Das Warten auf den vierten David-Hunter-Fall von Simon Beckett wird den Fans (und den Lesern, die es noch werden möchten) derzeit mit dem dritten älteren Werk des Autors versüßt. Gerade eben erschien VOYEUR, der etwas andere Beckett-Roman.
Bereits nach OBSESSION und FLAMMENBRUT wurden Stimmen laut, dass diese “alten” Bücher “doch ganz anders sind”, als die großen Erfolge mit denen Simon Beckett in Deutschland seinen Durchbruch hatte. Ich spreche hier von DIE CHEMIE DES TODES, KALTE ASCHE und LEICHENBLÄSSE.
Ja, die älteren Werke SIND anders, in meinen Augen aber nicht schlechter. Man darf sie nur nicht miteinander vergleichen, denn heute schreibt Beckett Anthropologie-Thriller “für Hartgesottene”, während seine alten Werke mit mehr psychologischem Thrill gespickt sind. Ich persönlich kann nicht sagen, dass sie schlechter sind als seine heutigen Werke, denn sie bewegen sich eben in einem völlig anderen Genre.
Auf das neue Buch VOYEUR war ich nun ganz besonders gespannt, denn neben der Spannung sollte auch eine gute Prise Erotik eine tragende Rolle in dem Buch spielen. Aus vielen anderen Büchern mit erotischen Sequenzen weiß ich, dass es für einen Autor nicht immer leicht ist, körperliche Begierde so in Worte zu packen, dass sie beim Leser nicht als “penetrant”, “überzogen” oder gar “billig” rüberkommen.
Im Vorwort dieses Buches schreibt Simon Beckett, dass ‘Voyeur’ sein erster veröffentlichter Roman ist, den er zwischen 1991 und 1992 mit der Hand (!) schrieb. Auch dieses Buch bewegt sich nicht im Thrillerbereich und ich bin mir nicht sicher, ob ich es unbedingt dem Krimibereich zuordnen würde.
Meiner Meinung nach gehört es in eine spannende und mitreißende Literaturebene mit einer guten Prise Erotik, die Beckett in jedem Fall sehr gut gelöst und rübergebracht hat.
Der Galerist Donald lebt sehr zurückgezogen und ohne Sex auskommend, denn diesen braucht er nicht zum Leben. Doch findet er es äußerst erregend, anderen Menschen genau dabei zuzuschauen. So passiert es eines Tages, dass er seine junge Assistentin Anna in seiner Galerie heimlich dabei beobachtet, wie sie sich nach ihrem Dienst für ein Date mit ihrem Freund Marty umkleidet. Vor einem Spiegel stehend entblößt sie sich zunächst, um sich dann andere Kleidung anzuziehen.
Von diesem Moment an, wird Anna für Donald zum Objekt seiner obsessiven Begierde. Er möchte Anna für sich, doch stört ihr Freund Marty bei diesem Vorhaben natürlich gewaltig. Um Marty aus dem Weg zu räumen, engagiert er Zeppo, der für Geld alles tun würde und auch über Leichen geht. Dieser soll das Paar auseinanderbringen, indem er mit Anna ein Verhältnis beginnt. Doch leider ist dieser Plan nicht so einfach zu erfüllen, wie er sich vielleicht anfangs anhören mag und so passieren viele Dinge, die nicht vorhersehbar sind. Eines Tages verschwindet Marty tatsächlich und Donald und Zeppo sind nicht ganz unschuldig daran. Als Anna dann die Polizei damit beauftragt, Marty zu finden, geht es Donald und seinem Kompagnon mächtig an den Kragen.
Mich hat dieser Roman von der ersten Seite an gefesselt. Es war zwar etwas ungewöhnlich für mich, Stellen in diesem Buch zu lesen, die (untypisch für Simon Beckett) sehr erotisch bebildert waren, doch hat er es in einer Art und Weise getan, die den Leser mit Sicherheit nicht unberührt lässt. Und obwohl Sex und die Begierde eines Menschen die unterschwellige Hauptrolle in diesem Buch spielt, so kamen diese beiden Bestandteile nie überschwänglich oder penetrant rüber. Auch kam dieser Roman im Gegensatz zu den neueren Beckett-Romanen fast ohne Blutvergießen aus.
Eine sehr spannende, psychologisch gut recherchierte und erotikgeladene

Die ersten drei Teile der David-Hunter-Serie. Simon Beckett schreibt gerade an dem vierten Teil, der voraussichtlich 2011 in Deutschland erscheinen wird.
Geschichte, die man so in dieser Art von Beckett vielleicht nicht erwartet hätte, die mich aber überaus begeistert hat. Es ist schön, dass mir nun insgesamt drei ältere Werke des Autors die Zeit für mich überbrücken konnten, bis ich endlich den vierten David-Hunter-Fall in den Händen halten darf.



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