Interview mit Bettina Belitz

Bettina Belitz / Foto: © André Weimar

Vor einiger Zeit las ich das Buch Splitterherz von Bettina Belitz und bei Recherchen zu Meinungen des Buches freute ich mich sehr, dass die Geschichte um Ellie und Colin nicht nur bei mir supergut ankam, sondern auch bei den anderen Lesern.

Dies nahm ich zum Anlass, Bettina um ein Interview zu bitten.

Liebe Bettina, wie entstand die Idee zu deinem Buch “Splitterherz”?

Jetzt wird es ein bisschen kompliziert: Die Idee, von meinen gewohnten Pfaden abzuweichen und einen möglichst realistischen Fantasyroman zu schreiben, hatte ich im Frühjahr 2008. Damals hatte ich weder Agentin noch Verlag, und schrieb wie immer munter drauf los, ohne mir Gedanken um den Verlauf der Geschichte oder gar ihren Ausgang zu machen. Ich hatte Colin samt Prachtross vor Augen, dem rasch Ellie folgte, und ich wusste, dass mit Colin etwas nicht stimmte. Außerdem wollte ich mich der ersten großen Liebe widmen. Darüber hinaus stand das Setting – der Westerwald, und ich hatte das Ziel, die Story in unsere Welt zu integrieren und ihr eine psychologische Ebene zu verleihen. Viel mehr gab es damals noch nicht. Alles weitere entstand, als der Verlag aus dem Fragment ein Buch machen wollte.

Und wie kam es, dass das Manuskript tatsächlich Anklang in einem Verlag fand?

Meine Agentin hatte jenes eben erwähnte Fragment – knapp 50 Seiten  - an mehrere Verlage geschickt. Ich muss an dieser Stell aber erwähnen, dass es das einzige Fragment war; meine Agentin hatte einige fertige Manuskripte von mir vorliegen. Sie hielt das Fragment aber für ein “heißes Eisen”. Loewe meldete sich als erstes und signalisierte, dass Interesse an einer Zusammenarbeit besteht. Allerdings sollte ich eigentlich erst eine neue Pferde-Mystery-Reihe ins Leben rufen, und ich hatte auch schon eine Idee dazu. Im Gespräch mit meiner Lektorin signalisierte ich dennoch, dass ich mein Splitterherz-Fragment als Entwurf sehe und zu Modifikationen bereit bin. So spielte das Fragment z.B. im reinen Reiterumfeld, und das eignet sich weniger gut für die gewünschte Zielgruppe. Meine einzige Bedingung war, dass Colin, Ellie, Louis und der Westerwald bleiben und die Liebesgeschichte unkitschig gestaltet wird.  Bei Louis musste ich ein bisschen kämpfen, aber es hat schließlich geklappt (ein dickes Dankeschön an meine Lektorin, die mich dabei unterstützte!). Ich hab also ein wasserdichtes Exposé ausgearbeitet, der Verlag hat grünes Licht gegeben und ich habe begonnen, “Splitterherz” zu schreiben.

In “Splitterherz” gibt es einige düstere Träume, und Ellie hat es manchmal alles andere als leicht – wie ergeht es dir, wenn du diese Passagen schreibst?

Meistens nicht so prächtig. Ich liebe das Schreiben, ob ich mich nun dabei schönen oder weniger schönen Dingen widme. Aber es lässt mich natürlich nicht kalt, wenn ich meine Helden durch schwierige Situationen schicke oder sie Dinge erleben lasse, die sie bis ins Mark erschüttern. In Splitterherz gibt es eine Szene, in der Colin sich Ellie gegenüber wirklich garstig verhält, und obwohl ich beim Schreiben um seine Beweggründe wusste, hat es mich innerlich durchgeschüttelt. Wann immer ich diese Szene lese, möchte ich Ellie am liebsten in den Arm nehmen und ihr eine heiße Milch kochen. Und bei den Spinnenszenen hatte ich jedes Mal ein Kribbeln im Nacken.

Das wunderschöne Cover wurde von der Illustratorin Maria Franziska Loehr gestaltet

Splitterherz ist dein Debütroman, und inzwischen sind die ersten Rezensionen erschienen. Wie gehst du mit Kritik um?

Es ist seltsam, die Seiten zu wechseln, denn in all den Jahren zuvor war ich als Journalistin diejenige, die kritisiert hat. Ich verspüre manchmal den Impuls, “Ja, aber …!” zu rufen, wenn ich unbegründete Einwände  – meines Erachtens unbegründet – lese. Gleichzeitig bin ich völlig geplättet, wenn ich eine sehr lobende Kritik erhalte. Dann hab ich das Gefühl: Nein, die müssen sich geirrt haben. Die meinen nicht mich. Ich kann es kaum glauben! Konstruktive Kritik, die Hand und Fuß hat, ist mir stets willkommen, denn ich möchte mich ja weiterentwickeln.

Gibt es auch einen Kritikpunkt, der dich besonders nervt?

Ja. Stichwort Twilight. Ich habe nun einige Male gelesen, dass meinem Buch Parallelen zu Twilight nachgesagt werden. Natürlich existieren diese Parallelen im Plot, keine Frage. Ein Menschenmädchen fühlt sich von dem düsteren, geheimnisvollen Fremden magisch angezogen. Doch so etwas passiert täglich. Frauen fühlen sich von Männern angezogen und umgekehrt. Und in einem Fantasyroman liegt es nun mal nahe, dass dieser Mann kein gewöhnlicher Mann ist. Aber es gibt tausend Spielarten, einen solchen Plot zu erzählen und die Figuren zu skizzieren. Deshalb hoffe ich, dass sich die Leser frei und unbeeinflusst an “Splitterherz” wagen. Ich selbst kann zu den Parallelen ohnehin nicht viel sagen, da ich von Twilight nur den ersten Band gelesen und mich seit dem Schreiben von “Splitterherz” konsequent von Fantasy ferngehalten habe, ob Buch oder Film.

Da ich selber das Buch ja bereits gelesen habe, verrate ich nicht zu viel, wenn ich nun sage, dass Colin eben kein Vampir ist …

… nein, das ist er nicht. Auch er braucht Nahrung, und er muss sie sich beschaffen, doch sie ist anderer Natur als Blut. Ich habe mich dabei eines uralten Aberglaubens bedient, der sich in vielen Kulturen findet und eine ausgeprägte psychologische Komponente hat. Das hat mich gereizt, obwohl ich beim Schreiben natürlich Überlieferung und eigene Ideen verwoben habe. Das Script5-Team und ich haben lange überlegt, ob wir dieser Fabelgestalt einen neuen Namen geben, haben uns aber schließlich des tradierten deutschen Begriffs bedient. Ich finde, er klingt stark und geheimnisvoll. Aber verraten möchte ich ihn an dieser Stelle nicht, um den Lesern nicht die Überraschung zu nehmen.

Apropos Fabelgestalt: Liest du viel Fantasy und wenn ja, was sind deine Lieblingswerke? Hast du Vorbilder unter den Fantasyautoren?

Meine Büchersammlung ist sehr bodenständig. Die Fantasywerke kann man an zwei Händen abzählen. Ich liebe Harry Potter wegen Rowlings wunderbarem Einfallsreichtum; der Drache Saphira hat es geschafft, mich von Eragon (Band 1) zu überzeugen und dann gibt es da noch Diana Gabaldon, deren Stil ich hoffnungslos verfallen bin, wobei sich die Geister bei der “Feuer und Stein”-Saga ja scheiden: Ist es Fantasy oder nicht? Aber genau das mag ich daran. Desweiteren findet man bei mir Bram Stokers Dracula, den ersten  Twilight-Band und “Troll”, eine finnische Liebesgeschichte ungewöhnlichster Art und Weise mit Fantasyeinschlag, die aber in unsere Realität integriert ist. Es ist also schwer, mich von frei erfundenen Fantasiewelten zu überzeugen. Bei Harry Potter habe ich diese auch nur akzeptiert, weil es das Zaubereiministerium gibt und somit eine sinnvolle Verflechtung von Muggel – und Zauberwelt. Stilistisch würde ich am ehesten Gabaldon als ein eventuelles Vorbild bezeichnen. Mein Lieblingsautor ist und bleibt jedoch Max Frisch.

Hattest du schon einmal mit Schreibblockaden zu kämpfen?

Bisher – toi toi toi – nicht. Meine Devise lautet: Irgendetwas geht immer. Man muss anfangen, auch wenn der erste Satz noch so holprig klingen mag. Die ersten Kapitel sind oft schwierig und nervenzehrend, aber wenn ich dann mal drin bin und meine Figuren sich selbstständig machen, läuft es fast von alleine und ich hätte gerne zwei Tastaturen und vier Hände, um alles möglichst schnell aufzuschreiben. Ein weiteres Hirn als Speicherkapazität wäre auch sinnvoll. Sehr wohl aber kenne ich Selbstzweifel. Sie sind mein ständiger Begleiter. Zum Glück versteht meine Lektorin es wunderbar, sie mir immer und immer wieder auszutreiben.

Da wären wir auch schon beim nächsten Thema: Magst du den Lesern erzählen, wie es für dich war, das fertige Manuskript abzugeben und kurze Zeit später die Rückmeldungen und eventuellen Änderungsvorschläge der Lektorin zu lesen?

Ich bin stets erleichtert, aber auch ein bisschen traurig, wenn ich ein Skript abgebe. Erleichtert, weil ich fertig bin; traurig, weil ich meine Figuren verlassen muss. Aber schon jetzt – ich schreibe gerade am zweiten Band der Splitterherz-Trilogie – freue ich mich auf die Lektoratsphase. Denn dann bin ich nicht mehr so alleine mit all meinen Ideen. Vier Augen sehen immer mehr als zwei, und bisher gab es in punkto Änderungsvorschläge noch keine Situation, die wir nicht zur allgemeinen Zufriedenheit lösen konnten. Ich empfinde das Zusammenarbeiten mit den Lektoren durchweg als sehr angenehm und vor allem lehrreich.

Welche Tipps hast du für Hobby-Autoren, die einen Verlag suchen?

An meinem Beispiel sieht man ja, dass ein Blog durchaus ein Türöffner sein kann. Deshalb kann ich diesen Weg nur empfehlen. Allerdings sollte niemals komplette Skripte ins Netz gestellt werden, sondern allerhöchstens Auszüge. Für die Agenten und Verlage ist es wichtig, dass der Autor ein Buch auch beenden kann. Deshalb würde ich zuerst das Buch fertig schreiben, ein vernünftiges Exposé basteln und mir dann Gedanken darüber machen, wie ich es an den Mann bringe. Ich bin sehr froh, meine Agentin zu haben. Sie ist immer für mich da, wenn ich Fragen habe, und hält mir den Rücken frei – ganz zu schweigen von ihrem juristischen Können, das in Vertragsangelegenheiten Gold wert ist.

Du hast bei Lovelybooks den Lesekreis zu “Splitterherz” als Autorin begleitet. Wie war es für dich, den Kontakt zum Leser in dieser Art herzustellen und was nimmst du für dich am Ende daraus mit?

Die Leserunden – es gab eine auf Lovelybooks und eine beim Büchertreff – waren für mich eine willkommene Gelegenheit, direkt mit den Lesern im Kontakt zu treten, und ich habe sie auch deshalb genossen, weil sie eine wunderbare Vorbereitung für das Schreiben des zweiten Bandes waren. Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht, die Fragen der Leser zu beantworten und zu erleben, wie unterschiedlich mein Buch gelesen und interpretiert werden kann. Besondere Freude bereiten dem Autorenherz dabei natürlich jene Leserundenmitglieder, die sich voll und ganz auf die Geschichte einlassen und sie sehr aufmerksam, aber auch kritisch lasen. Sollte es meine Zeit zulassen, möchte ich beim zweiten Band gerne wieder eine autorenbegleiteten Leserunde im Internet wahrnehmen.

Liebe Bettina, ich danke dir für das tolle Interview und wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Roman und den Lesern wünsche ich eine schöne Zeit beim Abtauchen in die Geschichte von Ellie und Colin!

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Und für alle Besucher der Leipziger Buchmesse: Bettina Belitz wird vor Ort sein! Hier die Termine:

Samstag, 20. März, 16 Uhr auf der Fantasy-Leseinsel mit anschließendem Signieren.

Sonntag, 21. März, 16 Uhr auf der Fantasy-Leseinsel mit anschließendem Signieren.

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Und hier noch ein paar Links, bei denen Ihr Infos über das Buch bzw. die Autorin bekommt:

Bettina Belitz bei Facebook

Splitterherzblog

Buchtrailer 1 (von der Autorin selbst gestaltet)

Buchtrailer 2


5 Kommentare

  1. Ein toller Einblick, Danke.
    Ich hab ja auch ab und an mal in die Leserunde reingeschnupert – aber das Buch habe ich noch nicht.

    Liebe grüße
    Karin

  2. Lilly

    Super Interview!
    Das Buch habe ich hier schon zu liegen. Aber jetzt bin ich wirklich neugierig. Wird ganz bestimmt gleich als nächstes drankommen :-)

  3. Wirklich ein schönes Interview!!! :o )
    Ich freue mich schon sehr auf das Buch “Splitterherz”!! :o )

  4. Nina

    Ein sehr sympathisches und informatives Interview! Wirklich wirklich schade, dass ich (zumindest dieses Jahr) nicht auf die Leipziger Buchmesse fahren kann. Sonst hätte ich ganz sicher einen Abstecher zur Fantasy-Leseinsel gemacht.
    Mir hat das Buch nämlich auch sehr gut gefallen und mich – obwohl ich ja recht pingelig sein kann ;) – überhaupt nicht an »Twilight« erinnert.
    Freue mich schon auf die Fortsetzungen!

  5. Booklover93

    Hey, :)
    das Interview war echt toll und ich danke für diesen schönen Einblick in ihre Arbeit! :) )

    LG
    Booklover93

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