Das Literaturfestival literaTurm 2010 ist in vollem Gange und ich habe heute Terézia Mora zugehört, wie sie aus ihrem aktuellen Roman “Der einzige Mann auf dem Kontinent” gelesen hat. Wer sie noch nicht kennt: Terézia Mora ist Ungarin, gelernte Drehbuchautorin und seit 1998 Schriftstellerin. Ihr erster Roman “Alle Tage” ist 2004 erschienen, der direkt den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten hat. Überhaupt hat Terézia Mora eine Menge Preise erhalten für ihre schriftstellerische Arbeit. Im Internet habe ich 11 gefunden, davon schon wieder 2 allein in diesem Jahr.
Mora erzählt, daß die Hauptprotagonisten beider Romane bereits in ihrem Kopf seit 1998 existieren. Sowohl Abel Nema aus “Alle Tage” wie auch Darius Kopp, der allerdings gute 10 Jahre warten mußte, bis er “verarbeitet” wurde. Witzig fand ich, daß der Darius sich in dieser Zeit verändert hat von einem dünnen, nervösen Mann zu einem beleibten, ruhigen, optimistischen Exemplar. Darius arbeitet in der IT-Brance und ist sozusagen verwachsen mit seinen Anzügen und seinem Handy. 2008 hat Mora die Handlung konzipiert, hat sich eine Woche ausgesucht, in der der Roman spielen soll, in der Woche wollte sie alle Nachrichten mitschreiben, um den Internetjunkie Darius in ein authentisches Umfeld zu pflanzen. Die ausgesuchte Woche kam … und genau dann brach die Lehman Brothers Bank zusammen. Die Nachrichten in dieser Woche waren so dramatisch und akut, daß sie ihre Romankonzept sogar noch überarbeitet hat. So kann es kommen …
Mora erzählt in diesem Roman pro Kapitel einen Tag im Leben des IT-Fachmanns Darius. Von seiner Ehe mit Flora, aber hauptsächlich von seiner Arbeit bei dieser amerikanischen Firma, für die er eben als der einzige Mitarbeiter in Europa. Sie sagte heute im Gespräch, daß sie mit dieser Geschichte aufzeigen will, auf welchem hohen Niveau wir leben und wie gefährlich schnell das zu verlieren ist, daß die Arbeit einfach weiterziehen kann, während wir stehen bleiben und daß heutzutage jeder ein Held ist, der durch Arbeit für sein Leben sorgen kann.
Hauptstudienobjekt für das Leben in der IT-Branche war dabei Mora’s Mann, der IT-Ingenieur ist. Ab und zu lädt dieser Freunde nach Hause ein, die natürlich auch alle IT-Ingenieure sind
Terézia Mora fühlt sich dann wie ein Fremdkörper bei sich zu Hause. Sie versteht kaum die Hälfte dessen, was die Männer sprechen. Weil sie aber schon so lange dabei ist, behandelten die Herren sie “wie ein Möbelstück”. Sie nutzt das, indem sie ein Aufnahmegerät auf den Tisch legt und die Gespräche mitschneidet (natürlich mit Einverständnis der Männer). So geschehen an einem Abend, als ihr Mann und dessen Freunde es sich in der schwarzen Ledergarnitur bequem gemacht hatten mit einem Spanferkel auf dem marmornen Couchtisch und einen deftigen Männerabend zelebrierten. Mit den Aufnahmen dieses Abends hat sie sich intensiv beschäftigt, sie von ursprünglich 20 auf 5 Seiten reduziert und in den Roman eingearbeitet.
Als der Moderator Mora fragte, warum ihre Protagonisten bisher alle Männer seien, hat sie geantwortet “Ich interessiere ich für Männer”. Bei dieser akribischen Recherche nehme ich ihr das sofort ab



Ich denke, das hättest Du nicht tun sollen – wirklich nicht. Das Buch lag weit unten im Stapel der ungelesenen Kostbarkeiten. Und was machst Du – aufs Katapult damit und ganz nach oben. Nein das hättest Du nicht tun sollen. Aber danke dafür;-)) Ein sympathischer Artikel.
Hallo Mimi, ein spannender Artikel… mit der Begründung “ich interessiere mich für Männer” sollte ich vielleicht auch anfangen zu schreiben! LG