“Es war dunkel im Zimmer. Die Tastatur wurde lediglich durch das schwache Licht des Monitors angestrahlt. Im grünen Schimmer sah Sybilles halbleere Kaffeetasse gespenstisch aus.
Doch das bemerkte die Frau gar nicht, denn sie nahm die Augen nicht vom Bildschirm. Jede Zeile, die neu angezeigt wurde, fixierte sie in gespannter Erwartung, fast so, als wollte sie die gewünschten Worte heraufbeschwören. Zwischendurch nahm sie immer wieder einen Schluck Kaffee, der sie noch nervöser machte.
Sie war zu Hause. Sowohl räumlich als auch virtuell. Seit über drei Jahren war dieser Chat ihre Heimat. Vieles in ihrem realen Leben hatte sie an das virtuelle Dasein im Cyberspace angepasst.
Selbst in ihren sprachlichen Wortschatz waren Begriffe wie lol oder mombi eingeflossen.“
Es sind oft die reinen Zufälle im Leben, die dem geneigten Leser ein Buch in die Hand spülen. Man steht am Ufer des unüberschaubaren Literatur-Ozeans und mit der Flut landet ein Roman an, dessen Inhaltsangabe sofort Interesse weckt. Vom Autor hat man bisher noch nie gehört, was in meinem Fall allerdings nichts zu bedeuten hat, wusste ich doch bis zur Nobelpreisverleihung nichts von der Existenz Herta Müllers. Also frisch ans Lesen und keine Scheu vor der Überraschung, die mit sanftem Zwang zupackt.
Und groß ist sie – die Überraschung! Ich stelle fest, dass ich die Figuren aus dem Schattenraum mag, in die Handlung eintauche und in den unendlichen Weiten einer virtuellen Chat-Charade versinke. Nichts ist wie es scheint – niemand ist, wer er ist und mittendrin ein Computerspezialist, der in seiner Freizeit versucht, seiner Freundin zu helfen. Gina ist Polizistin und bittet Sven um Hilfe. Überlastung, fehlende Sachkompetenz und andere Schwerpunkte machen die Kripo rat- und hilflos im Versuch zwei Frauenmorde aufzuklären, die eine große Gemeinsamkeit aufweisen. Beide Opfer waren in den Wirren eines Erotik-Chats verstrickt und nun können vielleicht nur noch die Chatter selbst Auskunft darüber geben, auf wen sie sich eingelassen haben.
Sven registriert sich im Chat und es beginnt ein Verwirrspiel um groteske Lügen, verschleierte Identitäten und er gerät in den Strudel einer aberwitzigen Mordserie. Aber Sven wäre nicht Sven, wenn er nicht sogar in diesem Strudel denken würde, das Ruder in der Hand zu haben. Er denkt es zumindest, bis er auf die Chatterin “Löffelchen” stößt.
Der Krimi selbst, die Protagonisten und die Art, wie ich gepackt wurde haben mich veranlasst zu recherchieren. Ergebnis: hervorragende Rezensionen in unterschiedlichen Foren, mehrere Bücher und vieldiskutierte Geschichten. Grund genug, mich Sönke Brandschwert an die Fersen zu heften und das folgende Interview über Gott und die Welt für Lovelybooks zu führen!
Du hast mit “Schattenraum” einen Krimi über Täuschung und Verführung, Kriminalität und Gewalt in der Umgebung der virtuellen Welt eines Erotik-Chats geschrieben. Wie bist Du zur Idee für diesen Plot gekommen? Gab es reale Ereignisse, die dich inspiriert haben?
Einen großen Teil meiner Ideen bekomme ich durch reale Ereignisse. Das müssen keine Dinge sein, die mir selbst passiert sind. Oft sind es Vorfälle, die Bekannte, Verwandte oder Freunde erlebt haben.
Tatsächlich kenne ich eine Frau, die mit 39 Jahren zu chatten begann, und sich immer weiter in der virtuellen Welt verlor. Dabei geriet sie mitunter an sehr dubiose Bekanntschaften. Ich war neugierig darauf, was in so einem einschlägigen Chat passierte und begab mich für eine Weile selbst in diese Welt. Das, was ich dort alles erlebt habe, würde weitere Bücher füllen.
Deine Beschreibung über Aufbau und Personen in diesem Chat sind sehr plastisch und wortgewaltig. Wie tief hast Du persönlich recherchiert, um diese Authentizität zu erreichen? Hattest du Kontakt zur Kriminalpolizei und wie gestaltete sich diese Zusammenarbeit?
Diese Frage habe ich teilweise schon oben beantwortet. Ich kann hier noch hinzufügen, dass ich in dem Chat auch virtuelle Freundschaften geknüpft habe. Manche dieser Freunde/Freundinnen haben das Manuskript testgelesen und Korrekturvorschläge gemacht. Das hat mir sehr geholfen, ein realistisches Bild zu zeichnen.
Tatsächlich hatte ich Kontakt zur Kriminalpolizei. Eine Frankfurter Kommissarin und ich wollten uns eigentlich nur kurz zum gemeinsam Essen treffen und uns dabei unterhalten, aber das Gespräch wollte einfach kein Ende nehmen.
Hier habe ich sehr viel herausziehen können und bin äußerst dankbar dafür. Erfahrungsgemäß ist die Kripo sehr kooperativ, wenn es um Anfragen von Autoren geht. Von einer befreundeten Autorin weiß ich, dass sie problemlos Termine im Polizeipräsidium Frankfurt bekommt. Meine persönliche Zusammenarbeit mit der Kripo gestaltet sich mittlerweile viel einfacher: Meine Tochter ist im Sommer 2011 mit ihrer Ausbildung zur Kriminalkommissarin fertig!
Wie bewertest Du persönlich die Welt des Internets in Zeiten aufstrebender Social Communities, Netzwerke und Foren? Welche Gefahren drohen und wie gehst Du selbst damit um?
Wie bei so vielen Dingen ist das Internet Fluch und Segen gleichermaßen. Ich kann nicht sagen, dass damit alles besser oder schlechter wird. Es wird einfach anders. Die Art der Kommunikation verändert sich dabei ebenso wie die Art der Kriminalität. In Schattenraum habe ich das Internet ja nur als Medium genommen. Das wirklich böse Buch in dieser Hinsicht ist mein Erstlingswerk Netzinfarkt (nomen est omen).
Die moderne Technik beeinflusst unser Kommunikationsverhalten, ebenso wie unsere Berufswelt. Es stimmt, dass die Technik unsere Abläufe effizienter macht und dadurch Arbeitsplätze einsparen kann. Doch genauso erwachsen daraus tausende neue Bereiche, die aufgebaut und betreut werden müssen. Auch hier sehe ich: Es wird nichts besser oder schlechter, sondern anders. Was vielen Menschen (leider) den Job kostet, schafft neue Arbeitsplätze für andere. Das Problem ist hier eher, dass die Wissensschere zwischen denen, die sich professionell mit der Informationstechnologie auskennen, und denen, die nur über ein Halbwissen verfügen oder schlichtweg keine Ahnung davon haben, immer größer wird. Das macht das Internet sehr gefährlich, besonders für Menschen ohne detailliertes Wissen. Wer kann schon erkennen, ob sein PC zuhause von einem Fremden übernommen wurde und im Hintergrund illegale Programme abspielt?
Datensicherheit wird eine immer größere Rolle spielen. Auch wird sich unser Gesetzgeber einiges einfallen lassen müssen, um der immer weiter reichenden Internetkriminalität Herr zu werden.
Das Tauziehen zwischen den von der Polizei geforderten und sicher auch nötigen Überwachungsmechanismen und der so hoch gehaltenen Privatsphäre (die sich bis hin zu dem geheimen Besuch von Internetseiten mit eindeutig kinderpornografischem Inhalten erstreckt!) wird uns noch viele Jahre beschäftigen.
In meinen Augen ist das größte Übel des Internets, dass es schon heute der Kontaktplatz Nummer eins für Pädophilie ist. Für mich als Informatiker war es relativ einfach, meine Kinder an das Internet so heranzuführen, dass ihnen die Gefahren bewusst wurden. Für Eltern, die selbst überhaupt keinen Bezug zum Internet haben, ist das fast unmöglich.
Du bist selbst Mitglied unseres Forums. Welche Erfahrungen hast Du als Autor mit Lovelybooks gemacht? Gibt es den direkten Kontakt zum Leser? Was versprichst Du Dir von den neuen Autorengruppen und Autorenbetreuern – ganz speziell im Bereich “Krimi”?
Ich bin erst seit sehr kurzer Zeit bei Lovelybooks aktiv, deshalb kann ich noch keine Berichte zu Erfahrungen abgeben. Eine sehr freundliche Aufnahme, die einen sich willkommen fühlen lässt, kann ich Lovelybooks jedoch bescheinigen.
Bisher gibt es kaum direkten Kontakt zum Leser in diesem Forum, aber ich bin überzeugt, dass es den in Zukunft reichlich geben wird. Das sagt mir zumindest meine Erfahrung von ähnlichen Seiten. Wie die meisten hier, bin ich ja nicht nur bei Lovelybooks. In einer Social Community habe ich beispielsweise eine eigene Fangruppe, die über tausend Mitglieder hat. Dort gibt es regen Austausch. Das Feedback, welches ich dort bekomme, ist sehr wichtig für mich. Dabei ist mir Kritik ebenso lieb wie Begeisterungsbekundungen und Anregungen. Ich möchte mich ja weiterentwickeln und noch verbessern.
Von der Autorengruppe verspreche ich mir einen offenen Austausch und gegenseitige Hilfestellung. Natürlich weiß ich, dass es einige Autoren/Autorinnen gibt, die andere Autoren nicht als Kollegen sondern als Konkurrenten ansehen. Ich kann mit dieser Einstellung jedoch nichts anfangen.
Warum auch? Wenn einem Leser mein Buch gefällt, findet er es dann plötzlich weniger gut, nur weil ihm auch das Buch einer Kollegin gefällt? Das ist für mich Unsinn! Ich helfe gerne, wo immer ich kann – und wenn es einem Kollegen oder einer Kollegin zu einem Bestseller verhilft: Toll!!! Das wäre doch gut für eine Person, ohne dass es den anderen schadet!
In der Autorengruppe werden hoffentlich auch Probleme erörtert, die jeden von uns beim Schreiben bzw. beim Vermarkten ereilen können – und zu vielen Problemen wird es jemanden geben, der sie bereits irgendwie gelöst hat. So müssen wir nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, sondern können gegenseitig von unseren Erfahrungen profitieren.
Wie würdest Du Dein bisheriges Schaffen bewerten? Welche Rolle spielt Erfolg für Dich und wie definierst Du ihn?
Die Definition von Erfolg verändert sich im Laufe der Zeit. Zunächst hieß Erfolg für mich, eine positive Rezension zu bekommen. Der nächste Schritt war der Gewinn der Silbernen Pistole beim Wiesbadener Kurzkrimiwettbewerb. Aber man wird ja anspruchsvoller. Das (mittlerweile recht umfangreiche) Feedback meiner Leser/innen macht mich glauben, dass meine Romane ein großes Publikum begeistern können. Deshalb ist es natürlich mein Wunsch, eine immer größere Leserschaft zu erreichen. Meinen weiteren Erfolg werde ich daher auch an den Verkaufszahlen messen.
Im Übrigen ist Erfolg für mich sehr wichtig. Immerhin schreibe ich, weil ich Menschen spannend unterhalten möchte. Wenn ich keine Fans hätte, würde mir der Antrieb zum Schreiben fehlen.
Mein bisheriges Schaffen bewerte ich als fantasievoll, abwechslungsreich und voranschreitend. Auch wenn “Netzinfarkt” sicher ein toller Roman ist, der schon viele Leser begeistert hat, sehe ich doch selbst eine große Weiterentwicklung, wenn ich “Schattenraum” oder „Spiel, bis du stirbst“ dagegen halte.
Welches war die schönste Rückkopplung auf Deine bisher erschienen Bücher und welche Reaktion hat Dich betroffen gemacht?
Die schönste Rückkopplung kam von einer Frau in einem Social Network. Durch ihre Freundin war sie auf meine Gruppe gestoßen. Lediglich aus Neugier hatte sie die Beiträge dort gelesen. Von den zahlreichen positiven Meinungen motiviert, kaufte sie sich dann den ersten Kriminalroman in ihrem Leben. Bis dahin hatte sie ausschließlich andere Literatur gelesen und sich für Thriller nie erwärmen können. Nach der Lektüre schrieb sie mir, “Schattenraum” hätte sie so begeistert, dass sie sich auch alle anderen Bücher von mir bestellt hätte. Heute ist sie eine meiner treuesten Leserinnen und wir mailen von Zeit zu Zeit miteinander.
Betroffen hat mich die Frage eines Lesers gemacht, der wissen wollte, ob ich Terroristen mit meinem “Netzinfarkt” nicht auf neue Ideen bringen könnte. Nach reiflicher Überlegung bin ich allerdings zu der Erkenntnis gekommen, dass meine Fantasie niemals an das heranreichen wird, was sich Menschen mit einer bösen Gesinnung tatsächlich ausdenken können. Mein beschriebenes Szenario wäre schon sehr aufwändig und würde einige Jahre Vorbereitungszeit benötigen (wie in “Netzinfarkt” auch dargestellt). Ich denke, ebenso wie ich böse Jungs auf dumme Gedanken bringe, sensibilisiere ich die Guten dafür, ihre Systeme sicher zu machen.
Kannst Du den Weg beschreiben, den du hinter Dich bringen musstest um vom ersten Manuskript zum gedruckten Buch zu kommen? Welche Hindernisse waren unüberwindbar, was hast du aus Deiner Sicht richtig gemacht – wo waren Fehler?
Was ich richtig gemacht habe: Ich bin ohne Erwartungshaltung an die Sache herangegangen. Das Manuskript entstand, weil ich Freude am Schreiben hatte. Dementsprechend war ich sehr locker und unverbissen.
Einer meiner Fehler: Damals hatte ich mich nicht getraut, das Manuskript bei den großen Verlagen einzureichen. Heute denke ich, dass ein großer Verlag aus “Netzinfarkt” durchaus einen Bestseller hätte machen können.
Doch daran möchte ich keinen Gedanken verschwenden. Immerhin wurde es veröffentlicht – was will ich mehr? Ein „Hindernis“ war das Lektorat. Heute bin ich ihm sehr dankbar für seine Arbeit, aber damals …
Ich glaube, das ist für jeden neuen Autor beim Erstlingswerk ein Problem. Man ist zunächst so überzeugt von seiner Story und weiß ganz tief in sich drin, dass jede Zeile absolut wichtig ist. Wenn man dann einiges streichen und andere Teile ein wenig umschreiben soll, dann ist das wie ein vernichtendes Urteil für den Schreiber. Zumindest habe ich es seinerzeit so empfunden.
Doch mit der Zeit lernt man. Wenn ein Manuskript so schlecht wäre, würde ein Verlag es gar nicht erst ins Programm nehmen. Bei der Lektoratsarbeit geht es darum, aus etwas Gutem etwas noch Besseres zu machen! Wenn man das einmal begriffen hat, dann wird die Zusammenarbeit viel leichter.
Außerdem habe ich aus den Änderungswünschen des Lektorats viel gelernt. So kann ich wichtige Punkte heute bereits beim Schreiben berücksichtigen und von vornherein eine bessere Arbeit abliefern.
Ein weiteres Hindernis ist für mich, dass ich nicht sehr gut darin bin, ein Exposé zu erstellen. Nach diesem fällen aber die meisten Verlage ihr erstes Urteil.
Hast Du einen Ratschlag für Autoren, die ganz am Anfang ihrer Karriere stehen?
Ich habe sicher einen Ratschlag – aber es soll bitte jeder selbst überlegen, was er für richtig hält! Wer wäre ich, wenn ich mir anmaßen würde, den einzig richtigen Weg zu kennen?
Ich finde es wichtig, dass man seinen eigenen Stil kreiert. In einem Buch verleiht der Autor vielem aus seinem Innersten Ausdruck. Wie soll das jedoch gehen, wenn man starr nach einem Leitfaden aus dem Lehrbuch vorgeht? Sicher gibt es ein paar Grundprinzipien, die man einhalten sollte, aber es gibt ja auch Fachleute, die einen ganz bestimmten Weg vorschreiben. Dieser Weg mag für manche richtig sein – für andere aber wiederum nicht.
Deshalb: Schreibe erst einmal so, wie du es für richtig und gut empfindest! Du arbeitest dabei völlig anders, als andere sagen, dass du es tun solltest? Fein! Mache dir keine Gedanken darum! Wenn du mit deinem Weg zu einem guten Ergebnis kommst, dann kann er nicht falsch sein!
Wie dürfen wir uns Dein Schreiben vorstellen? Ist es ein kontinuierlicher Prozess, schreibst Du am Rechner oder handschriftlich, gibt es Rituale beim individuellen Schaffensprozess?
Ich schreibe immer am Rechner, meistens am Laptop. Tatsächlich sind von den letzten beiden Romanen etwa 80% im Zug entstanden. Ich bin Pendler und nutze die lange Fahrtzeit zum Schreiben.
Am Anfang steht natürlich die Idee. Wie zuvor schon erwähnt, kann das irgendein Ereignis sein, das mich beschäftigt. Entweder, ich sehe dann plötzlich diverse kriminelle Möglichkeiten, die ich für verarbeitenswert halte, oder meine manchmal recht abstruse Fantasie beginnt zu überlegen: „… es könnte aber auch ganz anders gewesen sein!“ Dann kommt eine alternative (und meistens ziemlich böse) Wahrheit heraus, die ich als Grundlage für eine Story nehme.
Wichtig ist, dass Ausgangspunkt und Ziel der Geschichte stehen. Dann kommen die Figuren. Für den Hauptcharakter von „Spiel, bis du stirbst“ habe ich einen mehrseitigen Lebenslauf geschrieben. Damit kann ich die Person auch über mehrere Bände hinweg authentisch halten. Außerdem ergeben sich viele Verhaltensweisen einfach aus ihrer Vergangenheit.
Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren schreibe ich mir aber kein Script, dass mir die Inhalte der einzelnen Kapitel vorgibt, die ich dann nur noch ausarbeite. Der Ablauf der Geschichte ergibt sich erst beim Schreiben. Das gibt mir mehr Flexibilität und ich habe das Gefühl, dass der Roman dadurch lebendiger wirkt.
Schreiben ist für mich eine ganz ähnliche Erfahrung wie Lesen. Oft kommen mir „unterwegs“ neue Gedanken und Ideen. Die Geschichte lebt tatsächlich in mir. Dabei kann es vorkommen, dass ich zunächst eine bestimmte Richtung geplant hatte, mir dann aber einfällt, wie „der Böse“ jetzt realistischerweise reagieren müsste (oder wie ich an seiner Stelle reagieren würde), und schon geht es plötzlich in eine ganz andere Richtung. Dabei überrasche ich mich manchmal selbst.
Gab / gibt es Schreibblockaden und wie gehst Du damit um?
Hin und wieder gibt es die auch. Wenn nichts in mir ist, was ich zu Papier bringen könnte, erzwinge ich es nicht, denn ich weiß, dass dieser Zustand nicht lange anhält. Irgendwann kommt plötzlich der zündende Funke.
Bis dahin schreibe ich an einer andere Geschichte weiter, die so „nebenher“ läuft. Dafür habe ich beispielsweise eine Story in der Queue, die nichts mit Krimis zu tun hat. Es ist eine Geschichte, die aus der Sicht eines Hundes erzählt wird. Das ist eine große Herausforderung und ich lasse mir viel Zeit damit.
Außerdem „erspinne“ ich mir in solchen Phasen neue Ideen, oder bringe bereits vorhandene Ideen aus meinem Hinterkopf zu Papier – besser gesagt zu Laptop.
Deine Protagonisten sind in ihrer Charakterzeichnung sehr “nah” angelegt. Sie sind für mich greifbar gewesen und es war nicht schwer, mich auf Deine Geschichte einzulassen. Einen ganz besonderen Narren hatte ich natürlich an “Löffelchen” gefressen – wie sehr berühren Dich deine Figuren und wie schwer ist es, sie von einem Schlamassel in den Nächsten zu schreiben?
Natürlich denke ich mir zu jedem Charakter etwas. Manche möchte ich unsympathisch erscheinen lasse, andere liebenswert. Wenn ich Bücher von anderen Autoren lese, dann „liebe“ ich auch die eine oder andere Figur. So geht es mir mit den eigenen Charakteren ebenfalls. Um den Leser emotional zu bewegen, überlege ich mir manchmal, was mich selbst am meisten treffen würde – und werfe die Figur in die entsprechende Situation. Dabei ist es tatsächlich schon vorgekommen, dass ich mich unwohl gefühlt habe, als ich die Stelle ausformuliert habe. Wenn das passiert, weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Schattenraum ist nach Netzinfarkt der in sich abgeschlossene zweite Teil einer Krimireihe - wird es weitergehen? Hast Du laufende Projekte? Schreibst du gerade?
Es wird sicher irgendwann wieder etwas von Gina und Sven zu lesen geben. Im Moment arbeite ich aber an meiner neuen Reihenfigur. Ich wollte einen Charakter kreieren, der zwar sehr außergewöhnlich ist, aber trotz seines etwas verruchten Umfeldes auch beim „normalen“ Leser sympathisch ankommt. Die bisherigen Reaktionen auf „Spiel, bis du stirbst“, das kurz vor Weihnachten erschienen ist, lassen erahnen, dass ich ein glückliches Händchen hatte. Deshalb schreibe ich gerade am Folgeroman.
Wenn Soenke Brandschwert nicht schreibt, dann……
… verdient er Geld, indem er eine technische Abteilung bei einem kleinen Internetprovider leitet. Irgendwoher müssen die Brötchen ja kommen.
Im Sommer fährt er viel Motorrad, manchmal auch auf der Rennstrecke. Außerdem hat er zwei Hunde aus dem Tierheim, und wenn seine knapp bemessene Zeit es erlaubt, verdingt er sich auch mal als ehrenamtlicher Hundeausführer im Tierheim.
Nach einer dreijährigen Pause beginnt er gerade wieder mit dem Tanzen (Standard und Latein).
Es gäbe noch ungefähr dreitausendvierhunderteinundachtzig Dinge zu erwähnen, aber das erspare ich den Lesern mal.
Der beste Krimi, den Du jemals gelesen hast, trägt den Titel……
Verblendung – Verdammnis – Vergebung
Auf welche Frage würdest Du gerne antworten, obwohl man sie Dir noch nie gestellt hat?
Gibt es Dinge, die dich am Buchgeschäft stören, und wenn ja, welche sind das?
Deine Wunsch-Schlagzeile 2011: Sönke Brandschwert hat……
…. es mit „Spiel, bis du stirbst“ in die Top 10 der Verkaufslisten geschafft…
Ich wünsche allzeit gute Fahrt und viele frische Ideen im Gegenwind, der literarisch bestimmt Rückenwind bedeutet! Schreiben mit “offenem Visier” scheint Sönke Brandschwerts Spezialität zu sein…




[...] Geschichten. Grund genug, mich Sönke Brandschwert an die Fersen zu heften und das folgende Interview über Gott und die Welt für Lovelybooks zu [...]
Es wurde wirklich Zeit, Sönke Brandschwert vom Status des Geheimtipps zu befreien. Das sollte mit diesem Artikel gelungen sein. Die Rezensionen auf Amazon sprechen eine deutliche Sprache. Ein gelungenes Buch und tiefe Einblicke in eine Autorenseele. Das ist hier gelungen. Danke dafür.
Chris
Perfekt!
Das Thema gefällt mir (und sollte vielleicht so den ein oder anderen mal endlich aufrütteln) und das ganze Interview ist so schön breit gefächert.
Danke Raily, dass Du Dir die Mühe gemacht hast!
(ich geh denn mal meine Wunschliste weiter aufstocken *seufzt*
Gruß
Bine
Das hört sich wirklich spannend an, zumal ich immer gerne neue Krimi-Autoren entdecke. Würdest Du empfehlen, die Bücher chronologisch zu lesen?
@Textstube:
Sowohl “Hals in der Schlinge” als auch “Spiel, bis du stirbst” sind bisher unabhängige Bücher, also völlig losgelöst von den Charakteren und Ereignissen in “Schattenraum” und “Netzinfarkt”. (Zu “Spiel, bis du stirbst” wird es allerdings einen Folgeroman geben.)
Womit man hier beginnt, kann also ganz nach Interesse für die jeweilige Geschichte entschieden werden.
“Schattenraum” ist ein Folgeroman von “Netzinfarkt”. Es spielen dieselben Charaktere mit. Zwar sind es in sich abgeschlossene Handlungen, allerdings wird man in “Netzinfarkt” ein wenig von der Spannung einbüßen, wenn man Schattenraum zuerst liest.
Meine persönliche Empfehlung für eine Reihenfolge: Mit dem letzten (“Spiel, bis du stirbst”) beginnen und dabei feststellen, ob der Schreibstil überhaupt genehm ist (bekanntermaßen sind die Geschmäcker ja unterschiedlich).
Passen sowohl Stil als auch Spannung, dann sollte man “Netzinfarkt” und “Schattenraum” auf jeden Fall in der richtigen Reihenfolge (also “Netzinfarkt” zuerst) lesen.
“Hals in der Schlinge” ist etwas, das man gut unterwegs auf Reisen lesen kann, da dieses Buch nur 130 Seiten hat. Eine spannende, aber eben sehr kurze Geschichte.
Ich hoffe, diese Informationen waren hilfreich.
Liebe Grüße
Sönke
Ich werde Netzinfarkt auf jeden Fall lesen und würde den Autorenempfehlungen auch nicht widersprechen wollen – nur lediglich darauf hinweisen, dass Schattenraum ein wirklich abgeschlossenes Leseerlebnis war und die Reprisen und kurz angelegten Rückblenden auf den ersten Teil wirklich keine Fragen aufgeworfen oder hinterlassen haben. Auch eine Kunst für sich, finde ich!
Hallo Sönke!!!
ich bin der absolute internet muffel, aber heute bei wkw auf dich aufmerksam geworden.
wie du weißt, lese ich viel und gerne und freue mich jetzt schon auf ein buch von dir. vielen dank für deinen seitenbesuch…..
……bald gibt es einen neuen autor in meinem bücherregal!!!!
lg, die suse
Hallo Sönke,
wau einfach super,prickelnd und fesselnd geschrieben genau mein Stil.
[...] werden. Klasse Charaktere und eine spannende Rahmenhandlung brachten uns zum Autor – ein großes Interview für Lovelybooks entstand und wie üblich wurde es in unserer Dunkelkammer reich [...]