Eines der Highlights der LitCOLOGNE 2011: Kerstin Gier und Kai Meyer bestreiten Lesung und Interview Seite an Seite, was wiederum ein klarer Fall für Seite an Saite war. So war unser Besuch des Events in der Universität zu Köln von langer Hand geplant und währenddessen wurden auch fleißig Notizen gemacht. Herausgekommen ist folgender Beitrag – im Schwarzen aus der Feder von Frau von Saiten und grün ergänzt von Seite Nina.
Mit dem Hinweis »Kontrollier den Stuhl vorher!« setzte ich mich vorsichtig auf die klappbare Bestuhlung in einem Hörsaal der Universität Köln, in der Nina ja selbst studiert. So voll hatte ich den Hörsaal allerdings noch nie erlebt. Ich schätze mal, dass die 610 Plätze tatsächlich komplett belegt waren. In Begleitung von Moderatorin Ute Wegemann betraten dann 18h s.t. die Autorin und der Autor den Saal. Angelehnt an die Örtlichkeiten fragte Frau Wegemann erst einmal nach dem beruflichen Werdegang, der beide irgendwann dazu geführt hatte, Autoren zu werden. Kai Meyer merkte an dieser Stelle an, dass er zwar auch mal ein Studium
begonnen hatte, aber allein an diesem Abend länger in einem Hörsaal sein würde, als während des gesamten Studiums. Während Kerstin Gier schon in der Grundschule den Gedanken gefasst hatte, dass sie unbedingt Schriftstellerin werden möchte, kam Kai Meyer erst über vorangegangene Berufswünsche wie „Pflanzendoktor“ zum Schriftstellertum. Seitdem war er allerdings ziemlich fleißig. Gemeinsam haben er und Kerstin Gier nämlich schon über 80 Bücher geschrieben und sowohl die Arkadien- als auch die Edelsteintrilogie wurden nach Amerika verkauft. Das schafft sonst nur Cornelia Funke.
Neben den Fragen, die die Moderatorin stellte, hatten Kerstin und Kai auch die Möglichkeit untereinander Fragen und Gerüchten auf den Grund zu gehen. Was ziemlich amüsant war und der Veranstaltung eine lockere und entspannte Atmosphäre verlieh und ohne die Fragen von Frau Wegemann ganz sicher zu einem Selbstläufer geworden wäre. So hatte Kerstin zum Beispiel über Kai gehört, dass dieser grundsätzlich auf Reisen schreiben würde und daraufhin neidisch war. Kai Meyer konnte sie jedoch beruhigen, da er grundsätzlich nicht auf Reisen schreiben kann. Als es um die alltägliche Schreibpraxis ging, bekannten beide, dass sie mit dem Surfen im Internet während der Arbeitszeit so ihre Probleme haben. Während Kerstin schon ihren Mann darum gebeten hat, ihr das Internet am Arbeitsrechner ab zu klemmen, nutzt Kai ein Programm, bei dem er einstellen kann, wie lange der Internetzugang gesperrt ist. Zwar könne man es reseten, indem man den Rechner wieder neu hochfährt, aber das stellt eine Hemmschwelle dar, die dann doch eher nur 2 oder 3 Mal am Tag überschritten wird
Wir hätten ihn fragen sollen, wie das Programm heißt. Aber wenigstens haben wir gelernt: »Facebook ist bööööse.«
Insgesamt schreiben beide täglich in einem bestimmten Rhythmus und bereiten Personen und Erzählstränge immer ausreichend vor. „Einfach drauf los schreiben“ ist nach Ansicht der beiden eher eine Wunschvorstellung vieler Autoren. Das sagt ja auch Jonathan Tropper, der auf einer Lesung sogar mal erzählte, dass es Bullshit sei, wenn Autoren behaupten, dass die Figuren ein Eigenleben führten und sich die Story von selbst entwickle. Da sollte er sich allerdings mal mit Tana French unterhalten. Die irische Autorin hat auf der lit.Cologne nämlich verraten, dass sie beim Schreiben regelmäßig keine Ahnung habe, worauf es in ihren Geschichten überhaupt hinauslaufen soll. Aber dazu am Wochenende mehr, wenn mein Bericht über ihre Lesung online geht. Zum Thema Wünsche, konnte sich Kerstin bereits einige erfüllen, denn während sie auf Kosten des Verlags Recherche-Reisen nach London unternahm um dort die Edelstein-Trilogie zu entwickeln, musste Kai auf eigene Kosten durch Italien reisen und warf an dieser Stelle den anwesenden Verlagsleuten einen bösen Blick zu.
Als es dann um den Inhalt der Bücher und konkrete Fragen zu Arkadien und der Edelstein-Trilogie ging, spoilerte Frau Wegemann dann ordentlich drauf los, während sie den Inhalt der Bücher zusammenfasste und griff Dinge in der Handlung vor, die die Leser sicher lieber selbst herausgefunden hätten. Noch dazu sprach sie immer von einem Geist, obwohl sie ganz sicher einen DÄMON meinte. Gut, dass besagter Herr X. nicht anwesend war.
Da Zuschauerfragen durch eine Art Interview der Moderatorin ersetzt wurden, erstaunte es außerdem, dass sie in puncto Bettgeflüster in den Büchern immer wieder nachfragte, wobei der voll besetzte Saal aus 50% weiblichen Besuchern unter 20 Bestand. Diese Fakten interessierten aber sicher immerhin die Eltern, die als Begleiter mitgekommen waren, denn sie wissen jetzt, dass die Lektüre der Sprösslinge jugendfrei ist – bei Arkadien allerdings soll sich das im dritten Band ändern. An dieser Stelle schweifte das Gespräch hinsichtlich einer Buchrreihe ab, die besagtes Bettgeflüster immer absichtlich vermieden habe und Kai Meyer möchte es deshalb auf keinen Fall so aussehen lassen, als würde er dieselbe Schiene fahren
Ja ja, die Vermeidetheorie.
Bislang war das Vermeiden des Vermeidens in Arkadien aber auch mehr nicht gekonnt als gewollt. Dafür soll es im dritten Teil aber »zur Sache gehen«. Und so wirklich jugendfrei sind die Bücher ja ohnehin nicht, finde ich. Dafür wird eindeutig zu viel um sich geschossen und gestorben, oder? Interessant war übrigens auch Kerstins Meinung zum Vermeiden. Sie selbst fand in besagter Jugendbuchreihe ja gerade das Vermeiden so erotisch. In der Edelsteintrilogie war das dann aber auch kaum Thema. Dafür blieb den Figuren nämlich erst gar keine Zeit.
Während Kerstin aus Smaragdgrün vorlas und Kai Meyer dem Auditorium sogar eine exklusive Kostprobe aus dem dritten Band von Arkadien (Name bisher nicht veröffentlicht, Erscheinungstermin Herbst 2011) las, kam es immer wieder zu netten Gesprächen und auch einigen Sticheleien (Stichwort Abgabetermin! Der Herr ist da wohl schneller als die Dame.) zwischen den Autoren. Kerstin empfahl Kai einen pädagogischen Hintergrund in seinen Büchern zu verfolgen (zumindest entfernt), da er sonst weiterhin keine Preise bekommen würde und Kai Meyer ließ sich darüber aus, warum seine Protagonistin Rosa eine eigene Homepage besitzt, die von einer jungen Frau betreut wird. Was ich übrigens auch nicht wusste, aber sehr löblich finde. Schließlich würden viele junge Mädchen Rosa ihr Herz übers Netz ausschütten und da ist es nur angebracht, ihnen auch eine passende Ansprechperson zu bieten.
Abschließend gab es noch die Information, dass zu Arkadien eine CD erschienen ist, auf der Kai Meyer leider nicht selbst singt, aber die man vielleicht gerade deswegen anhören sollte. Kerstin Gier gab bekannt, dass das „Karsting“ (Bezug zu Leseranfragen per Email) zur Rubinrot-Verfilmung demnächst anläuft (Und?? Hat sich schon jemand beworben, den wir kennen?!) und die äußerst erheiternde Veranstaltung schloss mit den Worten „Und die beiden bleiben so lange hier, bis auch der letzte ein Autogramm oder ein signiertes Buch hat!“ Was sie dann auch taten.
Schön war’s! Auf jeden Fall!


Das nenn ich schönes Revue passieren lassen
Danke für den ausführlichen Bericht, ihr zwei ^^ Wir
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Danke für den Bericht. Ich war auch da und konnte es noch mal Revue passieren lassen. Es war echt ein toller Abend.
Wunderschöner Bericht.
Besonders positiv ist mir auch aufgefallen das die Gesichter im Hintergrund unscharf gemacht wurden. Muss man gar nicht bei solchen Veranstaltungen, und gerade deshalb schön das ihr euch die Arbeit gemacht habt.
Ich hab den Bericht gern gelesen, auch wenn diese beiden Autoren nichts für mich sind.
LG
Karin
[...] Wald passiert war? Mit dieser Idee fing alles an. Im Gegensatz zu manch anderen Autoren (wie etwa Kerstin Gier, Kai Meyer und Jonathan Tropper) reichen Tana French eine Prämisse, ein Ort und ihre Figuren, um einfach [...]
@ Karin
Sicher ist sicher.