LovelyBooks-Autoren im Gespräch

Heute möchten wir Euch wieder einen Lovelybooks-Autor vorstellen: Michael Petery. Mitglied BTOYA hat ihn für Euch interviewt und hier findet Ihr das komplette Gespräch mit ihm. Wer Lust hat, kann sich außerdem sehr gerne in seiner Autorengruppe “IM GESPRÄCH mit Michael Petery” mit ihm über seine Bücher, über Michelangelo und über weitere Themen unterhalten. Michael Petery freut sich sehr auf Euch!

Michael, wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, über Michelangelo ein Buch zu schreiben?

Angefangen, über Michelangelo nachzudenken, habe ich bei meinen Führungen als Reiseleiter in Rom und in Florenz. Da habe ich verschiedene Vorträge gehalten, immer wieder erklärt, was an seinen Werken so einzigartig ist. Das hat mich absolut fasziniert.
Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl gehabt, auf diese Weise sozusagen immer nur die Genieseite von Michelangelo zu erklären, nicht aber, was für ein Mensch Michelangelo eigentlich gewesen ist.
Denn auch ein noch so großer Künstler muss irgendeinmal angefangen haben, unsicher gewesen sein, darum gerungen haben, wie er es zu seinem Durchbruch bringt.

Du nennst dein Buch einen biographischen Roman. Warum hast du nicht einfach eine Biographie über Michelangelo geschrieben?

Ein Roman bietet die Chance, dem Leser ein sehr viel intensiveres Bild von einem Menschen zu zeigen, als das ein Sachbuch jemals könnte. Mein Ziel war es, für den Leser erlebbar zu machen, wie Michelangelo selber heranreift, langsam zu dem wird, als den wir ihn kennen. Einen solchen Entwicklungsprozess kann der Roman unvergleichlich viel besser darstellen als eine rein sachlich geschriebene Biographie.

Wie genau gehst du mit den historischen Details in deinem Buch um? Gibt es beim Romanschreiben nicht die Gefahr, einfach Dinge hinzuzuerfinden, die so nicht passiert sind? Du schreibst zum Beispiel ausführlich auch über die Jugend Michelangelos, über die es so viele Quellen gar nicht gibt?

Der Autor hat hier eine ziemlich große Verantwortung, weil er ja mit seinem Buch das Bild prägt, das die Leser von der beschriebenen Person haben. Würde ich zum Beispiel Michelangelo als trunksüchtigen und jähzornigen Draufgänger darstellen- es würde möglicherweise Leser geben, die mir das unhinterfragt glauben würden.
Meine Aufgabe als Romanautor ist: ein Bild zu zeichnen, das zumindest ein hohes Maß an Plausibilität für sich hat. Und hier liegt der ganz große Vorteil des Romans. Während eine rein sachlich geschriebene Biographie nur konstatieren kann: Im Jahr soundsoviel schuf Michelangelo dieses Meisterwerk und im Jahr soundsoviel das nächste, kann ich als Romanautor die ganze Unsicherheit erzählen, die es zuvor ja auch gegeben haben muss, den langsamen Prozess, der zu dem fertigen Meisterwerk hinführt.
Und dadurch, dass ich diesen Prozess miterzähle, habe ich im Ergebnis, so hoffe ich, letztlich ein realistischeres Bild vom Menschen Michelangelo gewonnen, als das in der sachlich konstatierenden Biographie jemals möglich gewesen wäre.

Ich glaube, das ist dir in deinem Buch sehr gut gelungen. Dein Roman liest sich sehr spannend und flüssig, man hat geradezu das Gefühl, selbst mitten in Michelangelos Schaffensprozess dabei zu sein.

Genau das war mein Ziel. Zu zeigen, wie Michelangelo als Künstler arbeitet, wie er seine Ideen findet, wie er sie dann zum fertigen Werk werden lässt, in der steten Spannung zwischen dem, was seine Auftraggeber von ihm erwarten und dem, was er selbst schaffen möchte. Er ist ja oft sehr ironisch mit dem umgegangen, was von ihm eigentlich erwartet wurde. Es ist schon bald eine Frechheit, wie Michelangelo mit dem Thema der Heiligen Familie umgeht, wenn er den Tondo Doni malt.

Deshalb dein Titel für den ersten Band: Michelangelo- Frömmigkeit und Ironie?

Richtig. Die beiden Begriffe Frömmigkeit und Ironie passen ja eigentlich überhaupt nicht zueinander. Die Ironie ist sozusagen der Feind der Frömmigkeit.
Zudem ist Frömmigkeit die Übersetzung des italienischen Wortes pietà. Und das erste Werk, mit dem Michelangelo die große Anerkennung als Künstler findet, ist seine römische pietà, das heißt die Darstellung der jungen Gottesmutter, die den toten Christus auf dem Schoß liegen hat. Das war im Jahr 1501 ein absoluter Kunstskandal, regelrechte Pornographie. Wie kann eine höchstens 17-jährige Gottesmutter einen nackten dreißigjährigen Christus auf dem Schoß liegen haben? Dieser Skandal hat Michelangelo berühmt gemacht.

Das vergisst man heute leicht. Wir haben uns so an das Bild von der jungen Maria gewöhnt, dass wir gar nicht mehr merken, was für eine Provokation das einmal gewesen ist.

Und deswegen ist so wichtig, diese Geschichten zu erzählen. Um es provokant auszudrücken: Der Vatikan hat ein großes Interesse, Michelangelo zu verkitschen. Und der ganze Geniekult rund um Michelangelo gehört dazu. Fast alle Besucher stehen vor den Arbeiten Michelangelos und sagen immer nur: So schön! So großartig! So genial! Und begreifen gar nicht, was für eine ungeheure Anklage gegen die Kirche der Renaissancepäpste dahinter steht.

In deinem Buch ist mir das besonders bei der Beschreibung der Sixtinischen Kapelle deutlich geworden. Das ist ja geradezu persönlicher Hass gegen Papst Iulius, den Michelangelo da malt. Und welcher Künstler außer Michelangelo hätte es jemals gewagt, einen Gottvater zu malen, der dem Betrachter seinen Hintern entgegenstreckt? Das ist ja im Grunde genommen unglaublich.

So sehe ich das auch. Und fast noch unglaublicher ist, dass Tausende von Besuchern in der Sixtinischen Kapelle täglich unter diesem Bild hindurchgehen, ohne diese Provokation überhaupt zu bemerken. Nun gut, ausgerechnet von diesem Bild gibt es natürlich keine Postkarten zu kaufen…

Ich glaube, dein Buch hat eine ganze Menge Sprengstoff in sich, sobald die Leute das merken.

Wer weiß? Auf jeden Fall möchte ich meine Leser neugierig machen, Michelangelo noch einmal ganz neu zu entdecken.

Bei mir ist dir das schon gelungen. Ich wünsche Dir, Michael, viele weitere neugierige Leser und danke dir für unser Gespräch.

2 Kommentare

  1. Hallo zsmmuaen,ich hab den i-gatU 100, nun hab ich das Problem das er nicht die ganze Tour, sondern er beendet einfach die Aufzeichnung nach einer gewissen Zeit.Weiss da jemand von Euch eine Lösung?

  2. HIBwHt vcmuhfvtccdz

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