Lesungsbericht: Kerstin Gier in Düsseldorf

Am Dienstag, den 09.03.2010 las Bestsellerautorin Kerstin Gier in der Buchhandlung ‘Gossens Junior’ in Düsseldorf aus Saphirblau, dem zweiten Band der Zeitreisetrilogie um Gwendolyn und Gideon -  DAS neue Traumpaar der Fantasyliteratur.

Nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich. Eine Zeitreise.

Um 18 Uhr sollte es losgehen. Dank des obligatorischen Bahnzwischenfalls platzte ich allerdings erst eine Viertelstunde später in die kleine Kinder-/Jugendbuchhandlung in der Luegallee – und geriet prompt in eine Szene, in der Gwen und der Wasserspeier Xemerius sich ein heiteres Wortgefecht liefern, das vom Kichern des überwiegend jungen Publikums begleitet wurde.
Doch auch die älteren Semester bogen sich vor Lachen, als Kerstin Gier in der zweiten Szene mit nasaler Stimme ihren Giordano (nur Giordano!) zum Besten gab und erzählte, dass sie manchmal ganz spät nachts gerne Teleshopping-Sendungen gucken und sich über die Verkaufszahlen von Zimmerbrunnen wundern würde. (An dieser Stelle habe ich mich natürlich nicht gemeldet und gesagt, dass ich jemanden kenne, der genau so ein Ding im Durchgang stehen hat.)

Liebe geht durch alle Zeiten (2)

Zwischen den Leseparts plauderte die Autorin immer wieder gut gelaunt aus dem Nähkästchen, zeigte  – teils selbst gemalte – Skizzen und Bilder von der damaligen Mode und bewies eine erstaunliche Belesenheit in Bezug auf die Kritiken ihrer Bücher, die sie mit einem Zwinkern kommentierte.
So wollte sie etwa nicht stehen lassen, dass Gwen sich manchmal ganz schön dämlich anstelle, denn um auf einer Soirée im 18. Jahrhundert nicht als jemand aus der Zukunft erkannt zu werden, »das ist schon nicht ohne, was man dafür lernen muss. Wo es doch schon alleine 14 Arten gibt, einen Fächer zu halten.«
Auch dass Paul hässlich sei, stimme nicht. »Wieso denken das denn alle? Nein, Paul ist schön«, verteidigt Kerstin Gier ihre Figur vehement.

Das Publikum hängt an ihren Lippen.

Für einen anderen Charakter setzt sie sich allerdings nicht so ein. Er/sie wird in Smaragdgrün, das voraussichtlich statt im September doch erst im Oktober erscheinen und definitiv der letzte Teil sein wird, nämlich dahinscheiden. Das stehe fest, obwohl die Autorin regelmäßig Drohbriefe bekomme, in der man sie warnt, sie solle diese oder jede Figur bloß nicht sterben lassen. Und Gwen und Gideon sollen sich natürlich auch kriegen, obwohl viele – insbesondere junge – Leser ja glauben, die beiden wären eigentlich verwandt. »Nee, das sind sie nur sehr sehr sehr sehr weitläufig«, erklärt die Autorin und packt zu Belegzwecken einen eigens kreierten Stammbaum aus. Eine Hochzeit wäre also theoretisch kein Problem.

Im Übrigen stimme es auch nicht, dass in den Büchern, wie oftmals bemängelt wird, nicht viel passiert. Dass die Zeitspanne so kurz ist, liege nur daran, dass ein längerer Zeitraum die Zeitreisethematik, die ja ohnehin schon paradox ist, nur noch komplizierter gemacht hätte. Sogar ein Buch für Quantenphysik habe Kerstin Gier zu Rate gezogen, aber leichter hat es die Sache dennoch nicht gemacht. Vielleicht, weil sie das Buch laut eigener Aussage auch gar nicht verstanden hat.

Ihrer Vorbildfunktion ist die Autorin sich allerdings sehr wohl bewusst. So habe sie sich extra bei ihrer Lektorin erkundigt, ob es in Ordnung ist, dass Gwendolyn sich in einer Szene betrinkt. Denn, »liebe Kinder, Alkohol ist nicht gut! Wenn man erst etwas Süßes beimischen muss, damit es schmeckt, kann das ja wohl nicht richtig sein, oder? Hat dann ja auch viel zu viele Kalorien.« So wurde besagte Szene auch nur erwähnt, aber nicht vorgetragen, auch wenn Kerstin Gier persönlich ja immer noch auf der Suche nach dem richtigen Punsch-Rezept sei…

Im Anschluss durften die Zuschauer noch fleißig Fragen stellen und ihre Bücher signieren und wunderschön silbern bestempeln lassen. Außerdem hatte die Autorin eine ganze Reihe selbstgebastelte Lesezeichen mitgebracht, von denen man sich eines aussuchen durfte. Das Lesezeichen, das ihr Konterfei auf einen antiken Ballkleid (in Größe 38) zeigt, rückte sie allerdings nicht raus.

Dafür erzählte sie noch, dass die Dreharbeiten für die Romanverfilmung erst 2012 beginnen würden und es gar nicht so leicht sei, aus einem Buch einen Film zu machen. Vieles, was im Film vorkommt, gibt es im Buch auch gar nicht. So etwa den Kirschblütenball, eine Idee der Filmemacher, die sie zumindest aber in den dritten Band einarbeiten würde.

Natürlich und gut gelaunt im Gespräch mit ihren Lesern.

Schon spannend, so ein Blick hinter die Kulissen. Und vor allem superlustig, wenn es Kerstin Gier ist, die da erzählt. Wer die Autorin also schon auf Papier amüsant findet, sollte bei Gelegenheit unbedingt eine Lesung von ihr besuchen und sich davon überzeugen, dass ihr humorvoller und spritziger Schreibstil absolut authentisch ist.

Wer also zufällig demnächst in Leipzig ist – hingehen!

11 Kommentare

  1. [...] gibt es ganz frische Impressionen vom Besuch der Lesung von Kerstin Gier in Düsseldorf. Mit Infos zur Verfilmung von »Rubinrot«, den Tod einer Figur im nächsten Band [...]

  2. Oh man, da wäre ich super gern dabei gewesen! Ich hoffe, ich habe bald mal die Gelegenheit zu einer Lesung von Kerstin zu gehen!

  3. Lilly

    Bei der Sache mit dem Brunnen im Durchgang hätte ich mich wegschmeißen können :D

    Ich würde sie gern mal treffen, aber zu uns kommt sie vorläufig leider nicht.
    Ist schon doof, wenn man so unzentral (?) wohnt :/

  4. Binea

    Super klasse spritziger Bericht über die Lesung, musste sehr schmunzeln ;o)

    Ich warte nun noch hibbliger bis der zweite Teil endlich bei mir ankommt.

    Eine Lesung mit ihr wollte ich nie besuchen, doch du machst es schon sehr schmackhaft ;o)

    Danke – Bini

  5. Kossi

    Liebe Nina, danke für diesen tollen Bericht! Ich kann mir haaaaaaaaaaaaaaargenau vorstellen, wie toll und vor allem lustig die Lesung war! :-)

    Liebe Grüße,
    Kossi

  6. Da wohnt man schon in Düsseldorf und hat an einem Dienstagabend nichts zu tun… und dann bekomme ich sowas nicht mit :( Irgendwie habe ich ein Talent dafür solche interessanten Veranstaltungen zu verpassen!

  7. Nil

    Schöner Bericht…und vor allem großer Neid. Wäre auch gern dabei gewesen. Aber dank deines Berichtes wissen wir schon mehr. Auch super, dass du Fotos gemacht hast! :0))

  8. Megan

    Hallo Nina,

    dein Bericht ist wirklich sehr schön geworden und entspricht genau den Tatsachen. Ich war auch bei der Lesung und kann dir nur voll und ganz zustimmen. Es war ein rundum schöner Abend. Und vor allem war es seeeehr lustig.
    Allen anderen kann ich nur empfehlen auch mal eine Lesung von Kerstin Gier zu besuchen. Es lohnt sich.

    Viele Grüße
    Megan

  9. …sie wird übrigens auf der Leipziger Messe lesen.
    Ich hoffe ich kann sie für eine Überraschung gewinnen, der/diejenige kann schon gespannt sein.

    Toller Bericht, die Frau hat echt die Sonne im Herzen, sehr schön

    vlg.
    Karin

  10. Nina

    Oh, Mann, wie doof, dass ich das verpasst habe!!
    Dabei wohne ich in Düsseldorf und zur Luegallee nach Niederkassel ist es nun wirklich nicht weit…Leipzig ist dagegen nicht wirklich ein Katzenspung…schaaaade!

    Naja, vielleicht nächstes Mal…gibt es hier bei LB vielleicht ein schwarzes Brett, wo man solche Termine rechtzeitig erfahren kann?

    LG,
    Nina

  11. [...] Kerstin Gier in Düsseldorf. Auch wenn Nina einen wunderbaren, sachlich korrekten und informativen Artikel für Lovelybooks geschrieben hat, habe ich den Tag als vor allem eins in Erinnerung: Anstrengend! Und weil es [...]

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