Lesungsbericht: Wieland Freund in Köln

ab 8 Jahre

Altersempfehlung: ab 8 illustriert von Kerstin Meyer

Füchse, die Schuhe sammeln, Schwäne, die Reden schwingen, grrmpfige Wildschweine und mittendrin die ängstliche Schildkröte Törtel, die im McGrün-Baumarkt geschlüpft ist und von ihrem herzlosen Besitzer auf die Straße gesetzt bzw. genauer gesagt aus dem fahrenden Auto geworfen wurde – dies sind neben zahlreichen anderen illustren Figuren die Hauptakteure in der Geschichte, die Wieland Freund am 12.03.2010 in der Kunst- und Ausstellungshalle des Kölner Zoos zum Besten gab.

Da war er noch alleine auf der Bühne.

Mit knapp 10minütiger Verspätung – viele Zuschauer hatten den Raum noch nicht gefunden, da aus Platzgründen ‘Tropenhaus’ auf die Karten gedruckt worden war – ging es los und Wieland Freund (Jahrgang 1969) erzählte zunächst einmal, wie die Geschichte um Törtel entstanden ist, damals, als er mit seiner Familie nach Berlin gezogen war. Eigentlich dachte er nämlich, Berlin sei ein große Stadt ganz voller Menschen, aber wie sich herausstelle, gebe es dort ebenso viele Tiere. Füchse, Dachse und vor allem Wildschweine, die pünktlich am Montag die Abfalltonnen plündern, bevor am Dienstag die Müllabfahr anrückt. Bald schon hatten die Tiere Namen – und Wieland Freund eine Geschichte im Kopf.

Knapp 150 Zuschauer, die meisten davon im Alter von 6-8 Jahren, lauschten gebannt, wie der Autor insgesamt drei Szenen seiner Geschichte vortrug und dabei auch richtig laut wurde; schließlich sprechen Wildschweine, die Grrrmpf heißen, weil das nach einem Wutanfall klingt, nicht gerade im Flüsterton.

Am Anfang saßen die Kinder auch noch brav auf ihren Plätzen, aber nach und nach wagten sich ein paar immer weiter vor, bis sie schließlich mit großen Augen direkt vor dem Bühnenrand saßen.
Irgendwie war ihnen das aber immer noch nicht nah genug an der Geschichte und so kletterten ein paar Jungen und Mädchen einfach auf die Bühne und  stellten sich neben den Autor, der seine Zuhörer auch immer wieder in seinen Vortrag einband und ihnen Fragen stellte.

Der erste Ansturm.

Ab da gab es dann auch für die schüchternsten Kinder im Publikum kein Halten mehr. Immer mehr stürmten nach vorne und umringten den Autor, den man zwischen den vielen Kindern bald schon nicht mehr ausmachen konnte.
Doch Wieland Freund ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, unterbrach die Lesung kurz, stieg auf einen Stuhl und trug den Rest einfach im Stehen vor.

Etwas mehr aus dem Konzept brachten ihn allerdings vereinzelte Fragen der Kinder, die tatsächlich sehr gewitzt waren. »Warum ist Törtel denn nicht einfach zurück ins McGrün gegangen?«, wollte ein Junge wissen. »Warum haben Schildkröte so eine dünne Augen?«, fragte ein Mädchen. »Und warum schleift Törtels Bauch über den Boden?« Na, weil Berlin eben eine arme Stadt ist und da kann man, wenn man eine Schildkröte ist, schon mal in ein Schlagloch geraten.

Umzingelt von neugierigen Törtelkids.

Eine eigene Schildkröte hat Wieland Freund übrigens nicht. Nur eine aus Gummi, die auf seinem Schreibtisch sitzt. Dafür hat er einen Hund, eine Katze und ein paar Meerschweinchen und würde ohne Zögern einem Verein zur Förderung von Schildkröten beitreten, wenn es so etwas denn gebe. Sein nächstes Buch Törtel und der Wolf sei übrigens für den Sommer geplant.

Obwohl der Spaß natürlich im Forderung stand, gab Wieland Freund den Kindern auch ein paar Hinweise auf den richtigen Umgang mit Tieren mit auf den Weg, etwa, dass man diese nicht im Baumarkt oder gar im Internet kauft und dass man sich natürlich gut um sie kümmern muss. Aber das hatten die Kinder schon längst begriffen, wie ihre entrüsteten Reaktionen zeigten, als King Kurt, Törtels Kurzeitbesitzer die arme Schildkröte alles andere als artgerecht in der Bannewanne hielt und anschließend einfach aus dem Fenster warf. Skandalös, so ein Verhalten!

Wieland Freund signiert.

Anschließend hatten die Kinder die Möglichkeit, sich ihre Bücher signieren zu lassen. Dass die Bühne dabei fast zusammenbrach, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

FAZIT: Auch für eine erwachsene Leseratte war die Lesung ein schönes Erlebnis, war es doch eine Freude zu sehen, wie viele Kinder doch noch an einer geschriebenen Geschichte interessiert sind.

2 Kommentare

  1. [...] Schildkrötenfreund und Törtelfan war ich natürlich dabei und habe im Lovelybooks-Blog einen Bericht über die Lesung [...]

  2. [...] Lesungsbericht: Wieland Freund in Köln « LovelyBooks Blog [...]

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