Mit Romanverfilmungen ist das ja so eine Sache. Oft ist die Story abgewandelt, Szenen, auf deren visuelle Umsetzung man sich besonders gefreut hat, fehlen und die Figuren hat man sich meist auch anders vorgestellt.
Noch nie ist es mir allerdings passiert, dass sich die Person auf dem Bildschirm so gar nicht mit dem in Einklang bringen ließ, was ich von ihrer Buchvorlage in Erinnerung hatte – und dass ich trotzdem voller Begeisterung für den Film bin. Die Rede ist von Sherlock Holmes, einem meiner (Kindheits)Helden.
In frühen Jahren war Detektivspielen an der Tagesordnung. Ausgestattet mit Superlupe und Fingerabdruckpulver aus dem Micky-Maus-Heft sowie Hut und Pfeife vom Opa ging es auf Verbrecherjagd noch bevor mir die Bücher von Sir Arthur Conan Doyle und der Mann aus der Baker Street 221b überhaupt ein Begriff waren.
Als mir später dann in der Schulbibliothek die Geschichten in die Hände fielen, waren schlaflose Nächte garantiert. Genau so hatte ich mir die perfekten Krimis vorgestellt: Ein cleverer Held mit unfehlbarer Spürnase und treuem Begleiter. Nebel, Kopfsteinpflaster und mysteriöse Fälle.
Mein Bild vom Sherlock war klassisch: ein ruhiger mittelalter, großer und schlanker Mann mit Hakennase. Karomütze und Mantel, glänzende Schuhe, Pfeife. Watson hingegen stellte ich mir dicklich vor, für den Sherlock zwar unersetzlich, aber doch eher unauffällig und eben nicht ganz so genial. Dieses Bild blieb.
Entsprechend überrascht war ich, als mir in der neuesten Verfilmung von Guy Ritchie mit Robert Downey Jr. als Holmes und Jude Law als Watson etwas völlig anderes präsentiert wurde: Ein actiongeladener, rasanter Film mit einem Sherlock, der ganz offensichtlich ein Drogenproblem hat und an blutigen Boxkämpfen teilnimmt. Und einem Watson, der nicht nur ungemein attraktiv ist, sondern seinem Mitstreiter ordentlich Parolie bietet und sich sogar aus dem Geschäft verabschieden möchte, weil er zu heiraten gedenkt.
Ein großartiger Film, ja. Spannend, düster, amüsant, genial gespielt von allen Akteuren. Am liebsten hätte ich gleich im Anschluss noch drei Fortsetzungen gesehen. Aber: Hatte der Regisseur die Bücher nicht gelesen?
Doch, hatte er. Und das offensichtlich deutlich aufmerksamer als ich damals vor beinahe zwanzig Jahren. Vermutlich war ich aber auch einfach noch zu jung um herauszulesen, dass Holmes verschiedenen Drogen tatsächlich nicht abgeneigt und nicht ganz der tadellose, englische Gentleman ist, den ich mir vorstellte. Auch Watson wird – so teilt man dem Zuschauer in den Specials auf der DVD mit – bereits in den Büchern als athletischer Mann beschrieben, der auf Holmes’ weibliche Klienten oft attraktiv wirkt und ihm intellektuell keineswegs unterlegen ist.
So so… Dem müssen ich und mein kleiner innerer Detektiv, den ich mir über die Jahre bewahrt habe, natürlich auf den Grund gehen. Zeit für einen ReRead also. Zum Glück stehen die gesammelten Geschichten schon griffbereit im Regal, denn spätestens nach dem in Kürze hier zu lesenden Special zum BBC-Sherlock vom werten Herrn Kollege Bücherplausch wird mein Holmes-Fieber wohl wieder vollends ausgebrochen sein. Wie damals.




[...] Sherlock Holmes im Speziellen. Der war nämlich damals schon einer meiner Helden, wenngleich er auch etwas anders war. Weniger [...]
Sehr interessant der Artikel.
Ich habe den Sherlock Holmes Film gesehen.
Er hat mir gut gefallen.
Auch die Darstellung der beiden Protagonisten…
Welche Buch-Ausgabe hast du?
Ich habe gerade bei amazon gestöbert, aber so ein Gesamtwerk von Holmes gibts gar nicht, oder?
Also irgendwie alle Bücher in einem Format, in einer Serie.
Würde mich mal wirklich interessieren…
Ich habe die englische PPC-Ausgabe »The Adventures of Sherlock Holmes\Die Abenteuer des Sherlock Holmes« mit der ISBN 9780140623352.
Die Serie, die es damals in unser Schulbücherei gab, konnte ich nicht mehr finden. Ich weiß auch nur noch, dass sie schwarz waren und gebunden.
Ich fand den Film ebenfalls klasse und ich freu mich wahnsinnig auf die Fortsetzung.
Ganz meinem Holmes-Bild entsprach er nicht, aber zum einen kannte (und kenne) ich nur einen kleinen Teil der Geschichten, und dass er da nicht ganz so … “wild” rüberkommt, kann ja mal leicht passieren. Ist auch schon länger her, dass ich sie gelesen habe.
(Aber mein Watson-Herz hat der Film ja auch so höher schlagen lassen. -lach-)
Ich will die Bücher auch schon seit Ewigkeiten mal wieder (bzw. zum Großteil endlich) lesen. Ich hab die alten Ausgaben von meinem Vater daheim – Band I, III, IV und V sämtlicher Erzählungen von ’83 – ’85. (Die riechen so gut!)
:3
Wunderbarer Artikel, Nina. Wir können uns da einige Kindheitserinnerungen teilen, die Hobby-Detektiv-Extras aus der Mickey Maus gehörten auch zu meinen Standardutensilien. (Ach, und alles von der Knickerbockerbande, ich hatte wohl damals schon den Hang zu den österreichischen Krimis
). Und mit deiner Aussage, dass Guy Ritchie den Holmes wohl sehr, sehr genau gelesen hat, hast du absolut recht.
Wenn Du mehr zum Holmes sehen willst, kann ich Dir die neue BBC-Trilogie dazu nur empfehlen, die Ende August auf DVD erscheint – ziemlich genial:
http://www.amazon.co.uk/Sherlock-DVD-Benedict-Cumberbatch/dp/B003TO5414/ref=sr_tr_1?ie=UTF8&s=dvd&qid=1282025516&sr=8-1
[...] Kollegin Nina hatte gestern absolut Recht: Aller Rufe zum Trotz war Guy Ritchies Sherlock Holmes mit Robert Downey Jr und Jude Law eine mit Liebe zum Original und zum Detail gespickte, alles andere als bescheidene Verbeugung vor dem größten Detektiv der letzten 150 Jahre. Dennoch wollte sich für einige, die mit Holmes eine ganz besondere Erscheinung in Verbindung brachten, das Leinwandbild nicht so recht mit deren Vorstellung decken. Diese können jetzt getrost aufatmen, jetzt geht Hollywood, jetzt kommen die Leute, die sich mit sowas auskennen, jetzt kommt die BBC! [...]
Schöner Bericht. Man merkt, dass du Semesterferien hast.
Bitte mehr davon.
LG,
Mandy
Wenn man sich das erste und zweite Buch von Conan-Doyle anschaut, dann kommt man doch zu der Erkenntnis, dass diese Verfilmung näher an den Büchern dran ist als jede andere. Naja, fast jede andere. Ich habe vor vielen vielen Jahren mal eine schwarz-weiss-Verfilmung gesehen, die noch ein wenig härter war, leider habe ich nie herausfinden können, welcher Film das genau war
.
Die Kokain- und Morphiumsucht Holmes ist in den Büchern ebenso erwähnt wie das manische Verhalten.
Wer natürlich nur die weichgespülten Fernsehadaptionen kennt, der ist wahrscheinlich wirklich sehr überrascht.
Ich fand die Verfilmung erstaunlich gelungen, um nicht zu sagen war ich sehr angenehm überrascht!
Meine Eltern haben mich Conan-Doyles Bücher übrigens erst in der Pubertät lesen lassen, weil sie der Meinung waren, das sei nichts für ein Kind
ich fand gerade die Nähe zum Original Sherlock in diesem Film grandios. So wollte ich Sherlock Holmes immer sehen in einem Film, ein Mensch mit hellen und dunklen Flecken auf seiner Seele. Und mit soviel Witz und Charme, Robert Downey Jr. ist eine unglaublich gute Wahl für die Besetzung gewesen. Er verleiht der Figur echte tiefe. Ähm.. *g* ja ich bin begeistert von diesem Film. Ich hab C.Doyles Bücher schon als Jugendliche verschlungen und bin jetzt total froh neue Werke über Sherlock gefunden zu haben, die dem Original in nichts nachstehen.
[...] wenn er von Robert Downey Jr. gespielt wird und ihm Jude Law dabei zur Seite steht) hatte ich u.a. hier ja schon mal erzählt. Deswegen freue ich mich jetzt schon tierisch auf den Filmstart am 22. [...]