“Mörder mit Putzfimmel”! Debüt-Thriller “Die Reinheit des Todes” von Vincent Kliesch schafft es bis ganz nach oben!

Vincent Kliesch - Comedian und Thrillerautor

Vor ein paar Wochen las ich den Debüt-Thriller Die Reinheit des Todes von Vincent Kliesch. Ich freue mich sehr, dass der Autor einem Interview zugestimmt habt, in welchem Ihr so einiges über ihn und seine Schreibgewohnheiten erfahrt:

Lieber Vincent, das, was mich am meisten interessiert, ist die Frage nach dem WANN. Wann hast du mit dem Schreiben begonnen oder gemerkt “Hey, das ist was für mich“?

Ich weiß jedenfalls noch, dass ich mit neun Jahren einen Wettbewerb der Stadtbücherei gewonnen habe, bei dem Kinder eine Geschichte mit dem Anfang „Als ich gestern in den Keller ging …“ erfinden sollten.

Auf Klassenfahrten in der Grundschule habe ich später auch immer tagsüber Gruselgeschichten geschrieben, die ich dann den anderen vor dem Schlafengehen vorgelesen habe. Außerdem habe ich mich als einziger in der Klasse immer gefreut, wenn wir Aufsätze schreiben mussten.

Mit fünfzehn wollte ich dann lange Zeit unbedingt Schriftsteller werden und habe peinliche Texte an Verlage geschickt. Zum Glück hat das nie jemand gedruckt …

Ja, und 2008 war dann die Zeit reif.

Das Schreiben hat also immer irgendwie in mir gesteckt, es hat nur etwas gedauert, bis es endlich raus kam.

Hauptberuflich bist du als Moderator im Filmpark Babelsberg und als Comedian tätig. Wie lässt sich auf der anderen Seite das Schreiben von Thrillern damit vereinbaren?

Der Thriller liegt der Comedy keineswegs fern. In beiden Fächern baut man Spannung auf und bringt das Publikum dazu, wissen zu wollen, worauf die Geschichte hinausläuft. Und in beiden Fächern ist der Zuschauer über die Auflösung am Ende überrascht. Nur, dass er über die Auflösung in der Comedy lacht, während ihn die des Thrillers erschreckt oder sogar gruselt.

Wie bist du auf die Idee zu deinem Erstling “Die Reinheit des Todes” gekommen?

Ich habe früher als Restaurantfachmann in der Gastronomie gearbeitet. An einem besonders stressigen Abend habe ich eher salopp zu zwei Kolleginnen gesagt: „Ich schreibe mal ein Buch über einen Kellner, der seine schlimmsten Gäste ermordet!“.

Von da an haben mich die beiden dann immer wieder gefragt, wann ich das Buch denn nun schreibe, und mich selber hat die Idee auch nicht mehr los gelassen. Einige Monate später habe ich dann wirklich damit begonnen.

Und wie hast du es dann geschafft, das Ganze bei einem renommierten Verlag unterzubekommen?

Indem ich mir ein Jahr lang den Kopf darüber zerbrochen habe, wie ich ein Buch schreiben kann, das andere Menschen gern lesen möchten. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie ich meine Geschichte so konzipieren kann, dass sie möglichst viele Menschen interessant finden werden. Ich habe jedes Kapitel wieder und wieder überarbeitet, Dialoge umgeschrieben und die Handlung immer wieder umgestellt, wenn mir eine bessere Idee gekommen ist. Ich habe viel Liebe in die Figuren gesteckt und an den Szenen, in denen ich sie habe auftreten lassen, monatelang gefeilt.

Danach ging es dann eigentlich ganz leicht. Ich habe das Manuskript einigen Literaturagenten angeboten, kurz darauf kam das Vertragsangebot meiner jetzigen Agentur. Die hat das Buch dann den elf größten Publikumsverlagen vorgelegt, von denen Blanvalet es schon nach drei Tagen haben wollte.

Jedem angehenden Autor würde ich immer sagen, dass es nicht so sehr auf das Vorgehen beim Anbieten ankommt, sondern viel mehr auf das beim Schreiben. Gute Bücher werden immer einen Verlag finden.

Ich habe gelesen, dass du bereits an einem weiteren “Julius-Kern”-Fall schreibst. Wann dürfen deine Leser mit ihm rechnen und darfst du schon grob erzählen, worum es gehen wird?

Der neue Fall von Julius Kern wird etwa ein Jahr nach dem ersten bei blanvalet erscheinen, voraussichtlich im Sommer 2011.

Zu viel will ich natürlich noch nicht verraten, aber es wird wieder einen Serienmörder geben, der in Berlin zuschlägt. Kern wird es auch dieses Mal nicht leicht haben, weder mit dem Fall, noch mit seinem privaten Umfeld. Und dass ein gewisser Tassilo auftauchen wird dürfte wohl auch keine große Überraschung sein.

Jedenfalls gibt es wieder ein Ensemble ausgefallener Charaktere, Liebe, Hass und Tod, alte Bekannte und neue Gesichter. Und einen Serienmörder, mit dem man es nicht zu tun bekommen möchte …

In sehr kurzer Zeit bist du in den Amazonrängen nach ganz weit oben katapultiert und auch ansonsten wird dein Buch sehr gut verkauft. Wie gehst du mit diesem plötzlichen Erfolg um?

Natürlich freue ich mich wahnsinnig darüber, dass gleich mein erster Thriller so gut startet. Andererseits sehe ich darin aber auch eine Verantwortung. Ich möchte schließlich nicht, dass die vielen Leser, die mein erstes Buch so gern gelesen haben, beim Zweiten enttäuscht sind.

Natürlich bedeutet so ein schneller Einstieg in die Top 10 von amazon aber auch die Möglichkeit, mit meinem Verlag über neue Perspektiven sprechen zu können, die es mir auch in Zukunft ermöglichen, den Lesern meine Geschichten zu erzählen.

Dein Buch wird auf vielen Internetseiten von Lesern besprochen und rezensiert. Wie ist es für Dich als Autor, mitzuerleben, was die Leser über Deine Geschichte denken?

Das ist total spannend. Ich wusste ja selbst von Anfang an, wie alles ausgeht. Jetzt zu sehen, wie die Leser das Geschehen verfolgen und auch, auf welche falschen Fährten sie dabei kommen, macht total viel Spaß.

Mich wundert allerdings total, dass fast jeder Rezensent anmerkt, dass „der Mörder sehr früh feststeht“.

In einem Thriller geht es ja schließlich nicht, wie bei einem Krimi, um die Frage „Wer war es?“, sondern darum, zu beobachten, wie sich Jäger und Gejagter aufeinander zu bewegen. Zu erleben, wer sie sind und wie sie handeln. Meine Mörder bekommen sehr viel Aufmerksamkeit von mir, denn ich möchte, dass der Leser nachvollziehen kann, warum sie so furchtbare Dinge tun. Wie sollte ich das machen, wenn der Leser gar nicht wissen dürfte, wer der Mörder ist?

Schließlich ist ja auch noch nie jemand aus dem Kino gekommen und hat sich darüber beschwert, dass man „von Anfang an weiß, dass Darth Vader der Böse ist“ …

Zu welcher Tageszeit schreibst du am liebsten und vor allem WO schreibst du am liebsten?

Immer spät nachts, ich bin nämlich wahnsinnig leicht abzulenken. Ein Radio, das in der Nachbarwohnung läuft, macht es mir schon unmöglich, zu schreiben. Deswegen beginne ich gegen 1 Uhr und schreibe dann bis 4 oder 5 Uhr. Das geht natürlich nur in den Monaten, in denen der Filmpark Babelsberg, in dem ich sonst fast täglich die Shows moderiere, Winterpause macht.

Den größten Teil eines Buches schreibe ich an meinem Schreibtisch im Arbeitszimmer. Aber die Teile, die an realen Orten spielen, überarbeite ich später noch mit meinem Laptop direkt am Ort des Geschehens.

Wird es Lesungen von dir geben? Wenn ja, würde ich mich freuen, wenn du uns ein paar Termine nennen könntest.

Ich bin im Moment zeitlich sehr stark im Filmpark eingespannt, so dass es voraussichtlich erst gegen Ende des Jahres Lesungen geben wird. Wer mich dann gern mal live erleben möchte, kann sich auf meiner Website www.vincent-kliesch.de für den Newsletter anmelden. Dann bekommt er die Termine zugeschickt, sobald sie feststehen.

Liest du selber gerne? Wenn ja, wer gehört zu deinen Lieblingsautoren und gibt es literarische Vorbilder?

Ich habe die Bücher von Thomas Harris sehr gern gelesen. Bei ihm habe ich mir auch „abgeguckt“, wie man seinen Figuren mehr Leben einhaucht und mit welchen oft kleinen Details man sie für den Leser interessanter gestalten kann.

Aber ich lese nicht nur Thriller. Sehr gut gefallen mir auch die Texte von Max Goldt, den ich für einen genialen Beobachter halte.

Welchen “Werbeslogan” würdest du Lesern geben, denen du dein Buch unbedingt empfehlen möchtest?

Wenn Du es nicht liest, bist Du selber schuld ;-)

Vielen Dank für das tolle Interview und weiterhin viel Erfolg mit Julius Kern!

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Und hier meine Meinung zum Debüt von Vincent Kliesch:

Julius Kern – ein Name den der Liebhaber von spannenden Thrillern sich unbedingt merken sollte. Denn dieser Debütroman von Vincent Kliesch ist der Auftakt zu einer ganzen Serie von Kriminalfällen, die der Beamte aufklären muss.

In diesem Fall beschäftigt Kern sich mit der Suche nach dem sogenannten ‘Putzteufel’. Ein Serienmörder, der in Berlin sein Unwesen treibt. Ungewöhnlich für seine Taten ist die Tatsache, dass er nach den Morden die Wohnungen der Opfer blitzblank putzt. Und zwar so gewissenhaft, dass ich anhand der Beschreibungen als Leserin den Reiz verspürte, selber den Putzlappen zu schwingen. Wahrscheinlich spielten unterschwellige Botschaften in diesem Thriller eine große Rolle.

Kern befasst sich mit dem Fall und das, obwohl er an einer Sache, die bereits einige Jahre zurückliegt, immer noch sehr zu knabbern hat. Denn neben seiner gescheiterten Ehe lässt auch ein Kriminalfall, den er Jahre zuvor gelöst hat, ihn nicht zur Ruhe kommen. Doch nach und nach lüften sich immer mehr verworrene und scheinbar unlösbare Geheimnisse und es scheint so, als würde der Putzteufel doch einige Spuren hinterlassen, die das LKA vielleicht bei den ersten Untersuchungen übersehen hat.

Der Debüt-Thriller von Vincent Kliesch stürmte mit Leichtigkeit die Bestsellerlisten

Die Geschichte besteht aus drei Erzählperspektiven, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte, da sonst die Gefahr bestünde, zuviel von der Story vorwegzunehmen. Doch eines sei sicher: Am Ende fügen sich alle Ungereimtheiten zu einer großen Klarheit zusammen und ich bin mir sicher, dass kein Leser auf diese Auflösung kommen wird. Zumindest habe ich selber nicht mit diesem Ende gerechnet.

Leser, die sich über den Titel meiner Rezension wundern sei gesagt, dass auch die Musik von Chopin in diesem Roman eine nicht unbeachtliche Rolle spielt. Und obwohl ich nicht so besonders auf diese Art der Musik stehe, läuft während des Schreibens dieser Rezension die Chopin Nocturne in G-Moll auf meinem PC …

Was den Thriller besonders auszeichnet, sind kurze, prägnante Kapitel. Das Buch hat knapp 320 Seiten und beinhaltet 65 Kapitel, die am Ende so pageturnig sind, dass es schier unmöglich erscheint, das Buch aus der Hand zu legen. Auch der Gedanke ‘nur noch dieses eine Kapitel und dann mach ich erstmal Pause’, verabschiedete sich schnell aus meinem Gehirn, denn ich wollte wissen, wie es weitergeht.

Da ich mich als ziemlich hartgesottenen Thriller-Fan sehe, war ich äußerst positiv überrascht, in diesem Buch ekelige Situationen lesen zu dürfen, auf die ich in meiner Phantasie nie gekommen wäre. Da meint man, man hätte schon all die blutrünstigen Geschehnisse irgendwann mal gelesen und dann kommt so ein Vincent Kliesch daher, der mich eines Besseren belehrt und mir die Gänsehaut bietet, die ich bei einem guten Thriller erwarte.

Für mich (bisher) DAS Thriller-Debüt 2010. Ich freue mich immer sehr, wenn gerade deutsche Thriller-Autoren es schaffen, sich in mein (lesetechnisch gesehenes) kriminalistisches Herz schreiben.

Wer die Bücher von Sebastian Fitzek, Wulf Dorn und auch Andreas Franz ebenso liebt wie eine gute Portion Spannung und Thrill und diese mit der Lese-Sportart des ‘Page-Turnen’ vermischt um sich auf ein ganz besonderes Thriller-Menü einzulassen, wird an diesem Roman nicht vorbeigehen können. Grandios ist zudem die Tatsache, dass der Autor bereits am nächsten Kern-Fall arbeitet. Auf den ich mich schon jetzt sehr freue!

Chapeau!

4 Kommentare

  1. …wieder mal ein toller Beitrag liebe Kossi.

  2. NiliBine70

    Liebe Kossi!
    Ich hatte mich ja schon an anderer Stelle begeistert geäußert (zur Vorstellung des Buches) und hier auch noch mal:

    Ein klasse Interview und ich kanns immer weniger erwarten, das Buch endlich zu kriegen *gg*

  3. Tolles Interview – und ab mit dem Buch auf die Wunschliste!!

  4. Nina

    Ein tolles Interview und vor allem ein wirklich wirklich guter Thriller! Ich hab das Buch an einem Tag verschlungen und es danach an F. weitergegeben, der es ebenfalls nach einem Tag durch hatte.
    Wir freuen uns daher beide schon sehr auf den nächsten Fall von Julius Kern und besonders auf einen weiteren Auftritt von Tassilo. ;)

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