Am 2o.1o.2o1o las Jonathan Tropper in der Mayerschen Buchhandlung in Köln aus seinem neuesten Roman Sieben verdammt lange Tage. Moderiert wurde der Abend von radioeins-Sprecherin Marion Brasch. Die deutschen Leseparts übernahm der Schauspieler Oliver Bootz.
Ich muss gestehen, den Anfang der Lesung fand ich recht gezwungen. So ganz hat wohl keiner der etwa 40 Zuschauer verstanden, warum die Moderatorin darauf bestand, statt um 2o:15 Uhr bereits um 2o:1o Uhr mit der Lesung zu beginnen, nur weil der 2o.1o. war. Und die Geschichte mit den fünf Prostituierten, die Jonathan Tropper angeblich vor der Lesung abgefangen hatten, was zur Folge hatte, dass er den Abend nackt bestreiten wollte… Der Witz muss an mir vorbei gegangen sein.
“Das kann ja heiter werden”, dachte ich. Und es wurde heiter. Und zwar richtig und im positiven Sinne.
In den nächsten beinahe zwei Stunden (die längste Lesung, die ich bislang erleben durfte!) wurde ich für den etwas lauen Einstieg dann aber mehr als entschädigt.
Etwa mit der Entstehungsgeschichte zum Buch. Hier aber erstmal die Kurzbeschreibung für alle, die noch nicht wissen, worum es geht.
Klappentext:
Die Familientreffen der Foxmans enden stets mit zuschlagenden Türen und quietschenden Reifen. So schnell wie möglich versuchen die vier erwachsenen Kinder, einen Sicherheitsabstand zwischen sich und ihr Elternhaus zu bringen. Doch nun ist ihr Vater gestorben – und dessen letzter Wunsch treibt seinen Lieben den Angstschweiß auf die Stirn: Sie sollen für ihn Schiwa sitzen, sieben Tage die traditionelle jüdische Totenwache halten. Das bedeutet, dass sie auf ausgesprochen unbequemen Stühlen in einem kleinen Raum gefangen sind und nicht davonlaufen können. Nicht vor dem, was zwischen ihnen passiert ist, und nicht vor dem, was die Zukunft für sie bereithält…..
In den Vororten von New York ist es nämlich so – wenn du keinen Job, kein Haus und keine Frau hast, dann bist du ein Niemand. Das muss Judd, der Ich-Erzähler des mittlerweile fünften Romans von Jonathan Tropper, am eigenen Leib erfahren, als er seine Frau mit seinem Boss erwischt und daraufhin nicht nur seine Liebste los ist, sondern – wenig überraschend – auch seinen Job. Doch es kommt noch schlimmer. Judds Vater – eigentlich überzeugter Atheist – stirbt und sein letzter Wunsch ist es, dass die Familie eine sieben Tage lange Totenwache abhält.
“Ich dachte mir: Wie kann ich einen Mann, der alles verloren hat, noch mehr demütigen? Indem ich ihn zu seinen Eltern schicke.” – J. Tropper
Das also ist die Ausgangssituation, die im Laufe des knapp 45o Seiten starken Buches zu etlichen urkomischen, aber auch nicht wenigen tief berührenden Szenen führen wird. Oliver Bootz jedenfalls zeigte sich völlig begeistert von dem Buch, das “gleichzeitig tragisch, aber auch mit großartig trockenem Humor geschrieben ist”.
“Anreiz zu der Geschichte war”, so erzählt Jonathan Tropper, “der Gedanke, dass Männer heutzutage einfach viel später erwachsen werden. Sie möchten so lange wie möglich jung und sorgenfrei bleiben, aber dann passiert eine große Sache und plötzlich müssen sie Verantwortung übernehmen.” Dass dies nicht nur ein amerikanisches Phänomen ist, wie Jonathan Tropper bis vor seiner Lesereise annahm, bestätigte auch Oliver Bootz, der zwar “kein kleiner Junge mehr” sei und sich bemühe erwachsen zu sein, für den der Tod seines Vaters im letzten Jahr aber auch durchaus ein Wendepunkt in seinem Leben gewesen sei.

Ein verdammt langer, verdammt schöner Leseabend
Seine Figuren stehen bei Jonathan Tropper übrigens immer im Vordergrund. “Viele Autoren erzählen ja, dass die Charaktere ihnen den Verlauf der Geschichte vorgeben, aber das ist Bullshit“, sagt Tropper. Er verbringt vorab schon so viel Zeit mit seinen Figuren, etwa indem er für jeden noch so kleinen Nebencharakter einen Lebenslauf entwirft, dass er immer ganz klar weiß, wohin die Reise gehen wird.
In Sieben verdammt lange Tage spielen neben Judd auch seine zwei Brüder Paul und Phillipp sowie die Schwester Wendy eine Rolle. Obwohl auch Jonathan Tropper selbst drei Geschwister hat, basieren seine Figuren allerdings niemals auf wahren Personen.
Eine kleine Anekdote aus seinem Leben hat er jedoch in die Geschichte eingebaut – um sich an seinen Eltern zu rächen, die ihm als Kind immer scherzhaft das Gefühl gegeben hatten, dass er kein Wunschkind gewesen ist.
Einer seiner Brüder ist nämlich bloß 16 Monate älter als er und auf die Frage, ob er denn wirklich geplant gewesen wäre, antwortete sein Vater einmal: “Ehrlich gesagt, wir dachten, dass deine Mutter während der Stillzeit nicht schwanger werden könnte.” Dieser Satz findet sich auch in der Geschichte wieder, denn Judd hat – demnach alles andere als zufällig – ebenfalls einen Bruder, der genau 16 Monate älter ist als er selbst. Und – ebenso wenig zufällig – denselben Albtraum, den auch Jonathan Tropper eine lange Zeit hatte.
Alles andere ist jedoch frei erfunden. Auch wenn viele Leser behaupten, sich selbst oder Bekannte in seinen Figuren wiederzufinden. Seine eigene Mutter zum Beispiel erkenne in der Figur des Phillipp ihren Sohn wieder. Und eine ehemalige Highschool-Liebe rief Jonathan Tropper nach dem Erscheinen seines zweiten Romans sogar ganz gerührt an und dankte ihm für die Erwähnung. Dass sie letztlich gar nicht Vorlage für die betreffende Figur war, habe sie ihm bis heute nicht verziehen.
“Unsere Kinder sind zufällig regelmäßig im selben Camp und sie wirft mir immer noch böse Blicke zu.” – J. Tropper
Einmal habe der Autor sich im Nachhinein aber sehr gefreut, eine reale Person in einem seiner Romane erwähnt zu haben. Nämlich, als er an einem gemeinsamen Projekt mit Steven Spielberg arbeitete und dieser Jonathan Tropper nach sich zu Hause eingeladen hatte. Dort zog er Troppers Roman aus dem Bücherregal und war ganz geehrt, darin seinen Namen wiederzufinden.
Das Projekt scheiterte dann zwar an den Schauspielern, aber dafür bekam Jonathan Tropper von Spielberg ein iPad geschenkt, noch bevor dieses überhaupt auf dem Markt war. “Am Anfang wusste ich gar nicht, was das ist, aber jetzt nutze ich es täglich. Auf der Lesung gestern habe ich sogar daraus gelesen”, verrät er.
Und nicht nur das. Kurz vor Ende der Lesung erzählte er noch, dass das Spielberg-Projekt zwar geplatzt sei, dafür aber eine Verfilmung von Sieben verdammt lange Tage geplant ist, die im nächsten Jahr gedreht werden soll und voraussichtlich 2o12 in die Kinos kommt.
Die anschließende Fragerunde fiel dann recht kurz aus. In Amerika wäre das anders. Da würde er nach 10 gelesenen Minuten mit 1.ooo Fragen gelöchert, aber hier in Deutschland ist man halt schüchtern. Oder einfach nur geplättet von fast zwei Stunden purem Vergnügen.



[...] Mitte der Woche war ich auf meiner dritten Lesung in diesem Monat. Meinen mittlerweile fast schon obligatorischen Bericht findet Ihr wie immer im Lovelybooks-Blog. [...]
Ein toller Lesungsbericht! Auch wenn ich mit seinem ersten Roman nicht viel anfangen konnte, klingt dieser doch interessant. Bin gespannt wie es dir damit geht
Auf die Verfilmung bin ich jedenfalls jetzt schon scharf!
Oh, ich wäre so gerne da gewesen! >:
Das Buch fand ich richtig klasse und der Bericht hier lässt mich auf alle Anwesenden glatt neidisch werden!
Scheint, als hättest du jede Menge Spaß gehabt, Nina. ;D
Aber auf die Verfilmung bin ich ja mal gespannt. Ich schwanke zwischen “JUHU!” und “Hm.”
Ich hoffe nur, dass sie – wenn es was wird – sich ordentlich anstellen und ich genauso viel Spaß haben kann wie beim Lesen. ;D
@ Katrin
Ich habe bislang nur “Mein fast perfektes Leben” von ihm gelesen, aber das hat mir damals gut gefallen. Die Auszüge aus “Sieben verdammt…” klangen jedenfalls sehr vielversprechend und meine Begleitung war auch gleich Feuer und Flamme. Es wundert mich eigentlich, dass “Mein fast…” nicht auch schon verfilmt wurde. Da hätte ich mal nachfragen sollen…
@ Shiku
Ich fange in den nächsten Tagen endlich mit dem Buch an und bin auch schon sehr gespannt. Bislang habe ich nur Positives darüber gehört. Und was den Film angeht… Es dauert ja noch eine Weile, bis wir ihn zu sehen bekommen. Dann ist das Buch schon wieder eine Weile her und man zieht nicht mehr so stark Vergleiche wie man es direkt nach der Lektüre machen würde. Geht zumindest mir so.
Dann hoff ich mal, dass deine Reaktion genauso positiv sein wird. Ist ja für alle nur von Vorteil.
Das stimmt schon, aber wenn sie’s ganz vermurksen, kann’s passieren, dass man auch so keinen Spaß mehr daran hat. Aber das will ich mal eben niemandem unterstellen und hoff einfach mal auf das Beste – und unterlasse es vorsorglich, das Buch vorher noch mal zu lesen.
Ich habe “Sieben verdammt lange Tage” fast gerade zu Ende gehört. Die Geschichte hat mich zuerst ein wenig an “Ein geschenkter Tag” von Anna Gavalda erinnert, mit dem Unterschied, dass sich Judds Familie nicht unbedingt verträgt. Die Charaktere sind stark und aus dem Leben gegriffen. Wie man dieses Buch jedoch verfilmen kann, ist mir ein Rätsel. Es könnte sehr gut in eine Komödie abgleiten, was ich schade finden würde. Auf jeden Fall ein tolles Buch!
Interessant. An “Ein geschenkter Tag” hatte ich im Leben nicht gedacht. Die Bücher von Anna Gavalda haben für mich ihren ganz eigenen, immer auch etwas melancholischen Flair. So etwas erwarte ich mir von “Sieben verdammt…” nicht. Auch wenn es natürlich einen ernsten Hintergrund hat und die Figuren allesamt ihr Päcklein tragen, Coming-of-age halt… Die Lesung ließ doch eher vermuten, dass es sich um ein gefühlvolles, vor allem aber auch extrem lustiges Buch handelt.
Ich denke, Hollywood wird daraus schon was entsprechend Popcornmäßig machen – Witz und Tränchen, wie das so ist.
[...] aufbereitet. Ernste Bücher zu schreiben reize ihn nicht, erzählte der Autor zuletzt auf einer Lesung in Köln, »weil sie schwer zu lesen sind. Ich schreibe immer nur Bücher, die ich selbst auch lesen [...]
[...] der Lesung in Köln wurde ich ja schon ordentlich angefixt und ein bisschen was Lustiges kann ich gerade gut [...]
[...] ist nach Ansicht der beiden eher eine Wunschvorstellung vieler Autoren. Das sagt ja auch Jonathan Tropper, der auf einer Lesung sogar mal erzählte, dass es Bullshit sei, wenn Autoren behaupten, dass die [...]
[...] Idee fing alles an. Im Gegensatz zu manch anderen Autoren (wie etwa Kerstin Gier, Kai Meyer und Jonathan Tropper) reichen Tana French eine Prämisse, ein Ort und ihre Figuren, um einfach draufloszuschreiben. [...]
[...] aufbereitet. Ernste Bücher zu schreiben reize ihn nicht, erzählte der Autor zuletzt auf einer Lesung in Köln, »weil sie schwer zu lesen sind. Ich schreibe immer nur Bücher, die ich selbst auch lesen [...]