit uns und unseren Büchern. Stundenlang können diese Worte die Gedanken bestimmen und einen treiben und träumen lassen.

Vor einiger Zeit meldete sich Herr Seidl auf den Artikel von Mr. Rail, nahm mit ihm Kontakt auf und schickte ihm ein Foto vom Grab von Oda Schaefer. Ein Bild was uns noch mehr zum Nachdenken brachte. Vereinsamt, verlassen, vergessen, vernachlässigt und ohne einen Hinweis, dass hier eine große Lyrikerin ihre letzte Ruhe gefunden hat. An einem ganz besonderen Tag werden wir an ihr Grab gehen, Oda Schaefer darf nicht vergessen werden.

„Launisch bewahrt die Erinnerung Eindrücke und Bilder auf, fragwürdige Daten, die an sich nichts bedeuten. Auf dem Meeresboden der Vergangenheit ruhen sie, wie eingesargt in den Schatullen dunkler Schiffe.

Man muss sie heben, um die Einheit des Lebens herzustellen, dem großen Bogen zu folgen von Anfang an, wenn er sich zum Alter hin bereits zu senken beginnt.

Schmerz und Sehnsucht, Lust und Glück vermag solch ein winziger Ausschnitt wiederzubringen…“

Aus Oda Schaefer: „Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“

Im November 2010 haben wir eine erste Begegnung mit der Autorin Anke Höhl-Kayser gemacht. Eine Autorin jenseits vom Mainstream, wie sie selbst über sich sagt. Sie hat Ende 2009 den Lyrikband “Stille wird hörbar wie ein Flüstern” veröffentlicht, der von einer Berliner Künstlerin wunderschön illustriert wurde.

“Vergessen” und “noch nicht entdeckt” - haben wir uns gedacht und haben ihren Lyrikband gelesen. Er hat zutiefst berührt, ist hochwertig gebunden und trägt Worte in sich, die einen schweben lassen und entschleunigen. Worte die wir tief eingeatmet haben und mit Bildern verknüpften, die unbeschreiblich sind. Anke Höhl-Kayser ist vielleicht für viele Lyrikliebhaber noch unentdeckt, dem sollten und müssen wir entgegenwirken. Es wäre schade, wenn es ihr irgendwann so gehen würde wie Oda Schaefer. Beeindruckend ist ihr Lyrikband und ich war elektrisiert und fragte mich immer wieder eine bestimmte Frage:

Anke Höhl-Kayser – Was machst du mit mir?

Lyrik ist nicht mein Gebiet, ich greife selten zu Gedichtbänden. Ganz selten und meist nur, wenn diese von wichtigen Menschen sind, wo ich von vornherein weiß, ich werde berührt. Aus diesem Grund habe ich mich auch gesträubt, Anke Höhl-Kaysers Buch zu lesen, nur mit mehrmaligem Bitten, griff ich zum Buch. Der Satz „Alle meine Bücher sind meine Kinder, ich habe alle gleich lieb.“ brachte mich dazu, das Buch zu drehen und zu wenden, dazu, hinein zu schauen.

Anke Höhl-Kayser – was machst du mit mir?

Im Buch angekommen, war ich sofort auf der ersten Seite gefesselt, alles Geschriebene passte gerade zu der Welt, die ich sah, als ich aus dem Fenster schaute. Ich wurde unglaublich ruhig, ausgebremst durch tiefdringende Worte. Dennoch blieb das Verlangen nach mehr, nach einer Handlung. Vielleicht bringt das schnelle Lesen der Gedichte die bestimmte Wirkung. Weiter wurde ich gebremst, das schnelle Lesen, wie ich es aus Romanen gewohnt bin, funktionierte nicht. Sollte nicht funktionieren.

Anke Höhl-Kayser – was machst du mit mir?

Ich stellte fest, die Handlung kam, aber ganz anders. Ich wurde zu Pausen gezwungen, Lesepausen. Minutenlang schaute ich mit dir wunderschönen Bilder und Zeichnungen an. Ergänzte beim Anblick der Bilder auf dem Papier und der Bilder in meinem Kopf ein paar Zeilen oder ersetzte Worte, die meine Gefühle und Lebenslage noch mehr personifizierten. Angesprochen fühlte ich mich fast ständig, die gewählten Wortkostbarkeiten haben sich immer mehr verankert. Zergehen auf meiner Zunge wie feinste Schokolade und berühren sanft mein durch Worte weich gebettetes Herz.

„Meerjungfrau“, „Abschied“, „Traum“ und „Winterlied“ sind nur einige der Schätze aus dem Buch, die mir besonders viel gegeben haben, in mir einiges zum Rollen gebracht haben.

Ich taste mich durch dieses Buch, schleiche mich von Seite zu Seite und werde immer ruhiger, genieße die Stille und in der Tat wird diese hörbar wie ein Flüstern. Fasziniert bin ich von den Worten, die irgendwie in einem gewissen Rhythmus immer wieder ins Schwarze treffen, und wie gleich wir Menschen oftmals fühlen. Beängstigend wirkt es ab und an, als ob viele gleiche Erfahrungen gemacht worden sind, gleiche Momente erlebt, gleiche Gefühle gefühlt.

Ein großes Buch was durch ein ganzes Jahr begleitet, was durch seine Aufmachung mit hochwertigem Umschlag, Lesebändchen und der Bindung ins Auge sticht. Die Gedichte werden umrahmt, in sieben Gefühlsfelder gegliedert.

Anke Höhl-Kayser – was machst du mit mir?

Genießen und das immer wieder, andere teilhaben lassen, Bilder zeigen, Worte weitergeben und laut aussprechen, das möchte und tue ich, nachdem ich dieses Werk neben mich lege. Eine Achterbahn der Gefühle hat Anke Höhl-Kayser in mir zum Fahren gebracht, mich zurückdenken und nach vorne blicken gelassen. Ich habe viel reflektiert und jetzt einen Kloß im Hals, wobei ich gerade noch zum Schmunzeln gebracht wurde. Ich bin gefühlig, genieße es gefühlig zu sein und vor allem war jede Sekunde in dem Buch eine unglaubliches Erholung und Zeit der Ruhe.

Das Nachwort bewegte mich zur vorerst letzten Träne und setzte mich sanft wieder im Jetzt und Hier ab, um mich morgen wieder eintauchen zu lassen und Worte heraus fischen.

Danke Anke Höhl-Kayser – was du mit mir gemacht hast, tat gut und wird weiterhin gut tun.

Das dieses Buch in mir soviel bewegt hat, hätte ich nie für möglich gehalten. Greifen wir nicht alle sehr oft zu Romanen die wir verschlingen können? Diesmal hat mich dieses Buch verschlungen und nicht mehr losgelassen und zum Träumen bewegt. Das Lesebändchen liegt zwischen einer Seite, die ich allen Lyriklesern nicht vorenthalten möchte. Lasst euch die Worte auf der Zunge zergehen, ihr werdet euch dann vorstellen können, welche Kostbarkeiten euch noch erwarten werden.

Mr. Rail hat genauso tief gelesen und zwischen den Seiten geträumt und sich wohl gefühlt. Ganz besonders magisch sind diese Zeilen:

“Wenn du gegangen bist, werde ich das Schweigen deiner Stimme in meinem Herzen aufstellen”.

Eine Rezension von Mr. Rail die genauso tief ins Herz geht und nachklingt.

Neben ihrem Lyrikband “Stille wird hörbar wie ein Flüstern” hat Anke Höhl-Kayser bereits zwei andere Romane veröffentlicht. “Ronar” und “Ronar – Zwei Welten” Fantasyromane – die Jugendliche wie Erwachsene mit einer spannenden Geschichte unterhalten, aber gleichzeitig auch Werte vermitteln sollen. In beiden Büchern liegt als Schwerpunkt das Thema Macht und Machtmissbrauch zugrunde. Ein dritter Teil wird definitiv folgen, vielleicht sogar am Ende des Jahres. Ob dann noch ein vierter Teil folgt, steht noch in den Sternen. Wir werden sehen und sind gespannt.

Ronar - Ronar Zwei Welten - Ronar ?

Anke Höhl-Kayser ihre Bücher lohnen sich zu lesen, ob Lyrik oder Fantasy – eintauchen, darin verweilen und den Balsam auf der Leserseele spüren und nachwirken lassen.

4 Kommentare

  1. Mr. Rail

    Anke und Oda in einem Satz zu lesen ist der Schlusspunkt vieler Gespräche. Viele Wochen wurde nur gesprochen darüber, aber Binea hat das Projekt zu einem furiosen Abschluss gebracht.

    Anke lesen ist etwas Besonderes…

  2. Binea

    Wow Anke – wir sind platt. Warum?

    Schaut mal hier: http://www.bod.de/autorenpool/stille-wird-hoerbar-wie-ein-fluestern-t13044.html

    Danke und liebe Grüße von uns beiden.

  3. [...] ein Flüstern“. Sehr gut sogar, denn Anke Höhl-Kayser wagte nach unseren Berichten auf dem Blog.Lovelybooks und hier auf Literatwo einen großen [...]

  4. [...] unsere Artikel, vergleicht das Vergessen einer Oda Schaefer mit der Nichtentdeckung der deutschen Autorin Anke Höhl-Kayser und versucht zu erfühlen, was heute schlimmer erscheint. Geht einen Weg mit uns und verharrt [...]

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