Buchmesse Leipzig – Interview mit Björn Kern
Freitag 19.03.2010
C.H.Beck – Verlag
„Das erotische Talent meines Vaters“
Nach der ersten Livestream-Lesung aus dem Gartenhaus der LovelyBooks-Redaktion in München am 08.03.2010 hat sich die Erde weiter gedreht. Nicht nur für uns Leser, sondern ganz speziell für den Autor des Buches „Das erotische Talent meines Vaters“, Björn Kern.
Unsere erste Begegnung auf der Buchmesse Leipzig brachte uns am Signierstand vor der Autorenbuchhandlung zusammen. Als sei keine Zeit vergangen konnten wir in der gleichen Atmosphäre, die im Gartenhaus herrschte sofort wieder ins Gespräch einsteigen.
Es war interessant zu beobachten, wie sich die Leser des Buches, auch hier in Leipzig, sowohl auf den Roman als auch auf den sympathischen Autor eingelassen haben.
Der Einladung des Verlages und des Autors folgend trafen wir uns dann am Messestand von C.H. Beck zu einem ausführlichen Blog. LovelyBooks-Interview mit Björn unter der Überschrift:
ZUSTAND NACH LIVESTREAM
Björn, hat die Online-Lesung Deine Sichtweise auf das Literaturforum LovelyBooks beeinflusst?
Auf jeden Fall. Ich habe mehr Verständnis, wie solche Netzwerke entstehen. Im Freundeskreis habe ich früher oft über Facebook diskutiert, mich dann aber immer entschlossen, es nicht zu versuchen. Jetzt habe ich LovelyBooks von Innen angeschaut. Euer Forum ist inzwischen in meine Browser – Favoritenleiste gewandert und ich werfe oft einen – zugegeben neugierigen – Blick auf meine Buchseite um zu schauen wie sich „Das erotische Talent meines Vaters“ in der Community entwickelt.
Hierbei bin ich auf User getroffen, die mir klar gemacht haben, dass es sich nicht um die üblichen „Berufszyniker“ des Feuilletons handelt, sondern um echte Liebhaber. LovelyBooks hat mir gezeigt, dass es eine Vielzahl „echter“ Leser gibt, die aus Liebe zum Buch in diesem Netzwerk aktiv sind – und dies nicht nur in Bezug auf mein Buch. Das war für mich ein klarer Hinweis, dass dieses Medium ein wichtiges Instrument ist, um Informationen zu sammeln oder zu verbreiten und als Autor seine Leser gezielt zu erreichen.
Wie sah Dein Weg seit der München-Lesung bis zur Buchmesse in Leipzig aus?
Ich bin auf einer intensiven Lesereise, war in Karlsruhe und Berlin, habe das Literaturfestival am Bodensee besucht und war Gast in Thea Dorns Fernsehsendung „Literatur im Foyer“ bei 3Sat. Hier in Leipzig habe ich ebenfalls viele Termine, Lesung in der Moritz Bastei, eine Signierstunde und Phototermine.
Die Lesereise nach Leipzig weitet sich aus und die einzelnen Veranstaltungen sind sehr gut besucht.
Gehst Du neben der Literatur noch einem anderen Broterwerb nach – oder lebst Du vom Schreiben?
Ich bin seit drei Jahren reiner Autor und versuche davon zu Leben. Ich habe mit meinem jetzigen Verlag C.H. Beck einen sehr guten Partner an meiner Seite. Man kann sagen, dass ich dort angefangen beim Lektorat bis hin zur Pressearbeit meine literarische Heimat gefunden habe.
Wenn Björn Kern nicht mehr schreiben würde, wie würde er sich seinen Lebensunterhalt verdienen?
„Björn“ redet sich ein, dass es ganz ok wäre, sich sein Brot noch mal anders zu verdienen – und wenn, dann auf jeden Fall im Bereich des Journalismus. Aber die Umgewöhnung wäre extrem. Dieser Plan ist also nicht existent – ich habe ihn „eingekapselt“. Das beschließe ich jetzt mal…
Wie groß ist der Druck des Verlages, immer neue, immer bessere Manuskripte, immer schneller vorzulegen?
Ich spüre diesen Druck weniger. Mir wird in meinem Schaffen Entwicklungszeit gegeben. Ich darf reifen und auch meine Spaziergänge in der Sonne machen, ohne etwas zu schreiben, weil ich gerade diese Pausen brauche um die Gedanken zu formen. Diese Unterstützung ist eine wesentliche Grundlage für meine Kreativität.
Gibt es DEN besonderen Moment? Das schönste Erlebnis, seit Du Autor bist?
Das sind die Kontakte mit meinen Lesern. Das ist auch der rote Faden in unserem Gespräch. Es ist die unmittelbare Rückkopplung der Menschen, die meine Bücher lesen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, bei einer Lesung mehr als 150 Zuhörer mit einem literarischen Text zum Lachen zu bringen. Das war erst gestern in der Moritz Bastei wieder der Fall, als ich die „Spanischen Nieren“ – Passage meines Buches las.
Björn, darf ich abschließend fragen, welches literarische Lebensziel Du als Autor vor Augen hast. Nobelpreis 2018, Bestseller……?
Wenn ich ehrlich bin – nichts von alledem. Es wäre schön, den heutigen Status Quo zu halten. Keine Preise, keine Hypes – einfach weiter auf diesem Niveau arbeiten und schreiben zu dürfen – das ist ein erstrebenswertes Ziel.
Ich lebe dabei weitgehend studentisch – ein Auto benötige ich nicht, aber die Anschaffung eines Fahrzeugs würde sich als recht schwierig darstellen. Aber ich habe alle Möglichkeiten zu schreiben.
Ich habe was zu erzählen. Ich fühle eine innere Wut, wenn ich mir bestimmte Zustände in unserer Gesellschaft vor Augen halte, besonders wenn diese Zustände die Würde des Menschen antasten.
Das sind meine Triebfedern.
Wir danken Dir für dieses Gespräch und wünschen ausreichend Spannung in den Triebfedern Deines Schaffens. Björn Kerns Lesereise wird fortgesetzt, Termine sind seiner Hompepage zu entnehmen und am 16. April führt ihn sein Weg wieder nach München, um dort in der Muffat-Halle sein Buch vorzustellen. Wir bleiben am Kern!









Ein Supernachtrag zur Lesung, ist auch sehr schön zu erfahren, dass man die Meinungen der Leute noch ändern kann (das Web 2.0 ist keine Krankheit
). Finde es klasse wie ihr euch extra nochmal so viel genommen habt für das Treffen auf der Messe.
[...] erotische Talent meines Vaters” von Björn Kern wurde ja hier im Blog von Mr. Rail und Binea schon ausgiebig besprochen und nachdem ich den Autor nun auch hab lesen hören, teile ich deren [...]