Vampire Diaries – Nicht noch ein Twilight-Abklatsch

Seit vorletztem Mittwoch läuft Vampire Diaries auf Pro7: Eine Vampirserie. Was liegt da näher, als der Vergleich mit Twilight?
Und tatsächlich; werfen wir einen ersten oberflächlichen Blick auf die Serie, finden wir eine Kleinstadt, eine High School, eine schüchterne Brünette mit Rehaugen, die von allen gemocht wird, und einen mysteriösen Schüler, groß, mittelblonde hochgestylte Haare, dunkle Augenbrauen und einen leidenden Blick.
“Oh bitte”, möchte man da rufen, “fällt Euch nichts Neues ein?”

L.J. Smith's "The Awakening" und "The Struggle" - HarperTeen-Verlag

L.J. Smith's "The Awakening" und "The Struggle" - HarperTeen-Verlag

Aber wenn man sich einen zweiten Blick gestattet, muss man zugeben, dass man dem Ganzen vielleicht Unrecht tut. Denn die Vampire Diaries beruhen selbst auf eine Buchreihe, genau genommen auf eine, die es schon lange vor den Twilight Büchern gab.
1991 veröffentlichte die Autorin L.J. Smith die drei Bücher “The Awakening”, “The Struggle” und “The Fury”, ein Jahr später schloss sich aufgrund des großen Erfolgs noch “The Dark Reunion” an.

Durchaus an dieser Lektüre interessiert, gerade weil es sich dabei nicht um Trittbrettfahrer handelt, habe ich mir dann die deutschen Pendants “Das Erwachen/ Im Zwielicht”, “Der Kampf/ Bei Dämmerung”, “Der Zorn/ In der Dunkelheit” und “Die Rache/ In der Schattenwelt” bei Amazon angeschaut. Es gab viele euphorische Stimmen, aber genauso viele skeptische.
“Man fühlt sich erinnert an (schlechte) Teenie-High-School-Filme”, heißt es an der einen Stelle, “Definitiv nur ein Buch für 12-jährige Vampirfans” an der anderen.

Die Deutsche Version: "Das Erwachen" - Cora Verlag

Nun gut, um der leichten Verunsicherung zu trotzen, wollte ich mich also vorerst mit der TV-Serie begnügen.
Worum geht es dort?
Die 17-jährige Schülerin Elena, die kürzlich ihre Eltern verlor und seither mit ihrem kleineren Bruder bei ihrer sehr jungen Tante wohnt, schafft es nicht, wieder richtig zu leben, sich zu öffnen und glücklich zu sein. Dann trifft sie in der Schule auf den neuen Schüler, den guten Vampir Stefan. Er ist nicht ausgelassen und überschwänglich wie alle anderen, sondern wirkt eher traurig und bedrückt. Er bewegt sich also genau auf Elenas Frequenz und es kommt, was kommen muss.
Aber es gibt da auch noch Stefans Bruder Damon, den bösen Vampir. Er bringt Menschen um, hat Spaß daran seinen Bruder zu ärgern und die Kleinstadt zu tyrannisieren … bis auch er sich in Elena verliebt. Das Drama beginnt.

Das klingt ganz nett, wenn auch ein wenig klischeehaft. Aber wenn ich ehrlich sein soll, bisher hat mich das Ganze noch nicht überzeugt. Die Figuren und das Setting erinnern doch sehr an die Snobserie O.C. California: aufgehübschte Mädels mit Hollywoodlächeln buhlen um smarte Sunnyboys oder andersrum. Vampire wirken in dieser Welt etwas fehl platziert. Die Dialoge sind oberflächlich, fast schon etwas peinlich – und wenn dichter Nebel aufzieht, um einen Schauplatz mit düsterer Atmosphäre zu umhüllen, dann denkt man an Diskotheken auf Ibiza, bestenfalls noch an eine drittklassige Theatervorstellung.

Schenkt man unseren amerikanischen Freunden Glauben, dann soll es sich aber durchaus lohnen, durchzuhalten. Die vielen Fans der Serie sprechen für sich.
Vielleicht wird mich die Handlung noch fesseln – dann werde ich mir auch die Bücher vornehmen. Vielleicht bleibt auch alles auf anfänglichem Niveau. Aber egal. Seichte, süß-klebrige Unterhaltung nach einem langen Tag hat doch auch ihren Reiz, oder?
Und genau deshalb habe ich beschlossen, mich auch kommenden Mittwoch pünktlich um 21:15 Uhr vor den Fernseher zu setzen.

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6 Kommentare

  1. Ich muss gestehen, ich dachte auch gleich »Ach, Twilight-Abklatsch. Interessiert nicht.« Und da ich eh kein Seriengucker bin, habe ich erst gar nicht reingeschaltet. Werde ich in Zukunft auch nicht machen, aber dass es die Buchvorlage tatsächlich schon vor der Bis(s)-Reihe gab, finde ich trotzdem interessant. Sogar so interessant, dass ich vielleicht glatt mal einen Blick in Buch Nr. 1 riskieren werde.
    Auf jeden Fall Danke für diesen informativen Beitrag, Lilly!

  2. Friederike

    Ich guck es mir auf Englisch an und es gefällt mir ganz gut. Ich hab vor Jahren schon die Bücher gelesen und war sehr gespannt auf die Umsetzung. Es ist zwar einiges anders, aber das stört nicht großartig.
    Und klar, sowohl die Bücher als auch die Serie ist recht einfach gehalten, aber ich betrachte Twilight nun auch nicht gerade als filmisches oder literarisches Meisterwerk :-)

  3. Ich finde es sehr gut, dass hier mal ein Beweis dafür erbracht worden ist, dass es sich nicht um eine Twilight-Abklatsche handelt. Ich finde die Serie ist sehr spannend und man sie sich gut anschauen. Ich muss dazu sagen, dass ich kein sonderlicher Fan der Twilight-Saga bin…

  4. [...] das Bloggeschehen dort drüben werft. Meinen ersten Artikel über die Vampire Diaries findet Ihr hier. Und auch in den anderen Beiträgen dreht sich alles ums Buch, um Autoren, um Verlage und Verleger, [...]

  5. Paula

    Ich habe das Buch, kurz bevor ich erfahren habe, dass die Serie kommen soll, gekauft. Ich sehe kaum eine Verbiundung zwischen Serie und Buch, denn in der Serie passieren viele Dinge die im Buch nicht erwähnt werden. Für mich ist nur der Hintergrund des Buches mit der Serie gleich.

  6. Alina

    Ich war ein riesen TwiLight fan & als ich von
    Vampire Diaries hörte dachte ich mir
    Boah sicher so ne Twilight Kopie

    Aber ich hab mir die erste folge angesehen
    und seitdem gefäLLt es mir vieL besser aLs TwiLight..

    Viele Leute bezeichen die Serie ja noch immer aLs Kopie
    aber alle die das noch finden sollen sich die Serie anschaunen
    weiL es geht um waaas ganz anderes als in TwiLight
    und iwie find ich TwiLight jz schnuLzig und faad xD

    Lg Alina :)

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