London ist definitiv immer eine Reise wert. Und wer sich an den üblichen, zu Tode fotografierten Sehenswürdigkeiten wie Madame Tussauds, Big Ben und Westminster Abbey satt gesehen hat, und auch schon die wirklich wichtigen Punkte wie den Koko Music Club (letzte Trinkstätte von AC/DCs Bon Scott) oder die Battersea Power Station (auf Pink Floyds Cover der „Animals“ Platte prominent vertreten) heimgesucht hat, darf sich gern auf eine höchst literarische Reise durch die Innenstadt begeben. Rund um Westminster und Charing Cross befinden sich all jene Orte, die Arthur Conan Doyles Meisterdetektiv Sherlock Holmes und dessen Freund und Kumpan Watson in den zahlreichen Kurzgeschichten und Romanen das eine oder andere Mal besucht haben. So könnt ihr zum Beispiel den Strand entlang schlendern und – einen guten Tourist Guide vorausgesetzt; besten Dank, Alan! – an der Stelle stehenbleiben, wo sich Watson eine Zeitung besorgt hat.
Oder aber, ihr macht Jagd auf das echte Zeug, den Ort, an dem alles begann, die Geburtsstätte des dynamischen Duos und dem Haus, das Mythen schuf: Die Baker Street 221b. Hinkommen ist ganz einfach: Nutzt die Circle Line bis zur Baker Street Station (unter anderem eine der ersten U-Bahn Stationen Londons), steigt dort aus und begrüßt den Meisterdetektiv höchst persönlich. Oder zumindest eine lebensgroße Nachbildung, die auf einem Sockel thront. Holmes, oder besser gesagt ebenjener Sockel, weisen euch auch direkt den Weg zum Sherlock Holmes Museum. Wenn ihr schlau seid, folgt ihr seinem Rat nur bis zur nächsten Kreuzung und wechselt in die erste Seitenstraße nach rechts. Wenn nicht, dann hirscht ihr die Marylebone Road ewig lang dahin, bis ihr merkt dass ihr ganz und gar nicht dort ankommt, wo ihr eigentlich hinmüsst.
Wie auch immer, wenn ihr die linke Straßenseite der Baker Street entlangläuft, werdet ihr merken, dass zwischen Baker Street 219 und Baker Street 229 sich original nur ein Gebäude befindet, und man die Baker Street 221b nach Nummer 231 eingerichtet hat, also eigentlich bei Nummer 233, und in einer ganz fiesen Art und Weise direkt nach dem Beatles Merchandising Store, der einen durchaus aufhalten kann (im Ernst: allein der ist schon eine Reise wert).
Dieses Nummernchaos hat nicht nur eine verwirrende Wirkung, sondern auch eine nette Anekdote. Zwischen Baker Street 219 und Baker Street 229 befindet sich das Hauptgebäude der Abbey National Bank und Immobiliengesellschaft, die in den ersten 70 Jahren ihrer Existenz an diesem Ort sämtliche Briefe, die an Sherlock Holmes adressiert wurden auch in Empfang nahmen. Tatsächlich wurde sogar ein eigener Bankbeamter extra für den Empfang und die Antwort ebenjener Fanbriefe eingestellt. Sherlock Holmes Sekretär, sozusagen. Als sich die Stadt Westminster in den 90er Jahren dazu entschloss, eines der Gebäude anders zu nummerieren und dort Sherlock Holmes Adresse einzurichten, mussten sowohl die Abbey National Bank als auch das dort errichtete Museum sich 10 weitere Jahre gedulden, bis die Briefe tatsächlich ihren richtigen Bestimmungsort erreichten. Der Grund: Man konnte den Beamten doch nicht entlassen.
Nun, angenommen ihr selbst habt auf eurem London Trip den gleichen Weg genommen wie die Sherlock Holmes Briefe, so müsstet ihr im Sherlock Holmes Museum angekommen sein. Dort erwarten euch nicht nur originalgetreue Nachbildungen der Zimmer von Holmes, sondern ihr werdet auch von einer Miss Hudson oder einem ziemlich bärtigen Watson in Empfang genommen, die euch durch das Gebäude führen und euch eine Menge Memorabilia aus den Filmen und zahlreiche Schmuckstücke wie Erstausgaben diverser Holmes Bücher. Im Moment betreibt das Museum auch eine Aktion zur Rettung von Arthur Conan Doyles ehemaligem Wohnsitz, ein Vorhaben, das man durchaus unterstützen sollte.
Bei meinem Besuch in London Anfang des Monats hatte ich leider nur kurz Gelegenheit das Museum zu begutachten (den Göttern des winterlichen Flugverkehrs sei Dank), doch allein in diesen wenigen Momenten gab’s für mich als „Holmesian“ eine Menge zu entdecken und einige Erinnerungen an die Geschichten und Romane wurden aufgefrischt. Doch die kurze Zeit wurde wieder wett gemacht durch den Besuch des für Londoner „richtigen“ Holmes Museums. Und dieser zweite Teil des Trips folgt demnächst.
Fotos: Stefan Baumgartner




Herzlichen Dank für diesen Bericht!
Da bekommt man direkt Lust, sich das alles einmal persönlich anzusehen.
Lg
Vielen Dank für den tollen Bericht, ich habe mir das gleich für unseren London-Trip dieses Jahr notiert.
[...] willkommen zu meinem zweiten Teil des Holmeschen Reiseführers durch London. Nach dem Besuch in der Baker Street 221 B kommen wir nun zu dem, was so mancher Einheimischer als “the real thing” bezeichnet und [...]