Interview mit Lilly Berry

Wir möchten Euch ab jetzt regelmäßig interessante Literaturblogs vorstellen – und beginnen werden wir mit “Lilly Berry”. Weil uns ihre Artikel und Buchbesprechungen so gut gefallen, haben wir sie um ein Interview gebeten. Die Antworten möchten wir Euch natürlich nicht vorenthalten:

Lilly, wie und wann bist Du auf die Idee gekommen, Deinen Blog zu starten?

Das war vor gut 1 ½ Jahren. Ich habe mich bewusst mit einem Stück Papier an meinen Schreibtisch gesetzt und mich gefragt: „Was willst und erwartest Du wirklich vom Leben?“
Studium, Job – die ewige Tretmühle? Irgendwie kam mir das nicht mehr verlockend vor. Stattdessen schwebte mir immer das romantische Bild eines Schriftstellers vor: Leben in der Natur, Schreiben und die Zeit ein wenig anhalten. Ich wollte Bücher schreiben, oder überhaupt meinen Alltag mit Buchstaben verbringen und mein eigener Chef sein, und nicht in irgendeiner Bank, Agentur oder Großraumbüro versauern.
Geschlummert hatte der Wunsch schon länger in mir, aber in diesem Moment wurde mir das erst richtig bewusst, und zwar so nachhaltig, dass ich daraufhin mein Wirtschaftsstudium abbrach.

Ich hatte aber keinerlei Ahnung über kreatives Schreiben. Also besorgte ich mir erstmal einen Stapel mit entsprechender Literatur, und arbeitete mich in eine Vielzahl von Themen ein. Meinen Blog gründete ich zunächst nur als kleine Begleitseite. Es motiviert viel mehr, wenn man seine Fortschritte festhält, und wenn man nicht nur für sich lernt, sondern sein Wissen auch teilt.

Was bedeutet Dir der Blog – und das Internet im Allgemeinen? Wieviel Zeit investierst Du täglich?

Mittlerweile teile ich alles mit dem Blog, was für mich in literarischer Hinsicht wichtig ist – News, Rezensionen, interessante Links oder Zitate. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, und andere Buch- und Schreibblogs, die ich so gut wie täglich besuche.
Auch mit anderen Seiten wie lovelybooks oder dem Literaturschockforum bin ich erst in zusammengestoßen, als ich meine Literaturleidenschaft auf das Web2.0 übertragen habe. Insofern ist mir mein Blog wirklich wichtig geworden. Alles, was mich interessiert, fließt mir ganz automatisch zu. Das Internet ist natürlich auch in jeder anderen Hinsicht nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Ob Youtube-Abende, spannende Podcasts oder Verbindungen zu meinen Liebsten, die weit weg wohnen – es macht die Welt zu einem Dorf und das Leben ein wenig bunter.
Wie viel Zeit ich täglich „auf der Linie“ verbringe, kann ich gar nicht genau sagen. Mal nur eine Stunde (selten), gut und gern aber auch mal bis zu 8 Stunden.
Für lillyberry.de halte ich meist 1-2 Stunden frei, je nachdem wie viel Zeit, Lust oder Energie ich habe.

Mit welchen Autoren würdest Du gerne einmal einen Abend verbringen?

Es ist sicherlich keine Überraschung, wenn ich hier John Irving nenne. Er ist mein absoluter Lieblingsautor, und für sein Alter durchaus noch ein attraktiver Mann ;)
Ich würde ihm gern Fragen zu einigen seiner Charaktere stellen, mir Schreibtipps holen, und wissen wollen, was ihn das Leben bis heute gelehrt hat.

Ansonsten fände ich es auch schön Cecilia Ahern zu treffen. Sie schreibt so süß und gefühlvoll, dass ich glaube, dass sie eine total liebe und herzliche Person ist; einer der Menschen, mit dem ich gern befreundet wäre.

Kannst Du Dich noch an Dein allererstes Buch erinnern, das Du gelesen hast?

Leider nicht.
Aber an das erste Buch, war mir vorgelesen worden ist. Das waren Grimms Märchen. Als ich noch ganz klein war, hat mein Vater sie mir einfach nur erzählt, später vorgelesen. Dazu kamen Gute-Nacht- und Zwergengeschichten. Jeden Abend.
Auch meine Uroma war eine gute Erzählerin. Sie hat ihre eigenen Erlebnisse (zweiter Weltkrieg) wie ein Hollywooddrama erzählt. Im Nachhinein würde ich sagen, dass das nicht besonders kindgerecht war, aber auf jeden Fall prägend. Die Bücher meiner Kindheit waren die alten DDR-Kinderromane meiner Mutter, viele dieser Liebesschmöker in Heftfassung und Disneymärchen.

Die ganze Buchbranche spricht ja über das E-Book – wie denkst Du darüber? Möchtest Du Dir einen E-Book-Reader kaufen?

Anfänglich war ich total skeptisch. Will ich nicht, brauch ich nicht, totaler Unsinn. Typisch für Menschen, denen der Fortschritt Angst macht, denke ich.
Mittlerweile bin ich aber ziemlich sicher, dass das E-Book keine Bedrohung für den herkömmlichen Papierroman sein wird. Das Echo geht ja doch eher in die Richtung, dass Leseratten ihre Bücher lieber wie Accessoires pflegen und sich teilweise auch Heimbibliotheken wünschen.

Es gab eine Zeit, da habe ich geglaubt, dass uns irgendwann eine sterile Zukunft erwarten wird. Diese gläsern eingerichteten Architektenhäuser, jegliche Art von drahtloser Technik, alles minimal und gestriegelt. Aber mittlerweile denke ich, dass es dazu dann auch eine Gegenwelle geben würde, dass sich ein (Groß?)teil der Menschen, denen Wohnlichkeit und Tradition wichtig ist, bewusst für das entscheiden würde, was Haus und Leben gemütlich und bodenständig macht – vielleicht für Plattenspieler, bunte zusammen gewürfelte Einrichtungen oder eben auch für echte Büchersammlungen.

Mit dem Reader stehe ich heute nicht mehr auf Kriegsfuß … Gott, das hört sich an, als würde es diesen schon Jahrzehnte geben, ich weiß. ;)
Was ich meine: Ich habe anfänglich schon sehr gemeckert. Aber heute sehe ich auch die ganzen Vorteile, insbesondere bei Sach- und Fachbüchern. Kaufen möchte ich mir derzeit trotzdem keinen.

Welches Buch steht auf Deiner aktuellen Wunschliste ganz oben?

Das sind Astrid Lindgrens Ur-Pippi, Liza Marklunds „Lebenslänglich“ (nachdem mir „Kalter Süden“ unerwartet so gut gefallen hat), eine von Christian Zentner kommentierte Version von „Mein Kampf“ und „Darcy and Anne“ (It is a Truth Universally Acknowledged That Lady Catherine Will Never Find a Husband for Anne…) von Judith Brocklehurst. Es ist nie nur ein Einziges :)

Lilly, wir danken Dir sehr herzlich für das Gespräch und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg und Spaß mit Deinem Blog!

3 Kommentare

  1. Ein schönes, interessantes und informatives erstes Interview in dieser Reihe. Ich bin gespannt, welche Literaturblogs Ihr noch vorstellen werdet! Lilly Berry hat jedenfalls ein sehr schönes Literaturblog, das ich schon länger verfolge. Immer wieder lesenswert!

  2. [...] lovelybooks gibt es ein kleines Interview mit mir. In einer neuen Kategorie sollen nach für nach verschiedene Literaturblogs vorgestellt [...]

  3. swoopy

    Klasse ;) Daumen hoch

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