Eine besondere Begegnung mit Lilly Block brachte mich auf ihr Buch „Herrenbegleitung“. Dieses wurde an einem Abend ausgelesen und das gleich zu viert. Die Abendvorlesung zu Steuern des Betriebes im Abendstudium war einfach zu langweilig, es zog uns immer wieder in Lilly Blocks erotisches Buch. Absolutes Genreneuland und ein wahrlich anregendes Buch, was viele Bilder im Kopf der Leser beschert und zudem für jede Menge Gesprächsstoff sorgt.
Lilly Block ist Unternehmensberaterin aus Norddeutschland und schreibt unter einem Pseudonym.
Zu oder nach diesem Buch kamen nicht nur mir viele Fragen auf, welche Lilly Block gern beantwortet hat.
Hier die erste Rezension zu „Herrenbegleitung“ von Lilly Block und ein aufschlussreiches Interview.
Wie bist du auf die Idee zu deinem Buch Herrenbegleitung gekommen?
Mein Traummann und ich hatten mal die verrückte Idee, einen Begleitservice aufzumachen. Männer begleiten Frauen, die auf Geschäftsreise sind, nicht nur für Sex, obwohl der nicht ausgeschlossen ist. Ich hab mir solche Begleiter bei endlosen Geschäftsreisen mit langweiligen Abenden allein im Restaurant oder einer Hotelbar oft gewünscht. Das ganze sollte zu “moderaten“ Preisen stattfinden, nicht für die Luxuspreise, die normal für Männerescort zu zahlen sind. Bei diesem Brainstorming kam als Name für das Projekt “Herrenbegleitung“ raus. Die Webseite Herrenbegleitung.de gehört mir, die hab ich mir da reservieren lassen. Das Buch sollte eigentlich nur ein Geburtstagsgeschenk für den Mann werden, der mir während des Schreibens abhanden kam. Freunde, die während der Entstehung mitgelesen haben, meinten dann, dass ich es veröffentlichen solle. Und als Erinnerung an diese Idee hab ich dann das Buch so genannt, denn es war auch ein Weiterspinnen dieser Geschäftsidee.
Besteht der Gedanke mit der Geschäftsidee heute noch bzw. planst du noch an der Umsetzung?
Nein, diese Projektidee war mal für einige Wochen reizvoll, ist aber längst zu den Akten gelegt.
Wie hat dein Umfeld, deine Familie, deine Freunde auf dein Buch reagiert? Oft ist unsere Gesellschaft recht verschlossen und redet nicht über Bücher, die man vermutlich lieber alleine und verschwiegen unter der Bettdecke lesen sollte, oder?
Die Reaktionen waren sehr verschieden. Ein Teil der Familie weiß es noch immer nicht und wäre schockiert, meine Schwester findet es gut. Bei Freunden und Bekannten waren die Reaktionen auch sehr unterschiedlich. Von Begeisterung bis zu totaler Ablehnung war alles drin: Einige sind peinlich berührt, wenn das Gespräch auf das Buch kommt, andere finden es gut und empfehlen das Buch auch weiter.
Amüsant fand ich die Reaktion eines Bekannten meiner Schwester, den ich ab und zu mal abends in meiner Stammkneipe treffe. Wir hatten uns darüber unterhalten, dass ich schreibe, ich hatte ihm aber nicht gesagt worüber. Er meinte, dass er an meinem Buch nicht interessiert sei, weil er – wenn überhaupt – erotische Literatur lesen würde. Als ich ihm dann bei nächster Gelegenheit das Buch in die Hand drückte, schaute er ziemlich verwundert. Einige Tage später kam dann seine Rückmeldung: „Das Buch hat mich ziemlich überrascht, denn da sind die Männer ja fast die Guten.“
Leider blieb ich ab und an immer mal wieder an Rechtschreibfehlern hängen, hattest du kein Lektorat?
Leider gab es kein Lektorat, meine Freundin und ich haben mehrfach Korrektur gelesen, aber irgendwann ist man blind und die Rechtschreibprüfung von Word erwischt auch nicht alles.
Wieviel Biographie steckt von dir im Buch?
Der Prolog ist eher autobiographisch, der Rest leider nur Phantasie und Wunschträume. Weiter stimmt es, dass ich mich nicht gern fotografieren lasse und meist schlimm auf Fotos aussehe. Wie gesagt, es war mal als Liebeserklärung an einen Mann gedacht und da hab ich Dinge reingepackt, die ich gern mit ihm anstellen würde. Außerdem hab ich mal in einer Frauenhandballmannschaft gespielt, in der sich 5 Frauen innerhalb von 2 Jahren von ihren Männern getrennt haben. Einige Ihrer Traumbilder, die auf Frauenabenden mit viel Sekt diskutiert wurden, hab ich auch reingepackt. Die Szene in Blankenese hat eine Bekannte dann mal mit ihrem Liebhaber nachgespielt, nachdem beide das Buch gelesen hatten – haben sie mir erzählt
Gibt es diese Villa im Buch mit diesen vielen unterschiedlichen Zimmern und den außergewöhnlichen Veranstaltungen wirklich?
Ich kenn sie nicht, könnte aber gut sein, dass es sowas in Hamburg gibt. Wunderschöne Villen mit riesigen Gärten gibt es in Blankenese zuhauf.
Lilly Block ist ein Pseudonym, wie bist du zu Lilly Block geworden? Warum schreibst du nicht unter deinem richtigen Namen?
Lilly ist der Name meiner Katze und Block der Geburtsname meiner Mutter. Und meine Oma hat zusammen mit mir meine ersten Des
sous (Strapse) gekauft. Da ich nicht wusste, wie die Reaktionen auf das Buch sein würden, wollte ich lieber erst einmal anonym bleiben. Außerdem liebe ich diesen Nachnamen mehr als meinen eigenen.
Kannst du etwas zu diesem edlen Cover erzählen und darüber, wie lange es gedauert hat, dieses Buch zu schreiben und zu veröffentlichen?
Ich habe etwa ein halbes Jahr lang immer mal nebenbei an dem Buch geschrieben. In dieser Zeit hab ich Vollzeit gearbeitet, oft 50 oder 60 Stunde pro Woche. Schreiben an „Herrenbegleitung“ war in dieser Zeit Entspannung für mich.
Da ich zu feige war, das Buch einem “richtigen“ Verlag anzubieten, habe ich bei „Books on Demand“ veröffentlicht.
Das Cover wollte eigentlich ein Bekannter machen, hat mich dann aber hängenlassen, als das Buch fertig war. Ich bin im Unternehmerinnennetzwerk „Webgrrls“ und hab dort dann über die Jobbörse gepostet: „Eine Freundin braucht Covergestaltung für einen erotischen Roman.“ Es kamen viele Angebote. Interessant war das Angebot einer Frau, die schrieb: “Ich hab noch nie ein Cover gestaltet, habe aber die vollständigen Rechte an vielen Aktfotos.” Ich hab ihr den Zuschlag gegeben und es nicht bereut.
Sie schickte mir Fotos zum Aussuchen und das erste Bild wurde dann auch das Foto fürs Cover.
Danach gab es noch eine Schwierigkeit: am nächsten Tag wollte sie mir schon einen Coverentwurf schicken. Ich war auf Dienstreise und mein Internetzugang brach zusammen. In meiner Verzweiflung hab ich meine Freundin angerufen, ihr gesagt, dass die das Cover freigeben soll, wenn es ihr gefällt. Tania hat das Cover freigegeben, einen Klappentext geschrieben, das Manuskript, das grad zur letzten Korrekturlesung bei ihr war, bei BOD eingestellt und das Buch freigegeben. Als ich von meiner Geschäftsreise zurückkam, war mein Buch im Buchhandel lieferbar, obwohl ich selbst noch immer zweifelte, ob ich wirklich veröffentlichen soll.
Gibt es in Zukunft ein weiteres Buch von Lilly Block oder gar eine Fortsetzung zum Buch „Herrenbegleitung“?
Ich schreibe gerade an einem weiteren Buch: eine Sammlung von Szenen, die mir schon lange im Kopf herum schwirren, aber zusammen keine Romanhandlung ergeben. Ich bin dabei, sie als Kurzgeschichten aufzubereiten.
Außerdem spuken zwei weitere Romane in meinem Kopf herum, einer davon die Fortsetzung von „Herrenbegleitung“. Mir fehlt aber im Moment die Zeit und Ruhe, sie aufzuschreiben. Beim Schreiben muss ich auch in der richtigen Stimmung sein, und das klappt bei diesem langen Winter grad nicht.
Eine Fortsetzung klingt auf jeden Fall sehr gut. Würdest du dieses zweite Buch dann bei einem Verlag anbieten oder wieder über „Books an Demand“ veröffentlichen?
Ich bin mir noch nicht sicher. Im Moment tendiere ich dazu, es erstmal Verlagen anzubieten. Dagegen spricht eigentlich nur, dass ich auch auf dem nächsten Buchcover gern wieder ein Foto meiner Lieblingsfotografin hätte. Entscheiden werde ich es, wenn das Manuskript fertig ist.
Wo schreibst du deine Bücher? Zuhause am Schreibtisch in Ruhe oder in einem Cafe?
Ich bin Kneipen- und Caféschreiber. Mein Schreibtisch ist der einzige Ort, an dem ich nicht schreiben kann. Ich liebe Papier, kaufe mir schöne Notizbücher und schreibe meine Geschichten mit einem Füllfederhalter. Lästig ist das Abtippen hinterher, aber das macht meine Schwester oft für mich.
Wie bist du zu Lovelybooks gekommen und hättest du dir eine Art Lese- und Diskussionsrunde um dein Buch vorstellen können?
Auf der letzten Seite eines Krimis, der mir gut gefallen hatte, war ein Hinweis auf Lovelybooks. Ich habe mich angemeldet, reingeschnuppert und war begeistert. Eine Lese- und Diskussionsrunde kann ich mir gut vorstellen, denn das Schreiben macht mir Spaß und ich kann nur durch Rückmeldungen von Lesern besser werden.
Zu guter letzt würde ich gern noch wissen, welches Genre du am liebsten liest, welche deine Lieblingsbücher sind bzw. welche Bücher du auf jeden Fall weiterempfiehlst.
Ich lese selbst auch gern erotische Literatur, dazu Krimis, historische Romane und Geschichten von starken Frauen, als Biographien und auch in Romanform. Mein absoluter Favorit ist allerdings der Essay „Sibirien ohne Romantik“ von Valentin Rasputin.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei deinen nächsten Büchern.





Tolles, spannendes Interview. Vielleicht sollte ich mir das Buch auch mal zulegen.
Ein sehr spannend zu lesendes und aufschlussreiches Interview, das mit dem gängigen Klischee, über Erotik zu schreiben, bedeutet trivial zu werden, aufräumt. Hat mir sehr gefallen!!!!
..ein gelungener Auftakt!
Glückwunsch zu Eurem Mut Ihr beiden Frauen!
An Binea für ihr erstes, super gemachtes blog- Block-Interview ;o))
und an Lilly Block für ihr erstes, erotisches Herrenbegleiter – Buch.
Macht weiter so. Beide. : )
Herzlichen Dank Euch allen für die positiven Rückmeldungen.
Herzlichen Glückwunsch Bini, das hast du super hin bekommen! Mal eine etwas andere Autorin und ein nicht oft besprochenes Genre…
Und ich dachte, ich hätte den erotischen Literaturpart gehabt. Was für ein Debüt im Block. Gefällt mir sehr gut und das Buch scheint der richtige Lesestoff für gemeinsam einsame Abende zu sein.
Schöne Grüße von Björn Kern – man sieht sich intensiv in Leipzig.