40 Jahre Stroemfeld Verlag

Ein kleiner, aber feiner Verlag feiert Jubiläum und niemand geringeres als die Nationalbibliothek in Frankfurt präsentiert eine Ausstellung zur Verlagsgeschichte.

Stroemfeld Verleger KD Wolff bedankt sich

Gestern Abend wurde sie eröffnet und das konnte ich mir doch nicht entgehen lassen!

Oft sind solche Veranstaltungen gähnend langweilig…irgendwelche Leute schwingen ausschweifende Reden und danken den letzten 5 Generationen samt Nachbarn ;) Das war heute zum Glück ganz anders! Da haben 7 Wegbegleiter ihre unterschiedliche Sicht auf die Verlagsentwicklung beschrieben….und natürlich auf den Verleger: KD Wolff.

So hab ich heute z.B. gelernt, daß der ideale Verleger Intelligenz, Lethargie und Aufmüpfigkeit in seiner Persönlichkeit kombinieren muß – und natürlich wird genau dies dem Verleger nachgesagt. Ausschlaggebend dafür, 40 Jahre im Geschäft zu bleiben, sei dann allerdings noch eine gehörige Portion Courage und offensichtlich hat der gute Herr Wolff sich regelmäßig mit allerlei Leuten angelegt, um z.B. Freigaben zu erhalten und hat dafür auch die Presse geschickt genutzt…ein Fuchs also ;)

Mich haben aber besonders die Anekdoten über seine Verlegerleidenschaft beeindruckt. Der Autor Klaus Theweleit beschrieb anschaulich, mit welcher Detailgenauigkeit seine Bücher beim Stroemfeld Verlag produziert werden. Dafür zieht er auch schon mal 2 Wochen lang beim Verlag ein und dann wird Tag und Nacht an der perfekten Gestaltung gebastelt. Wie anders sei doch das Vorgehen bei größeren Verlagen, wo man ein Manuskript hinschickt, dann einen Termin zugeteilt bekommt und bei Gestaltungswünschen meist hört “geht nicht”.

Super amüsant fand ich, wie Roland Reuß von der Abgabe eines Artikels berichtete. Er wollte den Verlag davon überzeugen, Kleist herauszugeben. An seiner Argumentation saß er 2 Wochen lang, hat dann die 60 Seiten auf einem Nadeldrucker ausgedruckt und wollte, daß der Verlag dies unbedingt liest. Allerdings hatte er Sorge, daß Ausdruck und Diskette im unordentlichen Verlagsbüro einfach verschwinden würden, wenn er sie mit der Post schickt. Also ist er von Heidelberg nach Frankfurt gefahren, um den Text persönlich abzugeben. Der Verleger war leider nicht anwesend und Reuß wollte die Unterlagen nicht einfach auf irgendeinen der Stapel ablegen. Also begann er, den Verlangsangestellten seinen Artikel einfach vorzulesen. Nach 40 Seiten (!) kam dann KD Wolff, hörte interessiert zu und bat Reuß danach, den Artikel nochmal von vorne zu lesen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen mußte der gute Herr Reuß den Artikel dann tatsächlich noch ein 3. Mal komplett lesen, diesmal wurde er für die Verlagskollegen in Basel auf Tonband aufgenommen. Nach einigen Diskussionen war der arme Mann dann nachts um halb 1 wieder in Heidelberg im Bett. Aber es hatte sich gelohnt: Jeder Verlagsmitarbeiter war überzeugt, unbedingt eine Kleist-Ausgabe zu produzieren und so ist es dann auch geschehen. Das nenn ich echte Leidenschaft!

Eine Ausstellung wie eine Buchhandlung

Authentische Oktavhefte Kafka's

Verlagsprogramme aus 40 Jahren zum Stöbern

... und hübsch sind die Bücher auch noch :)

Besonders schön fand ich dann, daß diese Leidenschaft in der Ausstellung wiederzufinden ist. Der Verlag hat sämtliche Archive durchstöbert, um so viele Exemplare wie möglich zur Ausstellung beizusteuern. In all diesen Büchern können die Besucher nach Herzenslust stöbern. Eigentlich ist die Ausstellung fast aufgebaut wie eine Buchhandlung: Thematisch sortiert und oft sehen die Bändchen auch noch richtig hübsch aus.

Sowohl die Eröffnung als auch der Besuch der Ausstellung hat richtig Spaß gemacht und jeder, der es bis zum 4. 09. mal nach Frankfurt schafft, sollte einen Besuch einplanen. Es lohnt sich.

1 Kommentar

  1. ….ja, ich wieder nicht dabei.
    Aber Arbeit geht vor…

    Aber ich schaue es mir morgen mal an.

    Schöner Beitrag

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