Gestern hat es stattgefunden, das erste Buchcamp Deutschlands. Veranstaltet wurde es vom Forum Zukunft des Börsenverein des Deutschen Buchhandels, in Kooperation mit dem Mediencampus Frankfurt, der einigen vielleicht noch unter seinem früheren Namen „Die Schulen des Deutschen Buchhandels“ bekannt ist. Das ist ein lauschiger Campus, nordöstlich der Stadt, an dem noch heute Buchhändler in Internatsatmosphäre ein paar Wochen ihrer Ausbildung verbringen. Hier lauschen sie Vorlesungen, kommen in Kontakt mit einigen Verlagen, können sich in schön gestalteten Lounges tummeln und an einem Test-Buchladen das Verkaufen und Schaufenstergestalten üben.
Vor diesem Wochenende kannte ich weder diesen ehrenwerten Ort noch wusste ich, was ein Buchcamp ist. Falls Euch das genauso geht, hier die Erklärung: Ein Buchcamp ist ein Barcamp, das sich mit dem Thema „Buch“ beschäftigt. Und ein Barcamp? Das ist laut wikipedia „eine offene Tagung, denen Ablauf und Inhalte von den Teilnehmern im Tagungsverlauf selber entwickelt werden“. Ja, und genau so war das dann. Samstag morgen haben sich an die 100 Leute in der Mensa zur Eröffnung versammelt und alle Themenvorschläge wurden vorgestellt. Bereits im Vorfeld konnten alle Interessierten Themen online vorschlagen und gestern morgen kamen noch ein paar Ideen dazu, während andere wieder zurückgezogen wurden. Ich hatte vor ein paar Wochen vorgeschlagen, sich mit der „Buchpreisbindung nach dem ebook“ zu befassen und ging irgendwie davon aus, dass das Thema vielleicht auf die Tagesordnung kommt, so sich Experten dazu melden. Umso erstaunter war ich, als ich gebeten wurde, „meine“ session vorzustellen. Ich hätte sie also vorbereiten sollen … wieder was gelernt
Spontan hab ich also kundgetan, dass ich kein Experte auf diesem Gebiet bin, aber jeden zur offenen Diskussion einlade. Und wirklich haben sich ca. 25 Interessierte für dieses Thema gefunden und es landete als eins von 15 auf der Agenda. Jedes der Themen bekam 45min auf dem Tagesplan und einen von 3 Hörsälen zugeordnet und los ging’s.
Meine session startete direkt um 11h und mit viel Freude moderierte ich eine zunehmend angeregte Diskussion über (nicht) existierende Buchpreisbindungen in anderen Ländern, ob diese Bindungen nur für gedruckte Bücher oder auch für ebooks gelten und was genau überhaupt als Buch definiert ist angesichts der zu erwartenden animierten Inhalte. Bei allen Fragen war eines klar: Der Verlag ist bei ebooks genau so gefordert, einen angemessenen Preis für seine Produkte festzulegen, wie bei gedruckten Büchern. Zu lernen, wo dieser sein wird, wird sicher interessant.
Danach ging ich zu „Medienkonvergenz: Was steht am Anfang, was kommt am Ende?“ Hier lernte ich erstmal, wie medienübergreifend einige Themen heute schon auftreten. Z.B. findet sich zu Klaus Teubers „Die Siedler von Catan“ inzwischen neben dem Brettspiel eine website, auf der man online spielen kann und die auch ein Forum für die community anbietet, man kann den Siedlern auf twitter und facebook folgen und natürlich gibt es auch eine App. Nach mehreren so multi-medialen Beispielen durften wir Teilnehmer einander „speed-daten“. Dazu tauschten wir uns 2 min lang mit unserem Gegenüber über unsere Erwartungen zur Zukunft des Buches aus, dann rutschen wir einen Platz weiter und taten das gleiche für 2 min mit einem neuen Gesprächspartner. Mir hat das einen Riesenspaß gemacht . Ich persönlich denke ja, der Buchmarkt wird einfach vielfältiger werden und zumindest in den nächsten Jahren wird das gedruckte Buch weiter existieren. Aber auch hier kamen wir inhaltlich zu der Frage, ob ein mit Bildern animiertes Buch dann eigentlich noch als Buch oder schon als Film zu behandeln ist. Für mich sehr interessant, da ich noch nie darüber nachgedacht hatte, was eine Gesellschaft als Kulturgut behandeln (und schützen und fördern) soll und was sich auf dem Markt frei bewähren muß.
Diese und alle anderen sessions, die im Fischer Hörsaal stattfanden, könnt Ihr übrigens auch nachträglich noch im Stream anschauen.
Für den Nachmittag war ich dann noch in den workshops „1000 Follower in 2 Tagen: Die dunkle Seite des sozialen Web“, „Wie entwickeln sich zukünftig die Märkte“ und „ebook Zukunft schon heute: Erfahrungen mit eBook-Verkauf, Marketing und Potential“. Einen gelungenen inhaltlichen Abschluß fand der Tag bei einer legeren Podiumsdiskussion.
Ich kann hier nicht im Detail von allen sessions berichten, aber ich habe überall Dinge erfahren, die mein Interesse geweckt haben und dabei noch viele nette Leute kennengelernt. Das nächste Buchcamp ist für den 7./8. Mai 2011 geplant und ich bin gerne wieder mit dabei
Falls Ihr Euch noch weiter über das BuchCamp informieren wollt, gibt es hier eine Sammlung aller Artikel, die darüber berichten.




Danke, ein guter Blogbeitrag zum #buchcamp!
Deine Session empfand ich übrigens auch im Rückblick am interessantesten, gerade WEIL Du sie nicht vorbereitet hattest und alle gefordert waren, mitzudenken und sich einzumischen. Ich denke, sie kam der Idee von einem #barcamp am nächsten. Ich weiß nicht wie ich sowas fürs nächste Mal einbringen könnte: Wir sollten vermeiden, dass zu viele Sessions zu frontalen Vorträgen ausarten. Berater und Agenten neigen evtl. dazu
LG b09s
Und du hast auch für mich brav in die Kamera gewunken
Und ich bin verstärkt für Speeddaten. Vielleicht finden ja passende Bücherseelen zusammen. Wer weiß, wer weiß. Merci für den Insider-Bericht, liebe M.
Danke für den Bericht, mal ein guter Einblick in das Buchcamp und für nächstes Jahr kann man sich diesen Termin ja schon mal merken ;o)
Hallo Krimimimi, super Bericht.
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Und endlich mal etwas aus Frankfurt