Es waren zwei Königskinder … oder der eReader und ich

Wer kennt sie nicht, die Worte dieser Ballade?

  1. Es waren zwei Königskinder,
    die hatten einander so lieb,
    sie konnten beisammen nicht kommen,
    das Wasser war viel zu tief.
  2. „Ach Schätzchen, könntest du schwimmen,
    so schwimm doch herüber zu mir!
    Drei Kerzen will ich anzünden,
    und die soll’n leuchten zu dir.“
  3. Das hört ein falsches Nönnchen,
    die tat, als wenn sie schlief;
    sie tät die Kerzlein auslöschen,
    der Jüngling ertrank so tief.
  4. [...]

Tja, und leider beschreibt diese Ballade ganz treffend unser Verhältnis, das zwischen mir und meinem Sony PRS-350. Ich möchte mich schon als elektronisch ungeheuer aufgeschlossen bezeichnen, nahe dran am Gadget-Junkie. Und trotzdem kann man unsere Beziehung als gescheitert betrachten. Woran liegt’s? Und vor allen Dingen, wer ist das “Nönnchen” in meiner Ballade?

Ein Erklärungsversuch

Als ich den Reader für das heutige Foto anstellte, stach mir folgender Satz direkt ins Auge: Zuletzt gelesen am 3-12-2010. Mehr als sieben Wochen habe ich den eReader mit Nichtbeachtung gestraft. Kein Wunder also, dass unsere Beziehung den Bach runter geht, das würde auch jede menschliche nicht überstehen ;-) Aber wie konnte es so weit kommen? Rein technisch habe ich wenig am Sony auszusetzen. Das sieht Johannes Haupt von lesen.net genauso. Seinen Testbericht findet ihr hier. Mich hat lediglich das etwas langsame Blättern gestört und als Rechtshänder empfand ich die unten links angebrachten Blätter-Tasten als unpraktisch. Ansonsten habe ich nichts auszusetzen, habe bislang aber auch keine Funktionen, die über das Betrachten der Seiten hinausgehen, genutzt. Was mich zurück zu meiner eigentlichen Nutzung bringt: dem Lesen!

Ich habe den Sony bislang ausschließlich zum Lesen auf Bahnreisen genutzt, ein Reisemittel was von mir eher unregelmäßig genutzt wird. Darüberhinaus hat er keinen Zutritt zu meinen Leseorten erlangt. Warum eigentlich? Dies liegt zum einen sicherlich daran, dass mir die Verlage viele Bücher als Leseexemplare zur Verfügung stellen und ich gar keinen Anlass habe, diese als eBook zu kaufen. Zum anderen hadere ich bis heute mit der eBook-Preispolitik der Verlage. Im Schnitt kostet ein eBook nämlich genauso viel wie sein gedrucktes Pendant. Ja, ja, ich weiß, das Thema wurde schon zur Genüge durchgekaut. Dabei begegne ich in den Verlagen sowohl Befürwortern als auch Gegnern einer moderateren Preispolitik. Letztlich ändert das aber nichts am zur Zeit herrschenden Status quo. Und der lässt mich einfach immer wieder zum gedruckten Buch greifen. Frei nach dem Motto: Da habe ich jedenfalls etwas in der Hand, was ich lesen, verleihen und im Zweifelsfall sogar wieder verkaufen kann.

Und was ist jetzt mit dem “Nönnchen”?

Der eReader in seiner maßgeschneiderten Hülle ist natürlich nicht ertrunken. Trotzdem stehen wir wohl an zwei verschiedenen Ufern. Bleibt abzuwarten, ob ich mich  über kurz oder lang nach einem Königskind auf meiner Uferseite umschauen werde oder wir einander wieder liebgewinnen und ich in ein schnittiges Motorboot investiere, um auf die andere Seite zu gelangen ;-)

9 Kommentare

  1. Antje Schmalzbauer

    Ich habe mir den OYO von Thalia gekauft um auf Reisen nicht immer die schweren Bücher mitschleppen zu müssen. Allerdings geht es mir genauso wie Buecherkinder. Ein Buch ist ein Buch.

  2. [...] Ganz treffend beschreibt diese Ballade unser Verhältnis, das zwischen mir und meinem Sony PRS-350. Ich möchte mich schon als elektronisch ungeheuer aufgeschlossen bezeichnen, nahe dran am Gadget-Junkie. Und trotzdem kann man unsere Beziehung als gescheitert betrachten.Doch woran liegt’s? Einen Erklärungsversuch findet ihr in meinem neuesten Blogbeitrag bei Lovelybooks. [...]

  3. Chräcker

    Puh, da habe ich Glück. Die Bücher, die ich lese, will ausser meiner Frau eh keiner aus meinem Freundeskreis lesen. Naja, ausser einem, und der bekommt einmal im Jahr zum Geburtstag einen Stapel eigener echter Bücher geschenkt. Somit verleihe ich eh nichts. Und ich zahle (fast!!!) gerne soviel wie Papierbücher, wenn ich die danach nicht zu den anderen eingestaubten verottenden Exemplare schieben muß.

    Natürlich auch jetzt höchst subjektiv gefärbt geschildert von mir. Ich kann Dein Leid schon (für Dich eben) nachvollziehen.

    Was mich eh bangen lässt: wenn ich von den Grabbeltischniveau-Bücher, die es fast nur zu kaufen gibt, die Schnauze voll habe, könnte mein 350er auch in der Ecke liegen. Mal auf die nähere Zukunft und die Einsicht der Verlage hoffen, das ich eBooks nur kaufen kann, wenn es eBooks zu kaufen gibt. (einer Logik, mit der die Verlage sich schwerr tun…)

    Und ansonsten eBook eben woa… nein, das schreibe ich jetzt nicht öffentlich!

  4. Ich war anfangs skeptisch und habe lange überlegt mir überhaupt einen eReader zuzulegen, weil ich die gedruckten Bücher doch so sehr liebe. Weihnachten wars dann soweit, der Sony kam in mein Heim geflattert und ist seitdem nicht mehr wegzudenken. Ich habe einen Nintendo DS Touchpen zweckentfremdet und benutze ihn nun zum blättern, was relativ schnell geht(habe noch nie die Tasten unten Links dazu benutzt).
    Ich schon relativ viel mit dem eReader gelesen, in Abwechslung mit gedruckten Büchern, und noch keinen Cent dafür bezahlt. Da ich einen englischen Buchblog betreibe und dort meine Rezensionen veröffentliche, kann ich mir bei netgalley zahlreiche englische Vorabexemplare runterladen, super Sache!

  5. Buecherkinder

    @Miss Page-Turner: Wenn du jetzt aber für die eBooks zahlen müsstest, würdest du dann weiterhin zur Datei greifen oder zum gedruckten Buch?

  6. Ich habe mir schon oft Gedanken gemacht, ob ich einen Reader will. Ich kann mich nicht zu so einem Elektronikding durchringen, denn ich stelle mir das lesen ähnlich vor, wie am PC. Dann packe ich lieber 3-4 Bücher ein und schleppe.

  7. NiliBine70

    Nein, ich möchte keinen!

    Den ganzen Tag hocke ich vor einem Monitor, das Fernsehen ist auch ein Monitor, den mein Mann abends anschmeißt, geh ich privat noch mal im Netz stöbern, na, vor was hocke ich da? Riichtiiich, einem Monitor. Und die Handys, was haben die? Gut geraten….Nein, da möchte ich beim Lesen bitte bitte keinen Monitor mehr vor der Nase haben.
    So ein schönes Buch, die Seiten, die man umblättern kann, wie es riecht, sich anfühlt… Das ist und bleibt unschlagbar. Und ein schweres Buch ist mir egal! Ich liebe dicke, schwere Bücher :-)
    Also kann ich das wirklich gut verstehen, wenn da so eine Beziehung zu einem Reader scheitert oder vor sich hindümpelt und nicht wirklich glücklich wird.

  8. Buecherkinder
    Buecherkinder

    Gerne hätte ich hinter NiliBine70s Kommentar ein “Gefällt mir” geklickt ;-)

  9. Koorime

    Die Preispolitik bei den Ebooks ist auch das größte Hindernis für mich. Ich finde sie einfach nur zu teuer und dazu kommt auch noch, dass meiner Meinung nach die Verlage nichts aus den sich bietenden Möglichkeiten machen. Nein, einen extra Reader werde ich mir nicht kaufen. Auf meinem IPhone befindet sich zur Zeit ein Buch für den Notfall aber das war es dann auch schon … solange sich das Angebot nicht ändert, werde ich nicht zu einem Ebook “greifen”.

Dein Kommentar: