Jack Taylor und ich

Jack Taylor und ich begegneten uns erstmals an einem Sonntagabend. Ich saß auf dem Sofa und schaute „Druckfrisch“. Dennis Scheck interviewte Harry Rowohlt, den ich wegen seiner vielseitigen Verdienste um Pu den Bären (den Milne- nicht den Disney-Bären) sehr schätze. Rowohlt erzählte von seiner letzten Arbeit, eine Übersetzung des Kriminalromans „The Guards“ (dt. „Jack Taylor fliegt raus“) von Ken Bruen. Krimis und Harry Rowohlt – da trafen für mich zwei Vorlieben aufeinander, also kaufte ich das Buch und las es im letzten Urlaub.

Ken Bruen (c) Andrew Downes

Seither mag ich Jack Taylor, jenen versoffenen Ex-Polizisten, der eigentlich nur im ersten Teil der Reihe noch Interesse an der Aufklärung des Falles und der Wahrheit zeigt. Aber vermutlich auch nur, weil er sich in die Mutter eines 16-jährigen toten Mädchens verliebt hat und in ihrem Auftrag beweisen soll, dass ihr Kind keinen Selbstmord begangen hat. Ich schätze die literarischen Anspielungen, die listenartigen Aufzählungen, das wortkarge, schnörkellose und ungewöhnliche Erzählen Ken Bruens. Und das Selbstzerstörerische an Jack Taylor. Der zweite Teil war – gemessen an seinem Vorgänger – eine kleine Enttäuschung, hier erschien mir vieles zu aufgesetzt und bemüht, lediglich das letzte Aufbäumen am Ende des Romans machte mir Hoffnung auf einen starken dritten Band.

Heute erscheint dieser dritte Teil der Reihe im Buchhandel, aber der Atrium-Verlag hat mir vorab ein Rezensionsexemplar von „Jack Taylor fährt zur Hölle“ für einen Artikel über nicht ganz normale Krimihelden zur Verfügung gestellt, der in dem Frauenmagazin ava erschienen ist. Und für mich ist der dritte Teil der bisher beste der Reihe: Ken Bruen reduziert den Kriminalfall auf das Nötigste und entwirft stattdessen das düstere Psychogramm seines Anti-Helden, der nun nicht nur alkohol- und drogenabhängig, sondern auch suizidgefährdet ist. Jack Taylor ist noch kaputter, noch wortkarger und wird eigentlich nur noch von seiner Liebe zur Literatur am Leben gehalten. Deutlich tritt zutage, dass Jack Taylor einer der Verlierer des irischen Aufschwungs ist, er wird in der fortschrittsorientierten Gesellschaft zunehmend an den Rand gedrängt und richtet sich dort allmählich ein.

Beim Lesen fragte ich mich allerdings mehrfach, wie RTL diese Romane verfilmen will. Für das britische und irische Fernsehen wurde bereits ein Pilotfilm gedreht, weitere Folgen sind in Produktion. Auf das Ergebnis bin ich mehr als gespannt. Solange wir hier aber noch warten müssen, kann ich jedem Freund von trockenem und leicht bösem Humor sowie hard-boiled Krimis die Jack-Taylor-Buchreihe nur ans Herz legen!

5 Kommentare

  1. sonjastevens

    Ich habe damals “Jack Taylor fliegt raus”, auch von Harry Rowolth übersetzt, gelesen und fand die Übersetztung einfach total schlecht. Wenn ich den Nachfolgeroman lese, dann definitv nur in Englisch. Deutsch tue ich mir nicht nochmal an.

  2. Krimimimi
    Krimimimi

    Ich liebe diese Reihe auch, höre mir sie aber im Original an und finde die bei audible.de hervorragend gelesen. So gesehen bin ich ja froh, daß der Sommer nun vorbei ist – diese Krimis haben ja doch eine eher düstere Stimmung und das paßt für mich besser in den Herbst. Dann lad ich mir jetzt auch mal den 3. Teil runter :)

  3. Efeu

    Mir hat “The Killing of the Tinkers” wesentlich besser gefallen als der erste Teil “The Guards”. Verfilmungen konnte ich mir zuerst auch nicht vorstellen, aber Iain Glen – wow!

  4. Attention Ray CopsonI just read the altcire on Bruen. Nice write-up. My interest it this:Bruen’s brother John F, (a Major in the Civil war) was my G Grandfather.I have much of his genealogy, but do not know about any of his children.Thank you,Jack Cooley Clifford

  5. BwOoAy aaomlujhabpp

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