Lesungsbericht: Andreas Izquierdo in Köln

erschienen am 12.08.2010 bei Rotbuch Verlag

»Gott liegt im Sterben. Und mit ihm die gesamte Schöpfung.«

Nicht jede Kirche war bereit, ihre Pforten für eine Veranstaltung zu öffnen, die mit diesen Worten beginnen sollte. Die Lutherkirche in der Kölner Südstadt hatte damit zum Glück kein Problem und so konnte dort  heute Abend um 18 Uhr die Premierenlesung von Andreas Izquierdos neuem Roman APOCALYPSIA stattfinden.
Eine bessere Location hätte sich wohl auch kaum finden lassen. Ein in verschiedenen Rottönen bemaltes Leinentuch hinter dem Altar, das bis in die Kuppel reichte, zwei rote Sessel, eine Leinwand, auf welcher der Buchtrailer abgespielt wurde, in rötliches Licht getaucht… Bei all dem Rot war es nicht schwer, sich den blutigen Krieg der Engel vorzustellen.

Doch wie kam es überhaupt zu dem Buch? Moderatorin Antje Deistler, bekannt aus dem Hörfunkprogramm des WDR2, u. a. durch ihre sonntägliche Sendung BÜCHER, hakte nach, denn eigentlich kennt man Andreas Izquierdo bislang als Autor von Krimis und historischen Romanen.
Zur den Engeln kam er eher zufällig. Besser gesagt, das Thema kam zu ihm, denn letztendlich suche das Thema immer den Autor und nicht andersrum.

In seinem Roman gibt es auch weibliche Engel.

Bei der Recherche zu einem anderen Buch war er vor Jahren schon auf eine Darstellung der Hierarchie der Engel gestoßen, die ihn faszinierte. Der Gedanke, dass der Himmel eigentlich eine Diktatur sei, ließ ihn nicht mehr los. Und damit auch die Frage: Was wäre, wenn Gott sterben würde? Denn schließlich muss alles, was lebt, irgendwann sterben. Warum dann nicht auch Gott?

»Am besten ist, wenn es einen gleich erwischt.«

Obwohl Andreas Izquierdo bemerkenswert bibelfest ist, wird vom Leser selbst kein besonderes Wissen vorausgesetzt. Schließlich treibt den Autor selbst auch nicht unbedingt die Religiosität an, sondern vielmehr das Interesse an schönen Geschichten.
Schön sind die Geschichten um Adams erste Frau Lilith, den Nephilim – Kinder von Engeln und Menschenfrauen – und Luzifer, der im Übrigen weder Satan noch der Teufel ist, zwar nicht immer. Meist sind sie doch eher grausam. Aber spannend sind sie auf jeden Fall.

Und so lauschte das Publikum gebannt, wie der Autor erzählte, warum seine Engel keine Flügel haben und dass sein persönlicher Luzifer Bilder des Christentums, des Islams und des Judentums in einer Person vereine. Sein Ziel ist es, die komplette Schöpfung zu vernichten.
Die Welt dabei zu zerlegen, habe dem Autor großen Spaß gemacht. Er habe sogar Naturwissenschaftler und Geologen gefragt, wie man die Erde am nachhaltigsten zerstören könne, erzählt er. Und grinst.
Auf die Frage, wohin man in einer solchen Situation denn flüchten könne, zuckt er nur die Schultern. »Am besten ist, wenn es einen gleich erwischt.«

Engel sind die neuen Vampire

Als Trendsetter versteht sich Andreas Izquierdo nicht. Seine Engel hat er schon vor zwei Jahren zu Papier gebracht.

Spätestens an dieser Stelle sollte auch denjenigen, die das Buch noch nicht gelesen hatten, klar geworden sein: Hier geht es nicht um blond gelockte Engelchen, die Harfe spielend auf ihrer Wolke sitzen. Hier geht es hart zu Sache.
Nicht so wie in den anderen Engelbüchern, die »sich momentan auf den Markt drängen«. Die seien ja doch oft sehr weich gespült. »Frau verliebt sich in Engel oder andersrum.« Rosarot ist in APOCALYPSIA nichts.
Umso überraschter ist Andreas Izquierdo, dass das Buch gerade bei den weiblichen Lesern, »die in Foren wie lovelybooks.de etwa 90% ausmachen«, so gut ankommt. Erstaunlich sei jedoch, dass in den vielen Rezensionen, die es mittlerweile gibt, niemand auf die Brutalität eingehen würde. (Anmerkung: Keine Sorge, lieber Herr Izquierdo! Ich werde das in meiner Besprechung erwähnen. ;) ) Schlimm findet er das allerdings nicht. Schließlich zeige es, dass die Leser so mit den Figuren mitfiebern, dass das Grauen des Krieges fast in den Hintergrund rücke.

»Aber einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es am Ende ja doch, finde ich« sagt Antje Deistler zum Schluss.
»Na ja, nett ist das Ende nicht«, antwortet der Autor. »Aber zwischendrin, doch. Ein bisschen Hoffnung gibt es da schon.«
Na also. Vielleicht ist die Welt ja doch noch zu retten. Möglicherweise. Oder?
Ich verrate jedenfalls nichts. :mrgreen:

12 Kommentare

  1. [...] Ich war heute in der Kirche. Allerdings nicht zur Messe, sondern bei der Premierenlesung von Andreas Izquierdos Roman APOCALYPSIA. Und weil ich sozusagen im Dienste vom Lovelybooks-Blog unterwegs war, findet Ihr meinen Bericht dazu >> auch genau dort <<. [...]

  2. Buecherkinder
    Buecherkinder

    Schade, dass ich nicht kommen konnte :-( Umso mehr DANKE an Nina für den interessanten Beitrag … ich bin übrigens auf Seite 129 ;-)

  3. Danke für den tollen Lesungsbericht, da wäre ich gerne dabei gewesen!

  4. ich wäre so gern auch dahin gekommen.
    aber super bericht! danke dafür!

  5. Mr. Rail

    Das Buch liegt bereit – es schreit mich gerade an und drängelt sich ganz kräftig vor. Ach tun mir die anderen Bücher leid;-)) Toller Lesungsbericht!

  6. Sonja

    danke, toller bericht!!!

  7. Liebe Nina,

    klasse Bericht – und wenn ich mir mein Foto so angucke: Die Engel hatten mich wohl in der Mangel …

  8. Binea

    Super Bericht und seit Samstag bin ich ja schon sehr neugierig und laut Aussagen einer ganz lieben Userin, ist das Buch schon im gelben Kasten und wird dann rot vor mir auftauchen.

    Du machst mich weiterhin gespannt und gibst schon mal gute Starthinweise ;o)

    Danke – Bini

  9. NiliBine70

    Schade, dass ich nicht hin konnte. Das Buch ist der Hammer und ich glaube, in der Kirche etwas davon noch mal zu hören, wär absolut klasse gewesen!!!

  10. [...] seiner Website http://www.izquierdo.de. Meinen Bericht über die Premierenlesung zu Apocalypsia könnt Ihr >> an dieser Stelle << [...]

  11. [...] Leser-Autor-Beziehung erhält! Darüber hinaus hat LB-Blog-Autorin Nina einen atmosphärischen Lesungsbericht einer besonderen Veranstaltung in Köln [...]

  12. [...] seiner Website http://www.izquierdo.de. Meinen Bericht über die Premierenlesung zu Apocalypsia könnt Ihr >> an dieser Stelle << nachlesen. Außerdem gibt es >> hier << sehr gelungenes [...]

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