Ente und Tod. Ein Buch auf der Bühne

Schon länger hatte die Ente so ein Gefühl.

Ente, Tod und Tulpe

»Wer bist du und was schleichst du hinter mir her?«
»Schön, dass du mich endlich bemerkst«, sagte der Tod. »Ich bin der Tod.«
Die Ente erschrak. Das konnte man ihr nicht übel nehmen.
»Und jetzt kommst du mich holen?«
»Ich bin schon in deiner Nähe, so lange du lebst – nur für den Fall.«
»Für den Fall?« fragte die Ente.
»Na, falls dir etwas zustößt. Ein schlimmer Schnupfen, ein Unfall, man weiß nie.«

So lernen sich die Ente und der Tod in dem 32 Seiten starken Bilderbuch von Wolf Erlbruch, der vielen durch einen gewissen Maulwurf ein Begriff sein dürfte, also kennen.
Doch während der kleine Maulwurf nur in Erfahrung bringen möchte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat, geht die Ente essentielleren Fragen auf den Grund und muss am Ende – das ist keine Überraschung – die letzte aller möglichen Erfahrungen machen.

Feine Zeichnungen, kurze, pointierte Sätze und humorvolle Dialoge zwischen den beiden Protagonisten sollen Kindern ab vier Jahren ganz unbefangen näher bringen, dass der Tod zum Leben dazu gehört und dass dieser »wenn man davon absieht, was er wirklich ist, eigentlich gar kein schlimmer Kerl ist«.

Dank einer Produktion von Martina Couturier kann man die Geschichte von Ente und Tod auch live und in Farbe erleben – ausnahmsweise mal nicht auf der Mattscheibe, sondern auf der Theaterbühne.

Ente und Tod auf der Bühne

Das knapp 45-minütige Stück zeigt mit einfachen stilistischen Mitteln, wie Ente (eine Puppe am Arm des Schauspielers Heiki Ikkola) und Tod (mal gespielt von Martina Couturier, mal als Puppe auftretend) sich anfreunden. Sie gehen gemeinsam gründeln, was der Tod gar nicht mag, wärmen sich gegenseitig und beobachten den Teich von einem Baum aus; eine Szene, in der die Ente feststellt, wie ihre Welt ausschauen wird, wenn sie nicht mehr da ist.
Und tatsächlich kommt das Ende immer näher. Mithilfe eines Dia-Projektors sieht die Ente ihr Leben noch ein letztes Mal an sich vorbeiziehen und es wird klar, sie hatte ein erfülltes Leben. Ein schöner Trost.

Als der Tod sie dann – wunderbar musikalisch begleitet von Marie Elsa Drelon – dem Fluss übergibt, ist selbst er ein wenig betrübt und der erwachsene Zuschauer ganz ergriffen. Die jüngeren Zuschauer allerdings bleiben teilweise etwas ratlos zurück, denn die Inszenierung, die eine gewisse Fähigkeit zum abstrakten Denken voraussetzt, ist sicher nicht leicht zu verstehen und kann allzu junge Theatergänger schnell überfordern. Auch die in Beatles-Songs versteckte Anspielung an die Vergänglichkeit geht an den Kindern vorbei, denn diese amüsieren sich nur über die singende Ente.

Aber das muss ja nicht schlimm sein. Im Gegenteil. In der Saison 2008/2009 hat das Stück sogar den Ikarus-Preis für die herausragendste Theaterinszenierung für Kinder und Jugendliche gewonnen.
Als reine Kinderunterhaltung darf man es – wie auch das Buch – aber ganz sicher nicht verstehen. Vielmehr ist es ein emotionales, feinfühliges Stück für Kinder und ihre Eltern, die am Ende gefordert sind, Ansätze, die die Geschichte bietet, in weiteren Gesprächen zu vertiefen. Mit dem Vorteil, dass die Freundschaft von Ente und Tod letzterem eine gehörige Portion Schrecken genommen hat.

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Weitere Infos: Aktuelle Termine | Videomitschnitt

8 Kommentare

  1. Mr. Rail

    Eine ungewöhnliche Freundschaft – danke für den Tipp. Das klingt mehr als interessant. Ins Theater zu weit – aber es gibt ja Bücher;-))

  2. [...] Nachzulesen im Lovelybooks-Blog. [...]

  3. Solche Beiträge liebe ich.
    Genau wie diese kleinen Bücher, die auf wenigen Seiten so viel rüberbringen.
    Ich habe davon einige zu Hause, die ich mir (als Erwachsene) sehr oft anschaue.

    Das Theaterstück wäre eine Reise wert…, wo läuft denn das Stück?

    Liebe Grüße
    Karin

  4. Nina

    Die aktuellen Spieltermine habe ich der Einfachheit halber verlinkt, da es für eine Auflistung hier zu viele wären. Das Trio ist ja auch international unterwegs. U.a. wird es aber Vorstellungen geben in Berlin, Zürich, Wien, München und Braunschweig, um nur mal ein paar zu nennen. Alles weitere entnehmt bitte der verlinkten Seite.
    Und vielleicht habt ihr ja auch Lust, euch vorher mal den Videomitschnitt anzusehen – um einen Eindruck davon zu bekommen, was euch erwartet.

    Ansonsten kann ich das Buch natürlich ebenfalls wärmstens empfehlen. :)

  5. Leider kein Termin in meiner Nähe…
    Das Buch ist wunderschön :)

  6. Buecherkinder

    Ein ganz wunderbares Buch!

  7. Danke Nina für die aktuellen Termine. Leider wieder nix in Frankfurt.
    @ Rail, da gibt es doch im November was in München…

  8. Das Buch ist wirklich wunderschön. Und eine wunderbare Möglichkeit, um Kinder mit dem Tod vertraut zu machen und ihnen die Angst davor zu nehmen.

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